Kooperation mit den Hurricanes

Orthopädie-Team des Diako: „Auf den eigenen Körper hören“

Marie Keitsch, Prof. Dr. Max Kauther und Hauke Kröning (vorne, v.l.) knien auf dem Hallenboden. Dahinter stehen die Avides Hurricanes.
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Sie machen künftig „gemeinsame Sache“: Die Avides Hurricanes sind eine Kooperation mit der Unfallchirurgie und Orthopädie des Diakonieklinikums eingegangen. Die Fachärzte Marie Keitsch, Prof. Dr. Max Kauther und Hauke Kröning (vorne, v.l.) waren beim jüngsten Heimspiel vor Ort.

Im Interview klären die drei Ärzte des Agaplesion Diakonieklinikums unter anderem über das Dehnen vor dem Training und typische Verletzungen im Basketball auf.

Rotenburg/Scheeßel – „Ich habe ein sportbegeistertes Team“, betont Prof. Dr. Max Kauther, Chefarzt in der Unfallchirurgie und Orthopädie des Agaplesion Diakonieklinikums in Rotenburg. Den Beweis trat er zusammen mit den Fachärzten Hauke Kröning und Marie Keitsch an, als das Trio in Scheeßel beim jüngsten Heimspiel der Avides Hurricanes zu Gast war und den (verletzungsfreien) Sieg gegen den VfL Bochum in der ersten Reihe miterlebte. Mit dem Basketball-Zweitligisten gibt es neuerdings eine Kooperation. Wir haben beim Team des Diako nachgefragt.

Wie ist es zur Kooperation mit den Hurricanes gekommen und was beinhaltet sie?

Prof. Kauther: In Essen habe ich bereits gerne Leistungssportler behandelt. Mein sportbegeistertes Team möchte die Hurricanes auf diesem hohen Niveau bei Verletzungen so unterstützen, dass sie schnellstmöglich wieder ihren Sport betreiben können. Wir möchten damit auch die Sportstadt Rotenburg unterstützen.

Kröning: Wir können fast alle Probleme behandeln. Und es sind in der Vergangenheit ja auch schon einige Sportlerinnen dieser Mannschaft bei uns gewesen.

Keitsch: Mit der Kooperation sollen nun auch die Abläufe für die Spielerinnen vereinfacht werden.

Was sind eigentlich die häufigsten Sportverletzungen?

Keitsch: Verdrehte Knie, umgeknickte Füße. Hierbei kommt es häufig zu Bandverletzungen, Meniskusschäden und auch Muskelverletzungen.

Kröning: Neben Knie- und Sprunggelenksverletzungen sind es aber auch Finger- und Handverletzungen durch Ball- und Spielerkontakte.

Es wird immer wieder behauptet, dass die Verletzungsanfälligkeit beziehungsweise die Häufigkeit von Verletzungen nach der Corona-Pause zugenommen hätte. Können Sie das bestätigen?

Prof. Kauther: Ja, stimmt. Im Corona-Lockdown haben wir zunächst insgesamt deutlich weniger Verletzungen gesehen, so auch Sportverletzungen und weniger Verletzungen im Straßenverkehr. Dadurch, dass viele Sportler lange pausiert haben, nicht mehr so im Training waren und möglicherweise auch ein paar Corona-Kilos zugenommen haben, aber im Kopf immer noch so sportlich wie vor Corona sind, haben diese Verletzungen bei Wiederaufnahme des Sports zugenommen.

Zur Person

Sportliche Fachärzte

Prof. Dr. Max Daniel Kauther hat im April die Chefarztposition in der Unfallchirurgie und Orthopädie des Agaplesion Diakonieklinikums in Rotenburg übernommen und ist begeisterter Wassersportler. Er ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit den Zusatzbezeichnungen für Spezielle Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Handchirurgie, Sportmedizin, Notfallmedizin, Manuelle Medizin/Chirotherapie und Physikalische Therapie/Balneologie. Hauke Kröning und Marie Keitsch sind ebenfalls Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie. Kröning ist Hauptoperateur des Endo-Prothetik-Zentrums am Diako und hat selbst aktiv und höherklassig Basketball gespielt. Er nahm unter anderem an der Studenten-EM teil. Keitsch wurde 2017 in Oslo Weltmeisterin im Showturnen – „vor den Augen des norwegischen Königs“, wie sie berichtet. maf

Und oft handelt es sich um muskuläre Verletzungen ...

Prof. Kauther: Das liegt vermutlich daran, dass man häufig während der Coronapandemie die Grundlagen des Sports vernachlässigt hat. Man braucht nun mal Kraft, Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit und Flexibilität – wenn man diese unzureichend trainiert hat, kann ein überhasteter Sportbeginn eher zu Verletzungen führen.

Kröning: Das betrifft aber in erster Linie eher die Freizeitsportler als die Profisportler, da diese kontinuierlich auch im letzten Jahr trainiert haben. Wenn am Samstag Fußballspiele sind, können Sie ohnehin sicher sein, dass immer auch Patienten mit akuten Sportverletzungen bei uns landen.

Die Art der Verletzung ist häufig sportartenspezifisch. Was sind typische Basketball-, was zum Beispiel typische Fußballverletzungen?

Kröning: Beim Basketball sind Knie-, Sprunggelenks-, Hand- und Fingerverletzungen die Klassiker. Beim Fußball gibt es weniger Handverletzungen, aber dafür Verletzungen, die durch Krafteinwirkung durch den Gegenspieler, zum Beispiel durch rücksichtsloses Reingrätschen, passieren.

Prof. Kauther: Im Fußball geht es teilweise körperlich mehr zur Sache als zum Beispiel beim Basketball, wo wir hier ein sehr faires Spiel gesehen haben. Durch „Blutgrätschen“ entstehen beim Fußball auch Verletzungen, die man nicht beeinflussen kann.

Immer häufiger, so scheint es, klagen Sportler auch über Achillessehnenprobleme. Stimmt das?

Keitsch: Die haben wir tatsächlich in letzter Zeit mehrfach behandelt, auch Beschwerden, die wir operiert haben.

Kröning: Es gab in der Tat nach dem Corona-Lockdown gefühlt mehr Achillessehnenrisse, das trifft dann aber nicht so sehr auf die jungen Sportler zu.

Prof. Kauther: Gefährdet sind eher die 40- bis 50-Jährigen, die im Kopf noch jung gebliebene Sportler sind und häufig abrupt mit dem Sport wiederbeginnen.

Und was hilft da, um es nicht erst zum Riss kommen zu lassen?

Keitsch: Dehnen. Unbedingt. Das kommt leider immer zu kurz. Wenn man merkt, es ist was, sollte man auf seinen Körper hören und auch die Intensität runterschrauben.

Kröning: Und wenn Beschwerden längerfristig bestehen, sollte man sie besser abklären lassen, um diese zunächst konservativ zu behandeln, damit es nicht erst zum Riss kommt.

Prof. Kauther: Empfohlen wird bei Achillessehnenproblemen häufig ein sogenanntes extrinsisches Training, Eisbehandlungen und ein Balancetraining.

Ballkontakt: Hauke Kröning, Prof. Dr. Max Kauther und Marie Keitsch (v.l.) im „Einsatz“ während des Spiels.

Manch einer greift auch erst mal lieber zu Voltaren oder Ibuprofen. Können Sie das gutheißen?

Keitsch: Als Sportler kann ich das nachvollziehen, aber medizinisch ist das nicht zu empfehlen.

Prof. Kauther: Zumal häufig gebräuchliche Schmerzmittel auch Nebenwirkungen haben und Nieren und Leber schädigen können.

Worauf ist bei den ersten Einheiten nach einer Verletzung zu achten?

Kröning: Dass man die Intensität langsam wieder steigert. Direkt mit 100 Prozent wieder zu starten, birgt mit Sicherheit ein Risiko, sich gleich wieder zu verletzen. Es geht auch darum, das Zusammenspiel der Muskulatur zu trainieren, das lässt ja auch nach, wenn man länger nicht trainiert hat.

Prof. Kauther: Und es ist wichtiger, auf den eigenen Körper zu hören, als auf das, was im Internet im Trainingsplan steht.

Wie sieht es mit dem klassischen Dehnen als Aufwärmen vor dem Sport aus?

Kröning: Über die Jahre haben Stabilisationsübungen einen höheren Stellenwert eingenommen.

Prof. Kauther: Ein Aufwärmen ist gut für die Muskulatur, um sich auf die sportliche Belastung einzustellen. Statisches Dehnen mit langem Halten der Endposition, wie früher im Kreis in der Schule, kann sogar einen negativen Einfluss auf die Muskelkraft und Koordination haben. Ich habe viele Studien durchgeführt, um herauszufinden, ob ein Dehnen Sportverletzungen reduziert. Das konnte ich aber nicht nachweisen. In manchen Sportarten wie dem Turnen und Kampfsport ist Flexibilität aber unwahrscheinlich wichtig, hierbei ist das Dehnen eine Art von Trainingseinheit.

Aber bei Achilessehnenreizungen plädieren Sie schon für das Dehnen ...

Prof. Kauther: Das bereits angesprochene extrinsische Training ist eine Art der Dehnung der Achillessehne. Hierbei steht man mit dem Vorfuß auf einer Stufe und lässt sich aus dem Zehenspitzenstand langsam absinken. Diese Art von Dehnung ist die sicherste und effektivste Behandlung für Schmerzen in der Mitte der Achillessehne. Wichtig ist eine richtige Anleitung zum Beispiel durch die Physiotherapie.

Und wie gefährlich sind abrupte Stoppbewegungen – besonders auf stumpfen Hallenböden – für die Knie, Hüfte und Füße?

Prof. Kauther: Auf Weltniveau kann es zu einem frühzeitigen Gelenkverschleiß kommen. Bekannte Profis aus dem Tennis oder Fußball mussten bekanntermaßen frühzeitig mit Knie- oder Hüftprothesen versorgt werden – und zwar in einem Alter, in dem das sonst nicht üblich ist.

Keitsch: Für die allermeisten Sportler überwiegen aber eindeutig die Vorteile des Sports die der angesprochenen Gefahren. Dazu zählen wir auch die Basketballer und Tennisspieler, die natürlich abrupten Stoppbewegungen ausgesetzt sind.

Wie wichtig sind dabei die richtigen Sportschuhe und müssen es immer die teuren Markenschuhe sein?

Kröning: Das passende, moderne Schuhwerk ist schon wichtig.

Prof. Kauther: Es gibt aus meiner Sicht Unterschiede der Marken. Auf jeden Fall sollte man Schuhe nehmen, die für die jeweilige Sportart spezifisch sind. Heute tragen ja im Freizeitbereich fast alle Sneaker und die Auswahl fällt mehr nach dem Design und nicht nach der Funktion. Sportler mit Fußproblemen sollten sich auf jeden Fall beraten lassen und auch eine Laufanalyse machen.

Keitsch: Bei schmerzenden Füßen in Schuhen muss man immer genau gucken. Da spielt der Schuh oft eine Rolle.

Prof. Kauther: Über problematische Schuhe gibt es ja auch ein Märchen – Aschenputtel. Das zeigt ja, dass es früher schon nicht sitzende Schuhe gab und man sich nicht nur von dem Aussehen beeinflussen lassen sollte.

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