Krisen-Experte Sebastian Numrich über den Abstiegskampf mit dem BSC Blasheim und bei seinem Ex-Klub Union Varl

Siege mit dem absoluten Willen erzwingen

Ob 2014 mit Union Varl oder 2016 mit dem BSC Blasheim: Sebastian Numrich kennt das Gefühl nach Niederlagen gut. - Fotos: Pollex

Wehdem - Von Maik Hanke. Sebastian Numrich kennt den Abstiegskampf. Dreimal hintereinander hat der Trainer mit Fußball-Bezirksligist Union Varl gerade so den Klassenerhalt geschafft, jetzt steckt er mit dem BSC Blasheim in der Kreisliga A in der nächsten Krisen-Situation. Vor dem Doppel-Abstiegs-Gipel am Sonntag – Union Varl spielt bei TuRa Löhne, Blasheim beim SSV Pr. Ströhen – spricht Numrich über die Situation bei seinem Ex-Klub, worauf es im Abstiegskampf ankommt und wie er mit Blasheim die Klasse halten will.

Herr Numrich, dreimal in Folge standen Sie mit Union Varl vor dem Abstieg aus der Bezirksliga. Dreimal haben Sie noch den Klassenerhalt am letzten Spieltag geschafft. Aus aktuellem Anlass: Wie geht ein Wunder?

Sebastian Numrich: Wie geht ein Wunder? (lacht) Weiß ich nicht, wie ein Wunder geht. Zaubern kann ich nicht, hab ich die letzten Jahre auch nicht gemacht. Gut, die letzten Jahren sah es in Varl noch ein bisschen anders aus als dieses Jahr. Die letzten Jahren waren wir auch unten drin, standen aber oft über dem Strich und nicht so abgeschlagen – in Anführungsstrichen – wie dieses Jahr. Theoretisch müssten sie ja jetzt fast alle Spiele gewinnen, um noch eine Chance zu haben.

Die Varler haben noch acht Spiele, darunter gegen vier der aktuell besten fünf Teams, und zehn Punkte Abstand zum rettenden Ufer. Ist sowas überhaupt noch schaffbar?

Numrich: Solange es theoretisch machbar ist, ist es machbar. Wenn man die Gegner sieht, ist es natürlich keine leichte Aufgabe. Trotzdem sind von den acht Spielen noch sechs Heimspiele. Heimstark war Varl immer. Warum sollte es nicht auch in den letzten sechs Heimspielen klappen? Klar hat man noch vier der fünf Top-Mannschaften, aber man muss am Ende nochmal sehen, für wen es noch um etwas geht. Vielleicht sind ja nur noch Preußen und Vlotho oben, und Oeynhausen und Salzuflen sind schon abgeschlagen, dass die die Punkte nicht mehr unbedingt brauchen.

Was ist in Varl dieses Jahr anders als in den Vorjahren?

Numrich: Auf jeden Fall, dass sie weniger Punkte geholt haben, rein faktisch. Aber anders? Natürlich hat man viele Verletzte gehabt, viele Abgänge. Marcel Rosengarten hat fast die ganze Saison nicht gespielt, auch Dominik Wehbrink. Marius Helmich ist zu Tengern gegangen. Sicherlich hat die Mannschaft an Qualität verloren.

Worauf kommt es jetzt im Abstiegskampf an?

Numrich: Ich glaube, dass man, solange es theoretisch möglich ist, wirklich alles rausholt. Dass man bis zum letzten Spieltag noch versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Das haben wir die letzten Jahre auch immer bewiesen. Ich glaube, vor zwei Jahren haben wir von den letzten vier Spielen noch drei gewonnen, auch gegen Mannschaften, die oben standen. Das haben wir auch in den Heimspielen über den Willen erzwungen. Mit dem absoluten Willen kann man schon viel erreichen. Das hat Varl jetzt in der Rückrunde auch schon gezeigt.

Haben Sie noch einen Rat an Ihren Trainer-Nachfolger Philipp Knappmeyer oder die Spieler? Etwas, das in den vergangenen Jahren geholfen hat, das Ruder noch rumzureißen?

Numrich: Philipp ist selber ein erfahrener Trainer, dem muss ich keine Tipps geben. Die Jungs haben es jetzt auch dreimal geschafft. Die wissen, worauf es ankommt und was sie machen müssen. Da kann ich nichts Neues sagen.

Die vergangenen Jahre wurde bereits gesagt: Jetzt ist Varl fällig. Und dann wurde es doch noch am Ende umgebogen. Wie sieht es dieses Jahr aus?

Numrich: Wenn man die reinen Fakten anguckt, ist es natürlich schwer. Zehn Punkte Rückstand ist schon ein ordentliches Brett, und du musst drei Mannschaften überholen. Rein von den Fakten wird es richtig schwierig. Aber solange die theoretische Chance da ist, kann man natürlich dran glauben. Aber auch wenn am Ende nicht der Klassenerhalt steht, bricht da in Varl auch keine Welt zusammen.

Jetzt beim BSC Blasheim stecken Sie in der Kreisliga A auch mitten im Abstiegskampf. Wie helfen da die Erfahrungen aus Varl?

Numrich: Ich glaube schon, dass mir die helfen. Blasheim ist in einer ähnlichen Situation. Ich kann die Erfahrungen, die ich gemacht habe, an die Jungs weitergeben und für mich darauf zurückgreifen. Dass wir uns konzentrieren, worauf es ankommt. Dass wir da nicht viel mit Schönspielerei erreichen können, sondern mit dem absoluten Willen und Konzentration und Ehrgeiz. Mir war es immer wichtig, dass ich eine Mannschaft habe, die wirklich immer 100 oder 110 Prozent gibt in jedem Spiel.

Was ist in Blasheim anders als in Varl? Abgesehen von der Liga-Zugehörigkeit.

Numrich: Es ist schon vergleichbar mit Varl aus den vergangenen Jahren. In Varl war es immer knapp und wir waren im unteren Tabellendrittel. In Blasheim ist das ähnlich. Wir haben jetzt zwei Punkte Vorsprung vor dem Abstiegsplatz und sind auch in jedem Spiel verdammt – in Anführungsstrichen – zu punkten. In der Kreisliga ist es vielleicht noch etwas ausgeglichener, dass es gegen vermeintliche Spitzenmannschaften noch leichter ist, Punkte zu holen.

Dreimal Abstiegskampf in Varl, jetzt wieder in Blasheim. Kann man sich eigentlich jemals in der Rolle als Krisen-Manager wohlfühlen?

Numrich: Muss man ja notgedrungen. Es macht mir trotzdem Spaß. Es ist nicht so, dass ich sage: Ich hab‘ keinen Bock auf Abstiegskampf. Man muss es nehmen, wie es kommt. Ist ja vielleicht auch ganz reizvoll, wenn es um etwas geht bis zum letzten Spieltag. Vielleicht spannender, als wenn man um Platz acht oder neun spielt und eine Saison locker ausklingen lassen kann.

Was muss passieren, damit Blasheim die Klasse hält?

Numrich: Spiele gewinnen. Wir haben jetzt angefangen gegen Gehlenbeck [4:0, d. Red.]. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, auch mal ein paar leichte Tore gemacht. Wir müssen halt die nächsten Spiele nachlegen. Am Sonntag gegen Pr. Ströhen, den direkten Konkurrenten – wenn wir da verlieren sollten, dann ist der Sieg gegen Gehlenbeck nur noch halb so viel wert. Auf dem Sieg können wir uns nicht ausruhen.

Wer steigt am Ende ab?

Numrich:  Nicht Blasheim. Alles andere ist mir dann relativ egal.

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