Heeslingens langjähriger Kapitän muss gehen

Dominik Bremer und der traurige Auszug aus dem „Wohnzimmer“

Nachdenklicher Blick zurück: Dominik Bremer musste den Heeslinger SC nach 16 Jahren verlassen.
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Nachdenklicher Blick zurück: Dominik Bremer musste den Heeslinger SC nach 16 Jahren verlassen.

Heeslingen – Aussortiert. Der Heeslinger SC setzt beim Angriff auf die Spitze der Fußball-Oberliga auf eine Verjüngungskur und hat sich nach der abgebrochenen Saison von seinem langjährigen Kapitän Dominik Bremer getrennt. Die Verantwortlichen um Teammanager Steffen Lahde verlängerten den Vertrag des Abwehrchefs nicht. Im besten Fußballalter von 30 Jahren und mit der Erfahrung von mehr als 400 Spielen musste das Urgestein sein „Wohnzimmer“ im Waldstadion räumen. „Ich war unglaublich enttäuscht“, gesteht der aus dem Altkreis stammende Routinier im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung.

2004 war Bremer vom SV Rot-Weiß Scheeßel in die B-Jugend des damaligen TuS Heeslingen gewechselt. Der talentierte Lauenbrücker schaffte den Sprung in den mit Cracks gespickten Oberliga-Kader und wurde unter Coach Torsten Gütschow schnell zum Stammspieler und Leistungsträger. Acht Jahre in Folge trug er sogar die Binde. Das letzte Spiel absolvierte er vor knapp einem halben Jahr, am 1. März gegen die FT Braunschweig, ehe die Corona-Pandemie für einen Saison-Abbruch sorgte. „Zunächst hingen wir in der Luft, haben nach einem vorgegebenen Plan zu Hause trainiert. Ein regelmäßiger Austausch fand nur innerhalb der Mannschaft und mit dem Trainer-Team statt“, erzählt Bremer. Das wegweisende Personalgespräch folgte erst Mitte Mai in der Firma von Teammanager Lahde. „Steffen erörterte mir die Gründe, weshalb es für mich nicht mehr weitergehen würde. Meinen Termin hatte ich erst erhalten, als bereits zahlreiche Gespräche mit externen Spielern stattgefunden hatten“, sagt Bremer. „Es war kein Geheimnis, dass die internen Gespräche und Vertragsverlängerungen ebenfalls nahezu abgeschlossen waren. Es ist nicht nachvollziehbar, dass man mich so lange im Ungewissen ließ, was meine sportliche Zukunft angeht. Da habe ich schon ein Stück weit Wertschätzung und Loyalität vermisst. Ich denke, die kann man nach 16 Jahren, in denen ich mich ganz in den Dienst des Vereins gestellt habe, erwarten. Der Fußball war mein Leben, dafür habe ich alles hinten angestellt“, betont Bremer.

„Dominik ist ein verdienter Spieler, er hat in all den Jahren viel für den Verein getan. Doch in der Gesamtabwägung haben wir entschieden, nicht mehr mit ihm zu planen. Wir wollen verschiedene Dinge verändern und setzen auf junge Talente. Es ist mir schon sehr schwer gefallen, ihm die Entscheidung mitzuteilen, schließlich haben wir einige Jahre eng zusammengearbeitet“, erklärt Steffen Lahde, der den ehemaligen Mannschaftsführer auf alle Fälle noch gerne offiziell verabschieden möchte.

Verein strebt Umbruch an - Titze tut Entscheidung „etwas weh“

Auch der neue Coach Sören Titze versichert im Gespräch, dass es rein sportliche Gründe gewesen seien, die zum Aus des 30-Jährigen geführt hätten: „Der Verein strebt einen Umbruch an, will etwas verändern. Daher haben wir den Kader mit jungen talentierten Spielern verstärkt, um eine neue Mannschaft aufzubauen und zu entwickeln, die mittelfristig oben mitspielt. Dominik Bremer stand über Jahre als Leistungsträger für den Verein, hat die Mannschaft geprägt. Wir mussten eine Entscheidung treffen, die etwas weh tut, allerdings im Sinne des Vereins ist“, bemerkt Titze.

Doch für viele Beobachter ist es schwer nachvollziehbar, dass Bremer für das neue Projekt geopfert wurde, zumal es noch andere Akteure dieser Altersklasse im Team gibt. Auch wenn Bremer an Schnelligkeit eingebüßt hat, hätte er mit seiner Ausstrahlung und Präsenz den jungen Wilden als Führungsspieler wichtige Hilfestellungen geben können, denn technisch und taktisch gehörte er stets zu den Großen in der Liga. Der 1,97 Meter lange Defensivspieler bestach unter anderem durch seine Zweikampfstärke, sein starkes Kopfballspiel und ein gutes Auge. Und seine öffnenden Diagonalbälle hinter die letzte gegnerische Linie waren sehenswert. Da landete der Ball punktgenau in den Lauf oder im Fuß des Mitspielers.

Im Besitz der B-Lizenz

Dass der Verein versucht, verdiente Spieler auch nach der aktiven Laufbahn an sich zu binden, zeigt das Beispiel Sebastian Sautner. Der 31-Jährige bestritt an der Seite von Bremer viele erfolgreiche Partien und beendete seine Kariere zum Saisonende. Er agiert nun als Co-Trainer von Titze. Auch Bremer hat bereits seine Erfahrungen als Trainer gesammelt und bewiesen, dass er mit der Jugend umgehen kann. Er ist im Besitz der B-Lizenz und hat die U 19 des JFVA/O/Heeslingen eine halbe Saison lang als Co-Trainer in der Niedersachsenliga betreut.

Bremer ist ein Typ, der polarisiert, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält – auch wenn das nicht bei jedem gut ankommt. Doch solche Anführer braucht ein Team, um Erfolge zu feiern. „Ich weiß, dass manche ein Problem damit hatten, doch es ging mir immer nur um die Sache. Wichtig war mir dabei immer das Verständnis, dass wir alle in einem Boot sitzen“, unterstreicht der Routinier.

Wechsel nach Braunschweig scheiterte an hoher Ablösesumme

Dabei schrieb er eine sportliche Erfolgsstory und schaffte über sein großes Talent sowie eine hohe Willensstärke bereits in seiner zweiten Herren-Saison 2009/2010 den Durchbruch. Im Team um Wojciech Bobrowski, Thomas Johrden, Jan Koch und Nils Laabs kam er mit 29 von 32 möglichen Einsätzen über 90 Minuten auf eine beeindruckende Bilanz. Das DFB-Pokalspiel am 15. August 2010 gegen den damaligen Zweitligisten Energie Cottbus bleibt unvergessen. „Das war vor 4 000 Fans ein unglaubliches Fußballfest. Wir haben denkbar knapp die Sensation verpasst und 1:2 verloren“, erinnert er sich.

Dominik Bremer (vorne) in seinem Element – er läuft den Ball clever ab.

Danach fand sich der Defensivspieler in den Notizblöcken verschiedener Scouts wieder. „Der VfB Oldenburg und Eintracht Braunschweig hatten Interesse signalisiert. Es hat Gespräche mit Trainer Torsten Lieberknecht gegeben. Der Wechsel zur Eintracht in die 3. Liga scheiterte aber an einer hohen Ablösesumme, die Manager Manfred Müller gefordert hatte“, erzählt Bremer.

Dass er ein Guter war, stellt auch Trainer Hansi Bargfrede heraus. Die beiden Alphatiere arbeiteten vier Spielzeiten zusammen, geigten sich schon mal die Meinung, wenn es um das Produkt Fußball ging. „Er war schon eine Kante, brachte alles mit, um auch höher zu spielen. Doch was die Trennung angeht, ist es halt so, dass alles seine Zeit hat. Das ist für einen Spieler seines Typs nur schwer zu verstehen. Ich denke, dass sich die Verantwortlichen schon etwas dabei gedacht haben“, meint Bargfrede. „Er hat eine starke letzte Saison gespielt, war ein echter Leader auf und neben dem Platz. Die Gegner hatten großen Respekt vor ihm, denn defensiv und offensiv besitzt er durch sein konsequentes Zweikampfverhalten und seiner Kopfballstärke eine hohe Qualität. Ich war enttäuscht, als ich gehört habe, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde“, sagt der langjährige Mitspieler Kevin Rehling.

Auch der Rotenburger SV fragte an

Und wie schaut die Zukunft des abservierten Kapitäns aus. „Ich hatte mehrere Angebote, wie zum Beispiel das des Oberliga-Aufsteigers Rotenburger SV. Doch ich werde bis zur Winterpause alles auf Eis legen und widme mich verstärkt privaten und beruflichen Dingen. In Sachen Golf, Motorradfahren und Boxen finde ich eine gute Abwechselung. Auch beruflich bin ich in führender Position als Produkt-Entwicklungs-Koordinator bei einem Unternehmen im Hamburger Speckgürtel gut eingespannt. Nach so einer langen Zeit werde ich auch weiterhin mit dem HSC verbunden sein und bestimmt das ein oder andere Spiel besuchen. Das ist für mich eine nachhaltige Herzensangelegenheit“, betont Bremer.

Von Manfred Krause

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