Interview

Hurricanes-Coach Christian Greve: „Wir sind noch nicht am Limit“

Christian Greve zeigt mit dem Finger in der Auszeit etwas an.
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Christian Greve zeigt es an: Es darf noch ein Stück weiter nach oben gehen.

Als Tabellensechster sind die Avides Hurricanes in die Winterpause gegangen. Der passende Zeitpunkt, um mit Coach Christian Greve mal ein Zwischenfazit zu ziehen.

Scheeßel – Bis zum 4. Januar ruht der Trainingsbetrieb bei den Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes, die als Tabellensechster zwei Plätze hinter den angepeilten Play-off-Plätzen liegen. Im Interview spricht Coach Christian Greve (46) darüber, woran es noch hapert und wie realistisch ein Aufstieg in die erste Liga überhaupt wäre.

Nach dem ersten Rückrundenspiel und der Niederlage bei den ChemCats Chemnitz liegt Ihr Team als Sechster nicht ganz im Soll, oder?

Was ist denn unser Soll?

Die Play-offs, oder?

Starten die morgen?

Nein, natürlich nicht.

Gut. Also sind wir noch im Soll. Wir sind nur einen Sieg hinter Platz zwei. Das ist von daher nicht dramatisch. Anders wäre es, wenn wir fünf Siege hinter Platz vier wären.

Die eine oder andere überflüssige Niederlage hat es aber schon gegeben.

Ich weiß nicht, ob das Wort „überflüssig“ den Gegnern gerecht wird. Sicher hatten wir Spiele, die wir nicht gut gespielt haben und nicht erfolgreich abschließen konnten. Aber das ist eben die Liga. Wenn der Letzte den Ersten mit 20 Punkten schlägt (gemeint ist der Sieg des VfL Bochum gegen Eintracht Braunschweig, Anm. d. Red.) , dann ist das auch ein Zeichen. Bis auf das Spiel gegen Opladen, wo wir deutlich unterperformt haben, waren es bei den anderen Niederlagen knappe Spiele. Wir haben zweimal in der Verlängerung verloren.

Welche Niederlage ärgert Sie am meisten? Die klare beim BBZ Opladen?

Ich verliere nicht gerne hoch. Aber die bei der TG Neuss war schon sehr ärgerlich, weil wir bis fünf Sekunden vor dem Ende geführt haben und dann in der Verlängerung verlieren. Und auch die bei Alba Berlin, wo wir in den Spielen vorher sehr gut drauf waren. Die hatten wir uns selbst zuzuschreiben.

Woran hapert es denn noch?

Ich denke schon, dass wir leistungsmäßig noch nicht am Limit sind. Da haben wir noch Spielraum, um uns als Team zu entwickeln. Das ist meine Aufgabe zu schauen, wo man ansetzen muss. Ideen habe ich da schon, die muss ich mit mir selbst aber noch tiefergehend analysieren. Defensiv muss die Abstimmung noch besser werden. Im Angriff fehlt es mir manchmal, dass die Gassen zu den Körben, die sich bilden, auch wirklich angegriffen werden. Wir sind noch zu abhängig von außen. Wichtig ist es, mehr Drives zum Korb zu setzen. Pia Mankertz macht das, aber sie ist gar nicht die, die es machen müsste, zumindest hätte ich es gerne auf mehrere Schultern verteilt.

In den vergangenen Jahren performte Ihr Team oft nach der Winterpause besser. Täuscht der Eindruck?

Nein, der täuscht nicht.

Erwarten Sie das auch jetzt wieder?

Natürlich erwarte ich das. Es ist aber eher die Erwartung, dass wir gut als Team arbeiten, nicht, dass es einfach so passiert. Für mich ist es deshalb die Aufgabe zu sehen, welche Schwächen gilt es auszubügeln, welche Stärken einzubringen. Sicher kommt das Restprogramm uns vielleicht auch entgegen, weil wir gegen alle schweren Gegner noch zu Hause spielen – gegen Opladen, Wedel, Neuss, Braunschweig und Berlin. Die vier Niederlagen haben wir ja alle auswärts kassiert. Klar ist aber: Wir müssen auch auswärts bereit sein. Da müssen wir auf jeden Fall noch drüber sprechen.

Durch die Rückkehr der lange verletzten Centerin Anacia Wilkinson hat sich das Spiel auch deutlich verändert. Sind Sie quasi bei null wieder angefangen?

Der Ausfall von Anacia hat uns sicher nicht gutgetan, ich hatte aber die Befürchtung, dass die Hinrunde noch anders ausfallen könnte. Da hat Leonie Rosemeyer einen fantastischen Job gemacht. Jetzt fangen wir im Prinzip da an, wo wir am Anfang schon waren, da gilt es, den Spielrhythmus offensiv erst wieder zu finden.

Wie beurteilen Sie die Leistungen ihrer beiden Profis Anacia Wilkinson und Toshua Leavitt bisher?

Sie helfen uns beide auf jeden Fall weiter, haben auch beide noch Potenzial. Anacia hat uns mehr als die Hälfte der Spiele gefehlt. Da merkte man schon, dass wir sie brauchen. Toshua schafft mit ihrer Wurfqualität Raum für die anderen, den wir bisher aber noch nicht so gut genutzt haben.

Was spricht für Ihr Team auch im Hinblick auf das Erreichen des Ziels?

Alle arbeiten sehr gut miteinander zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Der Dialog ist gut, auch mit Pia als Kapitänin funktioniert das sehr gut. Da muss man im Training nicht gegen große Widerstände arbeiten. Und man sieht auch schon eine Entwicklung. Wir haben schon eine sehr viel bessere Ballbewegung als am Anfang der Saison. Es ist auch ein Konkurrenzkampf da, da wird es in der Rückrunde so sein, dass die erste Fünf häufiger wechseln wird und keine sicher ist. Wir haben diese Tiefe des Kaders mit noch mehr Qualität als die Jahre zuvor, auch gerade mit Janina Schinkel als Verstärkung. Muska Saidi ist ebenfalls eine Spielerin, die uns gutgut. Unsere Amis passen sehr gut rein, die Jüngeren wie Melda Tölle und Michelle Schischkov investieren sehr viel. Eine Stärke ist auch, dass wir dadurch auf der Bank noch mehr Potenzial haben und ein bisschen variabler wechseln können.

Bei drei von vier Niederlagen war Hannah Pakulat nicht dabei. Nur ein Zufall?

Da kann ein Zusammenhang bestehen. Sie ist schließlich eine wichtige Spielerin für uns und nach Anacia unsere Top-Rebounderin.

Wie realistisch wäre eigentlich ein Aufstieg in die erste Liga für Sie?

Das ist für mich kein ausgegebenes Ziel. Von daher mache ich mir darüber wenig Gedanken. Wenn wir uns realistisch mit dem Kader einschätzen, dann wollen wir schon gerne in die Play-offs. Das sind wir ja noch nicht, von daher ist der Aufstieg kein Thema. Ich denke, das ist für uns als Verein kein Ziel, was wir anstreben sollten. Dafür ist der Unterbau auch zu dünn. Ich finde, dass wir für unseren Standort schon das Maximale herausholen.

Sie haben den Unterbau angesprochen. Ist es nicht von Nachteil, dass das WNBL-Team aufgegeben wurde?

Prinzipiell ist es gut, eine ambitionierte Spielfläche zu bieten. Wenn wir aber auf die vergangenen Jahre blicken, gab es nur ein oder zweimal starke und nachhaltige Jahrgänge. Wir haben ja auch versucht, Leuten von außerhalb, diese Plattform zu bieten, das hat aber keine großen Früchte getragen. Wir konnten aber zumindest alle, die es wollten, im Team der 2. Regionalliga unterbringen. Der Unterbau fehlt, daran arbeiten wir hart – und im Jahrgang 2006/2007 gibt es wieder mehrere mit Ambitionen.

Welches Team in der Liga könnte denn überhaupt in der ersten Liga bestehen?

Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil ich den finanziellen Background der Vereine nicht kenne. Man müsste von der zweiten zur ersten Liga schon den Kader umstellen, außer man hat es bereits wie letzte Saison die Rheinland Lions getan. Unser Kader ist ja nicht auf die erste Liga ausgelegt. Ich weiß nicht, ob irgendjemand in der Liga das als Ziel ausgesprochen hat. Vom Gefühl her würde ich es Alba Berlin aber zutrauen, auch von der Größe des Vereins und den Ambitionen der Vereinsführung her. Vielleicht hätten sie dann auch eine andere Halle – in der aktuellen ist es für zweite Liga ja schon etwas schwierig.

Aktuell gibt es eine Diskussion darüber, dass der Frauensport sehr stiefmütterlich (oder eher stiefväterlich) behandelt wird. Es gibt vereinzelt Ideen, das zu verändern. Wie beurteilen Sie es?

Das ist ein gesellschaftliches und ein sportpolitisches Problem. Ich habe da kürzlich einen hervorragenden Satz von Almuth Schult (Fußball-Nationaltorhüterin, Anm. d. Red.) gelesen. Sie hat gesagt, sie würde als ehrenamtliche DFB-Präsidentin mehr verdienen als jede Profi-Fußballerin in Deutschland. Damit ist es schon gut zusammengefasst. Wenn das selbst im König Fußball so ist, müssen wir über die Randsportarbeiten nicht reden. Wenn die Verbände sagen würden, wir investieren in Frauen und Männer gleich – da könnte man schon einen Hebel ansetzen.

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