Die Wümme ist „ein Juwel“ – auch für die Verdener

Ein Autodidakt im Auftrieb

Aaron Jasper Kruse von den Kanuwanderern Rotenburg schnupperte Rennluft und bahnt sich den Weg durch die Stangen. - Foto: Freese

Rotenburg - Von Matthias Freese. Eine Fläche von 3,50 Meter mal 60 Zentimeter reicht Sascha Hamdorf völlig aus, um sich wohlzufühlen – vorausgesetzt, der 36-Jährige befindet sich auf dem Wasser. Der Aufkleber auf seinem schwarzen Helm bestätigt diese These: „My boat ist my castle“ steht drauf. Hamdorf ist Vorsitzender der Kanuwanderer Rotenburg – und war dementsprechend in seinem Element, als der dritte von vier Läufen zur Kanuslalom-Landesmeisterschaft vor der eigenen Haustür auf der Wümme ausgerichtet wurde.

Die vor etlichen Jahren extra angelegte Strecke an der Aalter Allee nennt Hamdorf „ein Juwel“. Über sechs verstellbare Stauklappen lässt sich die Strömung der Wümme hier lenken, wenngleich die Wiese im Laufe der Jahre bedingt durch die Überschwemmungen immer mehr an Höhe gewonnen hat.

Trainer, Vorsitzender, Autodidakt: Sascha Hamdorf (r.).

Auch der WSV Verden, der die Landesmeisterschaft in dieser olympischen Sportart jedes Jahr hier ausrichtet, weiß dieses Fleckchen Natur zu schätzen. Vor allem für Nachwuchsfahrer ist die Strecke ideal, „für die Schüler aber durchaus auch anspruchsvoll“, sagt Wettkampfleiter Stefan Meyer. Die Aller, von der die Verdener ja kommen, ist wiederum ungeeignet. „Das ist eine Bundeswasserstraße mit Fahrgastschifffahrt. Da könnten wir keine Drähte über den Fluss spannen und Stangen aufhängen.“ Also kommen die Verdener auch zum Training regelmäßig nach Rotenburg.

Von den heimischen Kanuwanderern gibt es neuerdings wieder Unterstützung. Nicht nur, dass Sascha Hamdorf und seine Schüler Anton Weigele, Marten Thäsler und Aaron Jasper Kruse „Rennluft schnupperten“. Auch sonst ist der neue Vorsitzende sehr rege, um den einst in der Kreisstadt populären Kanusport wieder voranzubringen. Erst in diesem Jahr übernahm Hamdorf das Amt und versucht vor allem, die Jugend mit „Wildwasser-Aktionen“ wie Touren und Fahrten – etwa nach Frankreich – anzusprechen. „Außerdem hat man bei unseren Touren auf der Wümme durchaus die Chance, Eisvogel und Otter zu sehen.“

Einen Trainer haben sie im Verein allerdings noch nicht. „Wir sind Autodidakten, ich mache das quasi nebenamtlich mit“, erzählt der dreifache Familienvater. 70 aktive Paddler zählt der Verein aktuell, 60 Boote sind in seinem Besitz. Doch die haben schon einige Jahre auf dem Buckel, sind „fast 20 Jahre alt“ und haben noch die alten Maße, sprich eine Länge von vier Metern. „Die drehen natürlich langsamer als die kürzeren. Um wirklich mitzufahren und nicht hinterherzufahren brauchen wir aber neues Material“, sagt Hamdorf. Das ist nicht ganz billig. Egal ob Kajak oder Canadier – ein modernes Kanu besteht komplett aus Carbon, hat ein Mindestgewicht von acht Kilo und kann auch mal schlappe 2 000 Euro kosten.

Ohnehin ist das Equipment nicht ganz ohne, was sich schon an den etlichen Wohnmobilen, die während der Titelkämpfe auf der Wiese an der Wümme parken, erkennen lässt. Zur Grundausstattung gehört natürlich ein Helm und eine Schwimmweste – und auch wenn sich im Boot selbst noch Auftriebskörper befinden, ist der Freischwimmer Vorraussetzung.

Ergebnisse des Kanuslaloms finden sich auf der Homepage des WSV Verden unter der Adresse www.wsv-verden.de.

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