Sead Hasanefendic – mit ansteckender Begeisterungsfähigkeit zum Klassenerhalt?

„Ich bin ein Besessener, ja!“

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Sead Hasanefendic (l.) und Zlatko Feric – zwei Landsleute, ein Auftrag: Den TuS N-Lübbecke zum Klassenerhalt führen.

Lübbecke - Von Andreas Gerth. Fragen braucht man Sead Hasanefendic nicht zu stellen. Dieser Mann redet auch so ohne Punkt und Komma. Und er spricht über den Handball und die Bundesliga, als wäre er nie weg gewesen. Jetzt soll er den TuS N-Lübbecke wieder stark reden.

Um es vorwegzunehmen: Sead Hasanefendic ist ansteckend. Spricht er, begeistert er. Sich ihm und seiner Ausstrahlung zu entziehen, ist nicht ganz einfach. Wenn der 66-jährige Kroate mit seiner geballten Trainererfahrung aus unzähligen Stationen in In- und Ausland erst einmal losgelegt hat, in Dieter-Thomas-Heck-Tempo über Einstellung, Motivation, Wir-Gefühl, Emotionen, Aufgaben, Herausforderungen und Männersport philosophiert, dann möchte man am liebsten selbst sofort zum Handball greifen und losstürmen. Doch so einfach ist es nicht.

Die Situation beim Tabellenvierzehnten und in Abstiegsgefahr geratenen TuS N-Lübbecke ist komplizierter. Das ist dem neuen Trainer und Nachfolger des am Montag freigestellten Dirk Beuchler selbst sofort aufgefallen. „Es lacht niemand“, hat Hasanefendic im Training beobachtet und meint die verunsicherten Spieler, mit denen er schnell warm werden muss, um in den verbleibenden neun Spielen das große Ziel, den Klassenerhalt, zu schaffen.

„Meine erste Aufgabe ist es, die Fähigkeiten der Spieler wiederzubeleben. Ihr physischer Zustand ist gut, das ist nicht das Problem. Aber zu einem guten Zustand gehören auch Einstellung und Motivation, Vertrauen und Respekt untereinander, ein kollektiver Gedanke und der unbedingte Wille. Wenn wir den Weg gemeinsam gehen, können wir es schaffen“, betont Sead Hasanefendic, und man nimmt es ihm ab.

Einen „Fan“ hat der Neue ohnehin schon. „Ich bin begeistert, wenn ich ihm zuhöre“, gibt Landsmann Zlatko Feric zu. „Sead hat das richtige Händchen und trifft den richtigen Ton“, ist sich der Teammanager des TuS N-Lübbecke sicher.

Kein Geheimnis ist, dass sich Feric für Hasanefendic als neuen Trainer ausgesprochen hat – und gegen eine Weiterbeschäftigung von Dirk Beuchler. Das bedeutet im Umkehrschluss: Scheitert Hasanefendic in Lübbecke, fällt das auch auf Feric zurück.

Doch so weit will man bei den Ostwestfalen nicht denken. „Ich bin hierhin gekommen, um diese schwierige Aufgabe zu überstehen. Was nach der Saison ist, darüber können wir dann immer noch in Ruhe sprechen“, sagt der „Feuerwehrmann“, der mit einem Vertrag bis nach dem letzten Spiel am 5. Juni in Lübbecke gegen den HC Erlangen ausgestattet worden ist. „Bis dahin werden wir viele Punkte holen müssen, weil unsere Konkurrenten ebenfalls punkten werden“, macht er sich und seinem neuen Arbeitgeber nichts vor.

Sead Hasanefendic weiß, wie Abstiegskampf geht. 2013 rettete er GWD Minden und kommt nun in die pikante Lage, seinen früheren Verein als direkten Konkurrenten im Rennen um den Nichtabstieg zu haben. „Minden ist wieder komplett und hat jetzt eine sehr starke Mannschaft, Lemgo ist ein Traditionsverein. Wir in Lübbecke müssen unsere Heimspiele gewinnen. Minden, Lemgo oder Lübbecke, mindestens einer muss in die zweite Liga. Das ist die Realität.“

Bleibt noch die Frage, ob der 66-jährige Vollbluttrainer tatsächlich der „harte Hund“ ist, als der er verschrieen ist? Hasanefendic lacht: „Wissen Sie, ich bin ein Besessener, ja. Ich gebe viel, und das erwarte ich auch von anderen. Wenn ich besser sein will als mein Gegner, muss ich mehr trainieren als er. Ich bereite mich auf jedes Training vor und will etwas erreichen. Und erst wenn ich dieses Ziel erreicht habe, gehe ich nach Hause...“

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