Tagelang auf Auswärts-Reise

Ex-Rotenburger Duray trainiert Nachwuchs-Fußballer - in China

Benjamin Duray stand nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern sammelte auch viele Eindrücke abseits des Fußballs. Unter anderem besuchte er das hängende Kloster von Datong.

Rotenburg - Von Matthias Freese. So eine ausgiebige Joggingrunde durch den heimischen Wald hilft auch Benjamin Duray, einen klaren Kopf zu bekommen. „Ich muss mich emotional sammeln, erst mal entschleunigen. Ich habe acht Monate auf der Überholspur gelebt“, sagt er. Der 39-Jährige, der gerade auf Weihnachtsbesuch zu Hause in Bremervörde-Hesedorf ist, hat die aufregendste Zeit seiner bisherigen Fußball-Laufbahn erlebt. Im Auftrag des FC Schalke 04 ist der frühere Oberliga-Coach des Rotenburger SV als Jugendtrainer bei Hebei China Fortune tätig.

Es ist eine ganz andere Welt, die sich für Duray am Golf von Bohai, im Norden Chinas, im April geöffnet hat. „Da merkt man, was Globalität bedeutet, dass Deutschland dort keine Rolle spielt. Und China ist ganz anders, als sich die Menschen das in Europa vorstellen.“

Duray fehlt es dort an nichts. Er spricht von einer „guten Lebensqualität“, nur wenige Meter vom Meer entfernt. Und er betont: „Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt wie in diesem Land. Da kannst du deinen Laptop auf der Straße liegen lassen – und am nächsten Tag ist er da immer noch.“

Als „cooles Projekt“ bezeichnet der A-Lizenz-Inhaber die Kooperation der Königsblauen aus Gelsenkirchen mit dem Erstligisten Hebei China Fortune FC, hinter dem seit 2015 ein börsennotierter chinesischer Immobilienentwickler steckt. Auch sportlich lief es bisher sehr gut für ihn. In der gerade beendeten Saison feierte Duray mit der U 15 den Staffelsieg. In den Qualifikationsspielen verpasste sein Team allerdings das Finale. Im Pokal war wiederum in der Endrunde schnell Endstation. 

Duray und sein Team reisten tagelang für Auswärtsspiele

„Ich denke schon, dass sich die Jungs taktisch, technisch und athletisch stark verbessert haben“, betont er und schätzt: „Vom Niveau wären sie in der Lage, in ihrer Altersklasse in Deutschland in der Regionalliga im unteren Mittelfeld mitzuspielen. Für sie wäre es gut, wenn sie mal nach Europa kommen würden, diesen Leistungsvergleich brauchen sie.“ Dort wären auch die Wege nicht so weit. Durays Team war oft mit Schnellzug oder Flieger unterwegs. „Die Auswärtsspiele dauern bei uns schon mal vier Tage“, erzählt er. „Von 240 Tagen war ich bestimmt 100 unterwegs. Das war auch viel Stress, aber die Arbeit macht Spaß.“

Während die Mannschaften wieder im Trainingslager weilen und Durays Plan vorsieht, am 4. Januar hinzuzustoßen, gibt es parallel dazu einige Veränderungen im chinesischen Club, in dem jüngst ein Führungswechsel stattgefunden hat. Der Standort des Nachwuchses wechselt, die Jugend zieht von Qinhuangdao ins mehrere Stunden entfernte Langfang, dichter an Peking, wo eine neue Base hergerichtet wird und die Erstliga-Mannschaft beheimatet ist. Auch das ist China.

Wie und mit welcher Mannschaft es für Duray weitergeht, steht noch nicht genau fest. Sein Vertrag mit dem FC Schalke 04 läuft bis April. „Erster Ansprechpartner für mich ist Schalke. Ich habe die Zusammenarbeit bisher als sehr angenehm empfunden“, sagt Duray und würde sie gerne fortsetzen.

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