Sport vor 50 Jahren

Manfred Dollberg erinnert sich an das Freundschaftsspiel gegen Arsenal London

Die Mannschaften des FC Rotenburg und des FC Arsenal London sowie die Schiedsrichter stehen vor der Partie aufgereiht auf dem Platz.
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Die Prominenz zu Gast: Ende Mai 1971 standen sich der FC Rotenburg (l.) und der FC Arsenal London gegenüber. Die Partie leiteten Karl-Heinz Wassermann (mit Ball in der Hand, v.l.), Günter Meyer und Jochen Schön.

Vor 50 Jahren kam der FC Arsenal London zu einem Testspiel nach Rotenburg. Mit dabei: Manfred Dollberg. Er hütete das Tor gegen den englischen Meister.

Rotenburg – Das kann nicht jeder Fußballer von sich behaupten: Einmal in der Karriere gegen den FC Arsenal London gespielt zu haben – einer der „Big Six“-Clubs aus der englischen Premier League. Genau das erlebten die Spieler des FC Rotenburg vor 50 Jahren – am 27. Mai 1971. Teil dieser Mannschaft bei dem „unvergesslichen“ Freundschaftsspiel war Manfred Dollberg. Er stand damals in der zweiten Halbzeit der Partie im Tor.

Es war das „Fußballereignis des Jahres“. So zumindest warb der FC Rotenburg im Vorfeld des Spiels gegen die Londoner. Das englische „Schwergewicht“ kam mit dem ersten Double der Vereinsgeschichte aus FA-Cup-Sieg und Meistertitel in der Football League First Division (heute: Premier League) nach Deutschland. Zwar waren es nicht etwa die gestandenen Profis, dennoch war das Aufgebot des FC Arsenal mit einigen hochkarätigen Namen bestückt. Sie gehörten allesamt zum erweiterten 36-Mann-Kader der ersten Herren, standen allerdings bis zu dem Zeitpunkt kaum auf dem Feld, sodass sie in den Testspielen nach der Saison Spielpraxis sammeln sollten – wie eben auch in Rotenburg gegen den FC.

Gespannte Beobachter des Freundschaftsspiels: Auch die Bank des FC Arsenal London war bei der Partie gegen den FC Rotenburg mit namhaften Jugendspielern besetzt. Archivfotos: Friese

Diese Partie fand nach einem weiteren Test in Offenbach statt. „Sie kamen mit dem einen oder anderen Talent zu uns“, erinnert sich Dollberg. So gehörten zu dem 20-Mann-Kader unter anderem der Torwart Graham Horn. In der Abwehr stand mit James de Gravis neben David Donaldson und Michael Shovelar auch ein Profi, der dem Kader der ersten Herren schon seit 1969 angehörte. Im Mittelfeld wurden John Metcalfe und David Price eingesetzt. Letzterer debütierte mit 16 Jahren erstmals bei den Herren. Zwischen 1973 und 1981 kam er auf 25 Erstligaspiele sowie einige Partien im FA-Cup und im Pokal der Pokalsieger. Damit ist er einer von zwei Akteuren, die später für den FC Arsenal aufliefen. Neben ihm war dies noch der Offensivspieler Paul Davies (je einmal Champions League und erste Liga). Terence „Terry“ Burton ist aus heutiger Sicht dennoch der wohl bekannteste Name des damaligen Kaders. Er war nicht nur walisischer Jugendnationalspieler, sondern war vor allem als Trainer erfolgreich. Unter anderem coachte er die Zweitvertretung des FC Arsenal und war Nachwuchskoordinator und Co-Trainer der First-Division-Mannschaft. Zudem steht der Job des Co-Trainers beim Premier League-Club West Bromwich Albion in seiner Vita. Zuletzt arbeitete Burton von 2015 bis 2016 als Co-Trainer des FC Reading in der EFL Championship (2. Liga). Weitere Stürmer der Engländer im Testspiel gegen den FC Rotenburg waren Brian Hornsey, Robert Harding, Kevin Kennerly und Russell Allan.

Dem Double-Sieger stand eine Rotenburger Mannschaft gegenüber, „in die sechs A-Jugendliche frisch hinzugestoßen waren“, erzählt Manfred Dollberg. Sie waren für den Kader der neuen Saison 1971/1972 vorgesehen und sollten sich in dem

Spiel gegen Arsenal beweisen. Dollberg selbst stand in der zweiten Halbzeit im Tor der Rotenburger: „Das war für uns Spieler natürlich ein absolutes Highlight, an das man sich gerne zurückerinnert.“ In der ersten Halbzeit stand laut dem Rotenburger Roderich Hirsch im Tor, über den er sagt, er sei „ein Urgestein der ersten Herren“ gewesen. Hirsch musste während seiner Spielzeit drei Tore der Londoner hinnehmen, Dollberg ließ in den zweiten 45 Minuten lediglich einen Treffer zum 0:4-Endstand zu. „Insgesamt waren die uns klar überlegen“, weiß er noch zu genau.

Rotenburger Kreiszeitung vor 50 Jahren: Eine Rotenburgerin überreichte dem Mannschaftsführer von Arsenal London einen Blumenstrauß zum Gruß. Dieser bedankt sich für die Aufmerksamkeit mit einem Küsschen.

Doch nicht nur die beiden Keeper durften gegen die Talente aus der englischen Hauptstadt ran, auch Spieler wie Gerhard Ochs, Siegfried Behrens, Karl-Heinz Kaiser und Karl-Heinz Tietje waren dabei, erinnert sich Dollberg und nennt auch die Schiedsrichter der Partie: „Auf jeden Fall pfiff Karl-Heinz Wassermann. Jochen Schön und Günter Meyer waren die Assistenten (drei der ranghöchsten Unparteiischen des Kreises, Anm. d, Redaktion).“ Zuschauer waren nicht „so viele gekommen wie erhofft. Das hätten mehr sein können“, fügt der ehemalige Torwart an.

Im Vorspiel der Freundschaftspartie, bei der der damalige Stadtdirektor der Wümmestadt, Klaus Rosenzweig, den Anstoß ausführte, trat die A-Jugend des FC Rotenburg – Bezirkspokalmeister der abgelaufenen Saison – gegen die Kreisauswahl der A-Junioren an; Endstand 3:3.

Unmittelbar vor der Partie zwischen dem FC Rotenburg und dem FC Arsenal bewies einer der Engländer nicht sein fußballerisches Können, sondern seinen Charme. Unsere Zeitung schrieb zu der Szene am 28. Mai 1971 im Nachbericht: „Eine Rotenburgerin überreichte dem Mannschaftsführer von Arsenal London einen Blumenstrauß zum Gruß. Dieser bedankt sich für die Aufmerksamkeit mit einem Küsschen.“

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