Fußball: Kreisjugendausschuss-Vorsitzender Thomas Ehrich im Abschluss-Interview / Am Donnerstag Wahl des Nachfolgers

„Übungsleiter sind mangelhaft qualifiziert“

Am Donnerstag wird in Pr. Oldendorf der Nachfolger von Thomas Ehrich als Vorsitzender des Kreisjugendausschusses gewählt. Ehrich hofft auf einen Wahlsieg von Dr. Oliver Vogt.

Wehdem - 28 Jahre war Thomas Ehrich im Kreisjugendausschuss des Fußballkreises Lübbecke engagiert, neun davon als Vorsitzender. Jetzt reicht es, findet der 49-Jährige. Er wünscht sich mehr Freiräume, mehr Zeit für die Familie. Auf Verbandsebene wird er aktiv bleiben. Im Abschluss-Interview blickt Ehrich zurück auf seine Arbeit, aktuelle Herausforderungen im Jugendfußball und die Wahl zwischen Dr. Oliver Vogt und Jens Nickel um seine Nachfolge. Die Sitzung des Kreisjugendtags beginnt am Donnerstag um 19 Uhr im Hotel Deeke in Pr. Oldendorf.

Herr Ehrich, morgen verlassen Sie den Kreisjugendausschuss. In welchem Zustand befindet sich der Jugendfußball zurzeit?

Thomas Ehrich: Ich glaube schon, dass ich ein relativ gut bestelltes Feld hinterlasse. Sowohl, was die Quantität der Mannschaften anbelangt, als auch die Qualität der Mitarbeiter im Kreisjugendausschuss. Es hat mir immer sehr viel Freude gemacht, in diesem Gremium mitzuarbeiten und es führen zu dürfen. Wo man im Kreis Lübbecke sicherlich noch Luft nach oben hat, ist die Qualität der Mannschaften. Es ist schon auffällig, wie sich die Anzahl der überkreislichen Mannschaften deutlich zurückentwickelt hat. Ich persönlich glaube allerdings nicht, dass es an den Spielern liegt, nach dem Motto: Die Jungs von heute können nicht mehr so gut Fußball spielen wie wir früher. Sondern es liegt aus meiner Sicht an der fehlenden Qualität der Übungsleiter. Da müsste in den nächsten Jahren der Fokus drauf gelegt werden.

Was müsste passieren?

Ehrich: Es müssten mehr Übungsleiter ausgebildet werden. Aber da sind auch schon erste Schritte eingeleitet worden. Es müssten auch regelmäßig weiterhin Kurzschulungen angeboten werden, insbesondere für nicht-lizensierte Übungsleiter.

Was hat sich im Laufe Ihrer neunjährigen Amtszeit im Jugendfußball verändert?

Ehrich: Im Wesentlichen das [Internetportal, d. Red.] DFB-Net mit allen Facetten, die es bietet. Da hat insbesondere mein Stellvertreter Oliver Vogt Zeit investiert und die Vereine geschult. Das hat uns als Ausschuss die Arbeit enorm erleichtert. Wenn ich mich noch erinnere, als ich 1988 als Staffelleiter anfing: Meinen allerersten Spielplan habe ich noch mit der mechanischen Schreibmaschine meiner Mutter geschrieben. (lacht)

Wie sieht es sportlich aus, was hat sich da noch in den vergangenen Jahren getan?

Ehrich: Wie gesagt, was ich schade finde, ist, dass wir überkreislich nicht mehr so präsent sind, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Ich kann mich noch erinnern, beim letzten Kreisjugendtag 2013 hatten wir noch acht Jugend-Mannschaften, die überkreislich gespielt haben. Jetzt haben wir noch drei. Das sind die A-, B- und C-Junioren vom FC Preußen Espelkamp – und dann kommt erst mal eine ganze Zeit lang gar nichts. Das ist auch schade für die talentierten Spieler. Ich bedauere, dass wir auch in der D-Jugend-Nachwuchsrunde, sprich Bezirksliga, keine Mannschaft mehr haben. Das führt dazu, dass Spieler, die sich früh zu einem Vereinswechsel entschieden haben, zum Beispiel zum SV Rödinghausen oder nach Dützen gewechselt sind, die in dieser Spielklasse Mannschaften haben.

Wie sehen Sie die Problematik, dass es offenbar immer weniger Spieler gibt? Ab der D-Jugend wird es bei manchen Vereinen eng.

Ehrich: Das ist sicherlich richtig. Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Wobei ich dazu sage, wir sind noch nicht ganz so stark betroffen. Die Zahl der Mannschaften hat sich in den vergangenen drei Jahren gar nicht so negativ entwickelt. Wir sind da in unserem kleinen Fußballkreis immer noch auf einem ordentlichen Niveau. Der Verband hat auch in den letzten Jahren einiges zu beigetragen, die Problematik besser in den Griff zu bekommen, zum Beispiel dadurch, dass Spielgemeinschaften ein Aufstiegsrecht bis zur Bezirksliga haben. Oder auch das Zweitspielrecht, wodurch Spieler die Möglichkeit haben, in ihrer Alterklasse in einem Nachbarverein zu spielen, ohne gleich den Verein wechseln zu müssen. Das hat sich als sehr positiv herausgestellt.

Wo sind sonst Verbesserungen nötig?

Ehrich: Was verbessern kann man immer. Wichtig ist, dass mit den Vereinen gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet wird. Dass eine Basis aufgebaut wird. Dass man miteinander und nicht gegeneinander arbeitet. Ich denke mal, wenn man da wieder auf eine gute Schiene kommt, dann ist man schon auf einem ganz guten Weg.

Da sprechen Sie einen Punkt an, den ihr möglicher Nachfolger Jens Nickel mit seinem Team kritisiert: Die Zusammenarbeit mit der Basis sei verloren gegangen. Wie sehen Sie das – haben die Leute Recht?

Ehrich: Nein, die Leute haben definitiv nicht Recht. Ich komme ja selbst von der Basis, ich bin ja nicht als Kreisjugendausschuss-Vorsitzender zur Welt gekommen. Als ich 1988 anfing, da war ich selbst Jugendobmann meines Heimatvereins OTSV Preußisch Oldendorf und als Jugendtrainer tätig. Ich weiß sehr wohl, auch heute noch, was an der Basis abgeht. Ich habe mich in meiner Funktion als Vorsitzender auch immer als Berater der Vereine gesehen, nicht als jemand, der von oben herab etwas diktiert. Von daher kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen, warum der Kontakt zur Basis nicht mehr da sein sollte. Ich habe noch nie jemandem, der mich um Rat gebeten hat, eine flapsige Antwort gegeben oder gesagt, „Ich helf dir nicht weiter“.

Sie hatten Dr. Oliver Vogt gefragt, ob er Ihr Nachfolger werden möchte. Warum unterstützen Sie seine Kandidatur?

Ehrich: Ja, ich unterstütze deswegen seine Kandidatur, weil ich ihn fachlich als idealen Kandidaten ansehe. Durch seine Erfahrungen, die er in den letzten sechs Jahren als Koordinator Spielbetrieb gesammelt hat, aber auch durch seine Tätigkeiten im Verein weiß er über viele Dinge Bescheid. Außerdem ist er Führungsverantwortung gewohnt als Präsident vom FC Preußen. Wobei einige die Doppelrolle ja durchaus kritisch sehen. Nichtsdestotrotz halte ich ihn fachlich für exzellent. Ich habe nichts gegen Jens Nickel. Im Gegenteil. Ich schätze ihn als Jugendobmann des VfB Fabbenstedt. Nur ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt nicht ein zu großer Sprung für ihn ist.

Was meinen Sie damit?

Ehrich: Es ist schon ein Riesenunterschied, ob ich Jugendobmann eines Vereines bin oder ob ich einen Ausschuss führe und Ansprechpartner für alle Vereine bin. Er hat ja bisher auf Kreisebene noch keine Tätigkeit gehabt. Von daher ist das natürlich schon gewaltig. Darüber habe ich mit ihm letztens auch schon gesprochen. Ich bin immer jemand gewesen, der mit offenen Karten gespielt, hat und bin der Meinung, dass er durchaus wissen sollte, was sich hinter dem Amt verbirgt.

Was sind denn die größten Herausforderungen des Amts?

Ehrich: Man muss mit allen Vereinen einen vernünftigen Konsens finden auf der einen Seite. Auf der anderen Seite muss man auch versuchen, die Dinge, die vom Verband an den Kreis delegiert werden, an der Basis umzusetzen. Ein konkretes Beispiel: die Einführung der Fair-Play-Liga. Ein erster Step war die Zuschauerregel, wo die Zuschauer vom 15 Meter vom Spielfeld entfernt bleiben mussten. Dann die Coaching-Zone für die Trainer, wo die Trainer in einer gemeinsamen Coaching-Zone ihre Spieler unterstützt haben. Und als letzter Step, dieSchiedsrichter-Regel, wo die Kinder selbst Entscheidungen treffen, etwa ob der Ball im Aus war oder nicht, und die Trainer nur in Ausnahmefällen eingreifen dürfen. Viele haben das sehr kritisch gesehen. Ich habe mich richtig darüber gefreut, dass es eigentlich vom ersten Tag an funktioniert hat.

War das Ihre größte Errungenschaft?

Ehrich: Das war sicherlich einer der Meilensteine. Das kann man schon so sagen. Aber auch die Schulungen der Vereine, die Abwicklungen von Schulungen, die Jugendleiter-Arbeitstagungen haben mir immer sehr viel Freude gemacht. Die dritte Halbzeit in der Cafeteria war immer sehr angenehm, wenn man mal völlig ungezwungen bei einem Glas Bier über das eine oder andere Problem sprechen konnte. (lacht)

Was lief rückblickend schlecht?

Ehrich: Das können am besten immer andere beurteilen. Die Zusammenarbeit mit einigen wenigen Vereinen ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Da gab es Kritik. Einige hätten sich sicherlich an der einen oder anderen Stelle eine andere Vorgehensweise gewünscht – zum Beispiel die Ausschreibung der Hallenkreismeisterschaften. Da muss ich aber entgegenhalten: Wenn man über Jahre hinweg einen zuverlässigen Partner hat, warum sollte man dann ohne Grund etwas verändern?

Wie sollte es in dem Punkt weitergehen?

Ehrich: Das ist sicherlich die Herausforderung des neuen Kreisjugendausschusses. Da muss man die Wahl abwarten. Aus meiner Sicht ist völlig offen, wie die Wahl ausgeht. Ich werde mich auch nicht zu einer Prognose hinreißen lassen. Dass ich meinem Nachfolger [Oliver Vogt, d. Red.] wünschen würde, dass er die Wahl gewinnt, da mache ich kein Geheimnis draus. Dafür habe ich zu lange vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet. Auch von den Vereinen wurde immer wieder unterstrichen, dass seine Arbeit als Koordinator Spielbetrieb unumstritten hervorragend war. Ich glaube, die Probleme, die einige mit der Person Oliver Vogt haben, liegen ganz woanders.

Was meinen Sie?

Ehrich: Man muss eine Trennung vornehmen zwischen dem Menschen Oliver Vogt, dem Präsidenten Oliver Vogt und dem Koordinator Spielbetrieb Oliver Vogt. In seinem Privatleben ist er vielleicht ein etwas anderer Oliver Vogt als in seiner Funktion als Koordinator Spielbetrieb. Das mag so sein. Aber fachlich gibt es für mich keinen Besseren.

Wie geht es für Sie weiter?

Ehrich: Ich freue mich auf neue Herausforderungen auf Verbandsebene. Ich stelle mich auf dem Verbandsjugendtag im Mai zur Wiederwahl als Mitglied des Ausschusses, als Koordinator für die Verbands-Auswahl-Wettbewerbe und möglicherweise noch eine Aufgabe. Da möchte ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht drauf eingehen.

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