Plädiert NFV-Vorstand für Absteiger? / Auf der Suche nach einer Mehrheit

Die Angst vor dem Worst Case

Was schlägt der NFV seinen Vereinen nun vor? Nach dem Webinar geht die Tendenz deutlich richtig Saisonabbruch – womöglich mit Absteigern. Foto: Freese

Rotenburg - Von Matthias Freese. Die Frage stand im Raum, die Antwort ließ ein wenig auf sich warten: Was passiert mit der vom Coronavirus gestoppten Saison 2019/2020, wenn auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Ende Juni keine der zur Abstimmung kommenden Varianten eine Mehrheit erhält? „Das ist theoretisch möglich und wäre ein Worst-Case-Szenario“, sagt Marian Kobus, Teamleiter Verbandsrecht im NFV, auf Nachfrage.

Annullierung der Saison, Spielabbruch mit Aufsteigern und Absteigern, Spielabbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteigern sowie die Fortsetzung voraussichtlich ab September – diese vier Szenarien hatte der NFV im zwei Webinaren den Vereinen am Wochenende ausführlich präsentiert. Am Mittwoch will sich der Verband nun in einer Online-Vorstandssitzung auf einen Vorschlag, den er als Antrag für den Verbandstag formulieren wird, verständigen. Nachdem die ursprünglich von ihm angestrebte Fortführung bei den Vereinen auf Ablehnung stieß, wirkt es nun so, dass der Verband für den Abbruch mit Auf- und Absteigern wirbt. Allein deshalb, weil es sonst in den höheren Klassen zu großen Überhängen käme. „Der Austausch hat deutlich gemacht, wo die Präferenzen liegen – nämlich ganz klar beim Abbruch der Saison. Die Variante ohne Absteiger erfordert insbesondere von den Spielausschüssen viel Kreativität, verlangt den Vereinen aber auch viel Rücksicht ab“, betonte NFV-Präsident Günter Distelrath deshalb und bat für diesen Fall bereits um „Toleranz und Nachsicht“.

Der schlechteste Fall, der Worst Case, käme zustande, wenn es für keines der diskutierten Szenarien eine einfache Mehrheit geben würde. Dann stünde der Verband Ende Juni dort, wo er sich bereits im April befand. Die Angst davor ist zumindest vorhanden, denn es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass sich die Delegierten beim Verbandstag auf keine Variante einigen können. „Dann müsste man wohl so lange hin- und her diskutieren, bis man für eine Variante eine Mehrheit erreicht hat und möglicherweise gucken, ob man zwischen zwei Möglichkeiten abstimmt“, zeigt Kobus den möglichen Ausweg für den Verbandstag auf. „Wir müssen aber ja auch gucken, welche Anträge überhaupt gestellt werden.“

In der Geschäftsordnung des NFV ist unter Paragraf 7, Absatz 5 jedenfalls geregelt, wann ein Antrag erfolgreich ist: „Bei allen Abstimmungen entscheidet, sofern die Verbandssatzung oder diese Geschäftsordnung nicht etwas anderes bestimmt, die einfache Mehrheit. Stimmenthaltungen und ungültige Stimmen bleiben bei der Feststellung der jeweils erforderlichen Mehrheit unberücksichtigt. Stimmengleichheit gilt als Ablehnung.“ Heißt beispielsweise: Bei 20 Prozent Enthaltungen oder ungültigen Stimmen würden 40,1 Prozent Ja-Stimmen gegenüber 39,9 Prozent Nein-Stimmen genügen. Über die Anträge wird nacheinander abgestimmt, beginnend mit dem, der den stärksten Eingriff bedeuten würde – das wäre die Annullierung, sollte eine Abstimmung darüber überhaupt beantragt werden, klärte NFV-Direktor Jan Baßler auf. Über eine Fortsetzung würde erst abgestimmt, wenn es zuvor für keine andere Variante eine Mehrheit geben sollte.

Vieles spricht für einen Abbruch – nur für welchen? Auch unter den 33 Kreisen, die insgesamt mit ihren Delegierten die meisten Stimmen besitzen, gibt es ein heterogenes Meinungsbild. Während sich Uwe Schradick, der Vorsitzende des Kreises Rotenburg, für den „harten“ Abbruch mit Auf- und Absteigern ausgesprochen hat, plädiert etwa sein Kollege Ulrich Mayntz aus dem Kreis Stade gegenüber der Bremervörder Zeitung für den „weichen“ Abbruch – also ohne Absteiger: „Die durch die Corona-Pandemie entstandene Situation ist einmalig im deutschen Sport, und sie darf aus meiner persönlichen Sicht für niemanden zum Nachteil werden – Aufsteiger ja, Absteiger nein.“ Der Kreis Gifhorn wiederum steht hinter der Idee der Saisonfortführung – aus dieser Richtung ist also ein Antrag zu erwarten.

Das Meinungsbild ist selbst innerhalb der Vereine teils unterschiedlich. „Wir sind da uneins“, verrät etwa Torsten Krieg-Hasch, der Sportliche Leiter des Landesliga-Spitzenreiters Rotenburger SV, der es mit Schradick hält. Thomas Holzkamm, Fußball-Boss des TV Sottrum sagt hingegen: „Für uns wäre es ja egal, aber wir waren von Anfang an für den Abbruch ohne Absteiger. Dann sollen sie die Klassen halt größer machen.“ Auch Sottrum würde davon betroffen sein, in der Bezirksliga 3 gäbe es dann 18 Teams. Holzkamm plädiert auch dafür, dass die Vereine im Kreis noch einmal um ihr Votum gebeten werden, damit Kreis-Boss Schradick weiß, mit welchem Meinungsbild er in den Verbandstag geht. „Wir haben bislang nur für den Abbruch gestimmt, aber nicht für welches Szenario“, merkt der Sottrumer an.

Vom Modell mit Absteigern würde wiederum Kreisligist TuS Westerholz als Vorletzter betroffen sein. Doch Trainer Tomas Meyer gibt sich sportlich fair: „Favorisieren würde ich natürlich den Beschluss, bei dem es die Möglichkeit gibt, in der Liga zu bleiben. Aber wir müssen auch die andere Lösung akzeptieren, denn wir haben nur 13 Punkte zusammengekegelt.“

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