EINE CORONA-CHRONOLOGIE Wie der 12. März den Amateursport veränderte

100 Tage seit dem Lockdown

Einsame Stille: Das Ahe-Stadion ruht seit dem bislang letzten Heimspiel des Rotenburger SV am 7. März.
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Einsame Stille: Das Ahe-Stadion ruht seit dem bislang letzten Heimspiel des Rotenburger SV am 7. März.

Rotenburg – Am 12. März kam alles zum Erliegen. Kein Ball bewegte sich mehr, Sporthallen und Sportplätze mussten vom einen auf den anderen Tag geschlossen werden – sämtliche Wettkämpfe wurden abgesagt. Die Corona-Pandemie hatte den Sport in der Region in ein künstliches Koma versetzt. Das Virus ist immer noch präsent, doch die Sportler kehren mit Vorsicht und Einschränkungen allmählich zurück. 100 Tage ist der Sport-Lockdown heute her – in einer Corona-Chronologie zeichnen wir die Krise im Lokalsport nach – von den ersten Anzeichen bis zu den Ereignissen der Gegenwart.

4. März: Das Coronavirus ist im Landkreis Rotenburg angekommen. Die ersten Fälle werden bestätigt. Im Sport denkt noch keiner an einen Saisonabbruch. „Ich habe das Thema bewusst noch nicht groß angesprochen, weil ich nicht der Panikmacher sein will“, sagt Tim Ebersbach, Trainer des Rotenburger SV aus der Fußball-Landesliga. Er ahnt aber: „Es bleibt wohl nicht aus, dass wir umdenken müssen.“ Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) sieht noch keine Gründe, um Spiele abzusagen. „Aufgrund der Veröffentlichungen des Landes Niedersachsen und des Robert-Koch-Instituts besteht für den NFV derzeit keine Veranlassung, den Spielbetrieb ruhen zu lassen.“ Auch beim TuS Rotenburg ist so etwas „kein Thema“, wie der Vereinsvorsitzende Rolf Ludwig meint. Er vermutet vielmehr, dass „ein Börsencrash damit inszeniert wird“.

7. März: Der Rotenburger SV siegt mit 3:2 gegen den VfL Westercelle – nicht ahnend, dass es das letzte Spiel für lange Zeit sein wird. Genauso wie für die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes (98:79 bei den Krofdorf Knights).

11. März: „Legt Corona bald den Sport lahm?“, titelt unsere Zeitung. „Zum Sport gehören Zuschauer“, stellt Utz Bührmann, Vorstandsmitglied der Hurricanes, klar. Daher komme es für die Zweitliga-Damen nicht infrage, die noch anstehenden Play-off- und Saisonspiele vor leeren Rängen auszutragen – „nicht ohne sachlichen Grund“. Ein Ligakonkurrent, die Panthers Academy Osnabrück, hat derweil verkündet, unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen zu wollen. Hurricanes-Coach Christian Greve „kann’s verstehen. Aber bei uns ist das noch kein Thema.“ Der Deutsche Schützenbund reagierte als einer der ersten Verbände. Er sagte die DM der Bogenschützen in Hof kurzfristig ab – ärgerlich für Cord Meyer (SV Jeersdorf), der sich qualifiziert hatte und schon fast auf dem Weg in den Süden war. Derweil kassieren die Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg an diesem Mittwoch im Nachholspiel bei der SG VTB/Altjührden eine 22:34-Niederlage – auch für sie der vorerst letzte Auftritt am Abend vor dem großen Lockdown.

12. März: Warten auf die Corona-Grätsche – Tim Ebersbach, Coach des Rotenburger SV, schließt nichts mehr aus und befürchtet: „Wenn der erste Fall in unserer Liga bekannt wird, wird es bestimmt eine Generalabsage für die nächsten Wochen geben.“ Der Bezirk Lüneburg sagt bereits die der Hallen-Bezirksmeisterschaft der D-Junioren „wegen Corona-Verdachts“ ab. Bereits zuvor hatten sich die Herren-Teams des VfL Maschen und des SV Lindwedel/Hope aus der Bezirksliga 2 wegen eines infizierten Spielers in Quarantäne begeben müssen. Der NFV stellt Spielern und Schiedsrichtern frei, auf „Shake-Hands“ zu verzichten. Eine Absage des Spieltages ist hinter verschlossenen Türen zwar beschlossene Sache, wird aber noch nicht veröffentlicht. Die anderen Sportarten sind da klarer: Die Damen-Basketball-Bundesliga beendet die Saison mit sofortiger Wirkung – auch die Play-offs fallen ersatzlos aus. Der Ligabetrieb in den Klassen darunter wird vorerst vorübergehend ausgesetzt, die BG ‘89 stoppt sofort den kompletten Trainingsbetrieb. Am späten Donnerstagsnachmittag informiert auch der Handballverband Niedersachsen seine Vereine darüber, den Spielbetrieb bis einschließlich zum 19. April erst einmal auszusetzen zu wollen.

13. März: Der Niedersächsische Fußballverband vermeldet mit eintägiger Verspätung, dass der Spielbetrieb in sämtlichen Klassen ab der Oberliga abwärts bis einschließlich zum 23. März eingestellt ist. Der Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani sagt: „Wir werden uns auf den schlimmsten Fall, auf den Worst Case, vorbereiten müssen – sind es aber nicht.“ Einen Saisonabbruch schließt er nicht mehr aus. Viele Vereine stellen den Trainingsbetrieb mit sofortiger Wirkung ein.

17. März: Die Fußball-Pause geht in die Verlängerung: Der NFV verlängert die Aussetzung des Spielbetriebs bis auf Weiteres, mindestens jedoch bis einschließlich 19. April.

18. März: Die 26. Auflage des Sottrumer Abendlauf am 8. Mai wird abgesagt – erstmals in der Geschichte der Traditionsveranstaltung.

25. März: Der Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) verschiebt den Start der Punktspiel-Saison auf das erste Juni-Wochenende.

30. März: Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) annulliert die Saison in der 1. und 2. Bundesliga – es gibt keine Meister, keine Auf- und keine Absteiger.

3. April: Der Spielbetrieb von Niedersachsens Fußballern wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

1. April: Der Deutsche Tischtennisverband hat entschieden, den bundesweiten Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen und die Saison zu beenden. Gewertet wird die aktuelle Tabelle.

7. April: Die Handballer des TuS Rotenburg spielen auch in der nächsten Saison in der Oberliga. Der Handballverband Niedersachsen (HVN) hat entschieden, die aktuelle Spielzeit zu beenden – es gibt Auf-, aber keine Absteiger.

17. April: Der Niedersächsische Fußballverband plant bis in die untersten Klassen hinunter, den Spielbetrieb der abgebrochenen Serie ab dem 1. Septenber wieder aufzunehmen.

24. April: Die Mehrheit der Fußballer in Niedersachsen ist gegen die vom Verband präferierte Fortsetzung der Saison – das Ergebnis teilte der NFV nach einer Umfrage unter allen Vereinen mit. Die Verbandsspitze schwenkt daraufhin um.

6. Mai: Niedersachsen erlaubt wieder die Nutzung von Outdoor-Sportanlagen für den Trainingsbetrieb – aber nur unter Einhaltung der Abstandsregel nach strengen Hygieneregeln. Der TC Grün-Weiß Rotenburg gehört zu den ersten Vereinen, bei denen die Pforten wieder öffnen. Auch die Fußballer kehren allmählich zurück auf den Rasen – wenn auch nicht alle. „Fakt ist, dass jeder Fußballer nach Wochen nur mit Laufschuhen und Yogamatte den Ball am Fuß haben will“, sagt Sven Schumacher, Coach des Kreisligisten TuS Bothel, stellvertretend für viele.

20. Mai: Auf seiner Videokonferenz, die in der NFV-Geschichte einmalig ist, plädiert der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes mit einer großen Mehrheit nun für den Saisonabbruch mit Aufsteigern und ohne Absteiger nach der Quotientenregelung.

3. Juni: Ab sofort ist es im Tennis wieder erlaubt, Doppel zu spielen, auch wenn die Partner nicht aus einem Haushalt stammen.

4. Juni: Die Rotenburger Vereine dürfen nach Vorlage eines Hygienkonzeptes wieder in die Sporthallen der Stadt und des Kreises. Andere Gemeinden ziehen nach.

13. Juni: Es geht wieder um Spiel, Satz und Sieg – die Tennis-Herren des TC Grün-Weiß Rotenburg II sind als erste Mannschaft im Kreis wieder in den Punktspielbetrieb gestartet. Allerdings ziehen auch viele Vereine zurück – insgesamt 40 Prozent aller Teams im Tennisverband Niedersachsen-Bremen

14. Juni: Der Fußball-Bezirk teilt mit, dass die Halbfinal- und Finalspiele im Bezirkspokal am 28. Juni in einem Elfmeterschießen unter strengen Auflagen in Melbeck ausgerichtet werden.

17. Juni: Frank Michaelis, Spielausschuss-Vorsitzender im Fußball-Kreis Rotenburg stellt klar, dass es kein Elfmeterschießen geben wird, um den Sieger des Kreispokals zu ermitteln. Stattdessen könnte es bei den Herren zu einem Losentscheid kommen.

18. Juni: Der TV Sottrum gibt bekannt, dass die Deutsche Meisterschaft der Jugend im Prellball definitiv nicht in der Wieste-Samtgemeinde stattfinden. Eigentlich hätte das Turnier am 12. und 13. September stattfinden sollen.

Von Matthias Freese

Beim TC GW Rotenburg müssen sich die Besucher und Spieler in Listen eintragen. Fotos: Freese
Hygienekonzept: Hans-Jürgen Schlifelner vom TuS Bothel nummeriert die Bälle.

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