Vor dem Hit zwischen Deutschland und Österreich haben wir den Bundestrainer Michael Prus gesprochen

„Alle wollen in die Bundesliga“

Der U 16-Bundestrainer Michael Prus im Gespräch mit Sportredakteur Julian Diekmann. - Foto: Marquart

Wildeshausen - Von Julian Diekmann. Bereits am Freitagabend (17.30 Uhr) steigt im Rotenburger Ahe-Stadion das U 16-Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich. Anlässlich der Fußball-Begegnung haben wir im Vorfeld mit dem deutschen Bundestrainer Michael Prus gesprochen. In dem Gespräch erzählt der Übungsleiter wie stark er den kommenden Gegner einschätzt, wie man überhaupt Nationalspieler wird und wie man mit Spielern umgeht, die sich gerade mitten in der Pubertät befinden. Nebenbei berichtet der ehemalige Profi des Bundesligisten FC Schalke 04 aber auch über seinen wohl schlimmsten Karrierefehler, den er begangen hat.

Herr Prus, morgen treffen Sie mit den U16-Junioren des DFB im Rotenburger Ahe-Stadion auf Österreich. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Michael Prus: Ich erwarte eine interessante und abwechslungsreiche Partie zweier Jugendmannschaften, die technisch über einige Fähigkeiten verfügen und die auf der anderen Seite sicher noch nicht ganz so viele Spiele gemeinsam bestritten haben. So wird es höchstwahrscheinlich hin und wieder auch mal ein paar Abstimmungsprobleme in dem Spiel geben.

Gegen Wales haben Sie zuletzt zwei Mal gewonnen. Ist Österreich stärker einzuschätzen?

Davon gehe ich fest aus. Die Österreicher haben auch bisher in der U 15 eine ganze Anzahl an Länderspielen absolviert, zwar nicht immer mit der gleichen Mannschaft, aber sie haben insofern einen deutlichen Vorteil uns gegenüber, weil wir bisher in der U 15 nur zwei Spiele gegen die Niederlande gemacht haben und eben die beiden Spiele gegen Wales. Da hat Österreich einiges mehr absolviert als wir.

Was genau zeichnet Österreich aus?

Sie sind technisch gut, sie spielen einen gepflegten Ball, sie schalten unheimlich schnell von Defensive auf Offensive um und haben in den Spielen, die wir jetzt auf DVD gesehen haben, dadurch ihre Tore erzielt.

Wie wollen Sie gegen Österreich auftreten?

Wir wollen natürlich versuchen, unseren Spielstil durchzubringen, der davon geprägt ist, dominant aufzutreten. Wir wollen über viel Ballbesitz versuchen, uns Torchancen herauszuspielen. Wir müssen darauf achtgeben, dass wir nachrücken, den Raum eng halten, damit die Österreicher nicht ihre Qualitäten im Umschaltspiel einbringen.

Motiviert es Sie und Ihr Team noch mal extra, dass auch der DFB-Präsident Reinhard Grindel das Spiel in seiner Heimatstadt Rotenburg besuchen wird?

Es ist schon etwas Besonderes, wenn der DFB-Präsident vor Ort ist und dass er unsere Mannschaft und auch den Nachwuchsfußball im Auge hat. Ich denke, dass das für die Spieler ein Anreiz ist.

In Ihrem Kader sind hauptsächlich Spieler, die bei „großen“ Vereinen unter Vertrag stehen. Hat ein Spieler bei Ihnen auch eine Chance, wenn er bei einem unterklassigen Club spielt?

Grundsätzlich haben sie natürlich auch eine Chance. Es ist nicht so, dass wir nach Vereinszugehörigkeit auswählen, sondern wir haben das große Sichtungsturnier zum Ende der vergangenen Saison in Duisburg gehabt. Und man muss einfach sagen, dass viele Spieler, die vielleicht zu dem Zeitpunkt auch noch bei „kleineren“ Vereinen gespielt haben, nach der Saison hin zur U 16 auch zu den „großen“ Vereinen gewechselt sind.

Empfehlen Sie Spielern, die bei „kleineren“ Vereinen angefangen haben, diesen Schritt zu wagen und zu „größeren“ Vereinen zu wechseln?

Früher oder später ist der Schritt sicher notwendig, aber ich würde jeden Einzelfall separat betrachten und das, was für den einen gut ist wie ein frühzeitiger Wechsel, muss für den anderen nicht unbedingt von Vorteil sein. Deshalb kann man die Frage nicht pauschal beantworten.

Wie genau wird man eigentlich U-Nationalspieler, welche Voraussetzungen muss man dafür mitbringen?

Es ist zunächst mal ein schwieriger Weg. Wichtig ist die Freude am Fußball. Dann ist es in der Regel so, dass die guten Spieler in den DFB-Stützpunkt hinüber wechseln und über diesen dann auch gegebenenfalls in die Landesauswahlen kommen. Über diese Plattformen geht es dann zum DFB und gleichzeitig natürlich auch in die großen Nachwuchsleistungszentren.

Wie stellen Sie Ihren Kader zusammen?

Wir hatten am Ende der vergangenen Saison eine Sichtung der Landesauswahlmannschaften, bei denen die 21 Landesverbände je 16 Spieler gestellt haben. Die Spieler haben dort in einem Turniermodus vier Spiele bestritten. Aus diesem großen Pool haben wir dann für unsere beiden ersten Lehrgänge in dieser Saison 52 Spieler herausgefiltert. Mit diesen Spielern haben wir dann zwei Lehrgänge bestritten und danach hat sich der Kader für die beiden Wales-Spiele und auch für die beiden Österreich-Spiele zusammengesetzt.

Wie groß ist die Chance, dass wir den einen oder anderen Spieler Ihres Kaders mal in der A-Nationalmannschaft sehen werden?

(lacht) Wir haben mit Sicherheit ganz talentierte Jungs in unseren Reihen, aber ob sie den Durchbruch schaffen, das hängt manchmal auch von Kleinigkeiten ab. Sie sollten möglichst verletzungsfrei bleiben, auf Dauer auf gutem Niveau trainieren und spielen können. Aber sie müssen auch die Persönlichkeit mitbringen, sich mal gegen Widerstände durchzusetzen, denn es wird nicht immer einen Weg nach oben geben. Es gibt auch mal Phasen, gerade jetzt auch in dieser Altersstufe, in denen man einfach mal nicht gut drauf ist, in der man mit der Schule oder dem Umfeld Probleme hat, und darunter leidet oftmals die Leistung. Und wenn man dann anfängt, nachzulassen, zu verzagen, glaube ich, wird man Schwierigkeiten haben, sich am Ende durchzusetzen. Wer aber standhaft ist, wer es schafft, auch mit eben diesen Widrigkeiten umzugehen und zu sagen: „Okay, das ist halt jetzt so, aber da muss ich jetzt durch“, dann muss man sich halt entsprechend einsetzen, dann hat man gute Voraussetzungen dafür, sich am Ende auch oben durchzusetzen. Und man muss natürlich auch dazu sagen, dass die Spieler ein Quäntchen Glück brauchen. Im richtigen Moment bei dem richtigen Trainer mal gut zu spielen oder im Training mal aufzufallen, dann hat man auf einmal eine Chance.

Wie vielen aus Ihrem Jahrgang trauen Sie den Sprung zum Profi zu? Und wie steinig ist der Weg von der U 16 zum Fußball-Profi?

Alle von meinen Spielern wollen gerne in die erste Bundesliga. Ich glaube aber nicht, dass es allen gelingt. Aber sie können vielleicht trotzdem mit Fußball Geld verdienen – auch in der zweiten oder dritten Liga. Ihr Ziel ist allerdings Erstligaspieler zu werden oder vielleicht sogar noch mehr, eben Nationalspieler im Herrenbereich zu sein. Ich weiß es nicht, wer das letztlich schafft. Ich glaube aber, dass die Ausbildung heutzutage so gut ist, dass viele Spieler den Sprung schaffen können, und die Vereine sind ja auch mehr und mehr darauf bedacht, junge Spieler zu integrieren. Das ist schon ein großer Vorteil, den die Jungs aktuell haben.

Nun sind die Spieler bei der U 16 mitten in der Pubertät. Welche Probleme bringt das mit sich?

Da sind die Probleme nicht anders als bei allen anderen Jugendlichen auch. Es kommt halt vor, dass die Jungs Stress im Elternhaus haben, oder sie versuchen, ihre Grenzen auszuloten, wie das einfach in der Altersklasse üblich ist. Oder wenn die Mädels dann langsam ins Spiel kommen und so weiter. Da sind sie wie andere Jugendliche auch.

Sind Sie für die Spieler auch hin und wieder mal Vaterfigur?

Ich glaube, dass der Zeitpunkt der Saison so eine Vaterfigur noch gar nicht zulässt. Wir haben uns zum Teil erst einmal in einem Lehrgang gesehen und treffen uns jetzt zum zweiten Mal wieder. Um eine Bindung aufzubauen, braucht man einfach noch ein bisschen Zeit, und das ist im Auswahlbereich sowieso schwieriger als im Vereinsfußball, weil man sich da täglich begegnet. Wir versuchen natürlich uns auch mit den Spielern auseinanderzusetzen, aber ich glaube, dass es schwer ist, wirklich so einen ganz, ganz engen Draht zu bekommen, dass man jetzt schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison davon sprechen könnte, dass der Trainer eine Vaterfigur ist.

Herr Prus, Hand aufs Herz: Bereuen Sie es, dass Sie den FC Schalke 04, für den Sie immerhin zehn Jahre gespielt haben, ausgerechnet vor der Saison verlassen haben, als Schalke mit den „Euro-Fightern“ den UEFA-Cup gewonnen hatte?

(lacht) Ich würde lügen, wenn sich sage, ich habe damit eine tolle Entscheidung getroffen. Klar hätte ich das gerne mitgenommen. Im Nachhinein war es vielleicht nicht unbedingt die richtige Entscheidung. Aber für mich als Spieler war die Situation so, dass damals Jörg Berger als Trainer mir deutlich gemacht hat, dass ich nicht viele Chancen hatte, zu spielen. Dann gab es eben die Möglichkeit zum SV Meppen zu wechseln und ich habe sie ergriffen. Hätte ich aber gewusst, dass zwei Wochen nach meinem Wechsel Jörg Berger nicht mehr Trainer ist, sondern dass Huub Stevens auf einmal da ist, was aber zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen war, dann hätte ich mir die zwei Wochen wahrscheinlich noch gegeben und gesagt: „Okay, unter dem neuen Trainer probiere ich es noch mal.“ Wir wissen ja, was dann daraus geworden ist ...

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Carmen Ludwig moderiert die Sportlerehrung im Februar

Carmen Ludwig moderiert die Sportlerehrung im Februar

Kirschke packt die Grätsche wieder aus

Kirschke packt die Grätsche wieder aus

Hurricanes produzieren zu viele Fehler

Hurricanes produzieren zu viele Fehler

„Bei uns ist nichts zu holen“

„Bei uns ist nichts zu holen“

Kommentare