Der U16-Trainer des FC Bayern München, Danny Schwarz, über den Freeway-Cup und den Weg zum Profi-Fußballer

„Das hier ist eine Top-Adresse“

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Danny Schwarz (r.) ist als U16-Trainer des FC Bayern München beim Freeway-Cup.

Lübbecke - Von Maik Hanke. Mit drei Siegen und überzeugenden Leistungen in den Freeway-Cup, der inoffiziellen Deutschen U16-Hallenmeisterschaft, gestartet, musste die Nachwuchs-Elite des FC Bayern München am Sonntag überraschend im Achtelfinale die Segel streichen. Im Interview spricht Bayern-Trainer Danny Schwarz über den Reiz des Freeway-Cups, seinen neuen Job nach Nachwuchscoach und was auf dem Weg zum Fußball-Profi entscheidet.

Herr Schwarz, Google Maps zeigt an, es sind 634 Kilometer von München nach Lübbecke. Jetzt sind Sie mit Ihrer Mannschaft schon im Achtelfinale ausgeschieden. Wie enttäuscht sind Sie, nach so einem Aufwand so früh rauszufliegen?

Danny Schwarz: Für jeden Sportler ist das Ziel, ins Endspiel zu kommen. Der Modus ist aber nun mal so. Das haben wir von vornherein gewusst, wenn die KO-Spiele losgehen, reicht eine Niederlage und du bist draußen. Dementsprechend gucken wir uns das Turnier bis zum Schluss an und treten dann die Heimreise an.

Was ist überhaupt der Anlass, so eine weite Anreise anzutreten, um bei einem Turnier zu spielen, dessen rein sportlicher Wert überschaubar ist?

Schwarz: Naja, was heißt überschaubar? Man hat die Möglichkeit, sich mit den besten deutschen Mannschaften im Jugendbereich zu messen – Dortmund, Schalke, Wolfsburg, um nur ein paar zu nennen. Dazu kommt die tolle Atmosphäre. Da lernen die Jungs schon mal ein bisschen kennen, was vielleicht mal auf sie zukommen könnte.

Kann man denn auch sportlich hier etwas mitnehmen?

Schwarz: Zunächst mal geht es darum, auch mal was anderes zu machen, und nicht nur immer auf einem normalen Kunstrasenplatz bei allen Witterungsverhältnissen zu stehen. Jeder Spieler hat Bock, auch ein Hallenturnier zu spielen. Und da ist das hier eine absolute Top-Adresse.

Guckt man bei so einem Hallenturnier vor allem auf sich oder schaut man auch manchmal auf die anderen Spieler nach dem Motto: Mensch, der ist ja gar nicht mal schlecht.

Schwarz: Ganz klar springt einem der eine oder andere Spieler ins Auge. Man tauscht sich auch mit den Kollegen aus. Das ist ja inzwischen so arg vernetzt, es gibt ja gar keine Unbekannte mehr. Aber vielleicht entdecken wir den einen oder anderen Spieler, der ganz interessant ist.

Jetzt hier mit den besten Talenten des 2000er-Jahrgangs auf einem Haufen: Können Sie eine Einschätzung abgeben, wie gut der Jahrgang ist? Oder geht das bei so einem Turnier gar nicht?

Schwarz: Schwierig. Wir haben jetzt auch auf einige gute Spieler verzichten müssen, schulisch bedingt, krankheitsbedingt. Ich denke, bei den anderen Mannschaften ist das ähnlich. Da sind bestimmt noch große Talente nicht dabei. Aber man muss schon sagen in puncto Athletik: Hut ab, was die Jungs da aufs Parkett legen.

Die Veranstalter rühmen sich gerne, dass viele spätere Stars schon mal hier waren, unter anderem acht der Weltmeister von 2014. Gleichzeitig liegt der Prozentsatz der Spieler, die hier dabei sind und es in die Profi-Ligen schaffen, bei ein bis drei Prozent. Finden Sie denn, man kann hier schon erkennen, wer mal was werden könnte und wer nicht?

Schwarz: Nein. (lacht) Es ist ganz, ganz schwer. Man sieht hier überragende Techniker. Aber letztendlich ist es Hallenfußball. Nachher entscheidet dann doch, wie bringt der Spieler das auf dem großen Feld auf den Punkt. Letztendlich wird es nur ein geringer Prozentsatz sein, der den Sprung schafft.

Sie sind jetzt erst seit Kurzem Jugendtrainer. Haben Sie schon einen Blick dafür entwickelt, wer es schaffen könnte?

Schwarz: Ich hab schon meine paar Kandidaten, aber ich gehe auch mit einer großen Portion Demut da ran, weil ich weiß, was auf dem Weg noch alles passieren kann. Mit Verletzungen, mit der Einstellung zum Beruf, zum ganzen Fußball-Business. Das ist noch ein weiter Weg. Aber ich versuche, die Jungs hilfreich zu begleiten.

Inwiefern werden in der B-Jugend die Weichen für eine spätere Profi-Karriere gestellt. Was ist entscheidend in dieser Phase?

Schwarz: Entscheidend ist zunächst mal, dass sie fußballerisch den letzten Feinschliff kriegen. In der U19 ist es zu spät, auf dem technischen Niveau noch was zu erreichen. Jetzt geht es darum, den Spielern beizubringen, dass sie in der jeweiligen Situation die richtige Entscheidung treffen. Die Handlungsschnelligkeit, aber auch das taktische Grundgerüst, wobei die Nachwuchsleistungszentren heute schon viel früher anfangen, das den Jungs mitzugeben.

Sie sind selber ehemaliger Bundesligaspieler. Inwiefern ist das ein Vorteil gegenüber reinen Fußballlehrern, wenn man möglichst zukünftige Bundesligaspieler ausbilden will?

Schwarz: Das ist eine gute Frage, da scheiden sich im Augenblick die Geister. Ich denke, es ist nie verkehrt, wenn man selber auf hohem Niveau auf dem Platz stand. Wenn man genau weiß, wie es sich anfühlt und was gefordert ist. Wahrscheinlich sind meine Kollegen, die nie höherklassig gespielt haben, in anderen Bereichen weiter, was Physiologie angeht und Biomechanik, weil sie das von Grund auf studiert haben. Die Mischung ist entscheidend. Und Arrigo Sacchi hat mal gesagt: Um ein guter Jockey zu sein, braucht man kein Pferd gewesen zu sein.

Was ist denn heutzutage anders bei Nachwuchsspielern im Vergleich zu ihrer Zeit in dem Alter?

Schwarz: Die Jungs sind schon viel, viel weiter. Bei mir damals hat es die Nachwuchsleistungszentren noch gar nicht geben. Die Jungs sind früher reif, sag‘ ich mal. Die sind mit 18 schon komplett ausgebildet. Ich bin erst mit 20 da reingerutscht. Das hat sich alles nach vorne verschoben. Und auch in der Athletik hat sich einiges getan. Da sieht man auch heute beim Hallenturnier, dass die Jungs schon eine unglaubliche Power in den Beinen haben.

Zur Person:

Danny Schwarz (40) ist erst seit dem 8. Januar Trainer der U16 des FC Bayern München. Zuvor assistierte er Trainer Heiko Vogel bei den Amateuren. Schwarz spielte in der Bundesliga für den VfB Stuttgart, die SpVgg Unterhaching und 1860 München. Weitere Stationen waren der Karlsruher SC und FC Bayern München II. 2012 beendete er seine Karriere als Spieler.

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