Als die Corona-Grätsche kam

Zwei Tage haben den Amateursport vor einem Jahr grundlegend verändert

Leere Tribüne in der Pestalozzihalle.
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Wie lange noch? Stimmung von den Rängen statt leerer Tribünen wünschen sich die Vereine, wenn es wieder losgeht.

In dieser zweiten Märzwoche jähren sich zahlreiche Ereignisse im Sport, die durch die Corona-Pandemie verursacht wurden - ein Rückblick.

Rotenburg – Von heute auf morgen war nichts mehr so, wie es mal war. Als am 12. März die Handball- und Basketballverbände ihren Spielbetrieb stoppten sowie tags darauf auch die Fußballer mit Anlauf und unsanft durch die Corona-Grätsche von den Beinen geholt wurden, begann ein Jahr, das den Amateursport grundlegend verändern sollte. Mal ohne Zuschauer, mal nur mit wenigen – die meiste Zeit aber gar kein Sport. 365 Tage später liegt immer noch (fast) alles brach.

Johann Knodel hat früher mal mit König und Dame gespielt. Lange her. Trotzdem sagt der Teammanager des Handball-Oberligisten rückblickend: „Das ist wie beim Schach.“ Während der Verband im März 2020 noch von einer fünfwöchigen Zwangspause ausging, hatte Knodel das Saisonende wie ein Denksportler erahnt. „Wir haben fünf Schritte vorausgedacht. Und genau so ist es gekommen“, sagt er, ohne darauf stolz zu sein. Seitdem haben die Rotenburger exakt ein Punktspiel absolviert, Anfang Oktober. Dann kam der zweite Lockdown und kürzlich der erneute Saisonabbruch.

Nicht wesentlich besser erging es den Fußballern. Gerade einmal zwei Monate durften sie für ihre Punktspiele auf den Platz zurückkehren: Im September begannen diese wieder, Ende Oktober war erneut Schluss. Seither bewegt sich der niedersächsische Verband wie ein Fisch auf Paniermehl und blickt von Wunschtermin zu Wunschtermin. „Ich erwarte nur, dass er strategisch denkt und das Wann und Wie der Politik überlässt“, betonte Peter Grewe, Präsident des Oberliga-Aufsteigers Rotenburger SV, unlängst.

Auch im Ahe-Stadion war schon lange nichts mehr los.

In einer privilegierten Position befinden sich die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes. Zwar endete auch ihre Saison abrupt im März 2020, doch durften sie, weil sie als Profi-Team eingestuft wurden, die neue Serie Ende Oktober wieder beginnen und mit etlichen Unterbrechungen bisher auch durchziehen. Für alle Ligen darunter war nach wenigen Spielen Ende Oktober wieder Schluss. „Dass es solche Formen annimmt, hätten wir uns nicht träumen lassen. Im Sommer hatte man ja kaum noch was von Corona gehört. Das hat uns dann echt zurückgeworfen“, gesteht Utz Bührmann. „Vor allem für die Jugend ist es ein komplett verlorenes Jahr. Ich hoffe, dass wir keine Generation von Stubenhockern bekommen“, sagt er. Bührmann ist bei den Hurricanes nicht nur Vorstand Finanzen und Hygienebeauftragter, sondern fungiert im TuS Rotenburg auch noch als Kassenwart. Als solcher hatte er durchaus Sorgen. „Aber unsere Sponsoren sind top, die haben alle mitgezogen.“ Was den Basketballern schmerzt, sind vor allem die fehlenden Zuschauer- und Catering-Einnahmen, grob geschätzt 10 000 Euro. „Aber wir sind mit einem blauen Auge durch das Jahr gekommen. Am Ende haben wir kein Minus gemacht, auch weil wir 5 000 Euro Coronahilfe bekommen haben“, berichtet Bührmann.

Ähnlich ergeht es den anderen hochklassigen Vereinen der Kreisstadt. „Wir haben ja keine großen Kosten. Wenn wir, wie andere Vereine, Geld in die Hand genommen hätten, dann hätten wir vielleicht Probleme bekommen“, meint Johann Knodel. Die Fußballer des RSV haben ein Prämienmodell für ihre Oberliga-Kicker, was dem Verein in der aktuellen Situation zugutekommt und die Lage entspannt. Der RSV – und da ist er nicht allein – fürchtet jedoch, dass die im Raum stehenden Selbsttests eingeführt und zum Kostenfresser werden. Die Zweitliga-Basketballerinnen sind bereits seit November zu Schnelltests „verdonnert“.

Ein Jahr Corona contra Sport – eine Chronologie am Beispiel von vier Sportarten

Für die Handballer kann sich Johann Knodel Tests aktuell nicht vorstellen. „Es sei denn, es wird vorgeschrieben oder es sagt jemand, die sind kostenlos.“ Bei der Rückkehr in die Halle mag er dieses Mal jedoch keine Prognose abgeben. „Wir haben es nicht in der Hand.“ Utz Bührmann wünscht sich derweil, „dass die Impfungen helfen und wir ab Oktober endlich wieder eine normale Saison spielen können.“

Während sich die Basketballerinnen am Tag, an dem sich der Lockdown für den Amateursport erstmals jährt, wieder testen lassen, treffen sich die Handballer übrigens zur Videokonferenz. Der gewählte Termin ist aber „eher Zufall“, wie Knodel bemerkt.

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