Nigerianer flüchtet aus der Heimat – und feiert in Rahden die Meisterschaft

Football connected: Kayode fühlt sich wohl beim TuSpo

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Kreisligaerprobt: Kayode Adebiyi schirmt den Ball vor dem Stemweder Ananda Nottbeck ab.

Rahden - Von Willi Pries. „Football connected us, der Fußball hat uns miteinander verbunden“, erzählt Kayode Adebiyi mit einem strahlenden Lachen. Seit etwa neun Monaten lebt der gebürtige Nigerianer in Rahden und fühlt sich wohl, zumal er beim dortigen TuSpo seiner großen Leidenschaft nachgehen kann – dem Fußball.

Von seiner Heimatstadt Jos im nigerianischen Bundesstaat Plateau, einem Konfliktherd im Inneren des afrikanischen Landes, nahm Adebiyi einen beschwerlichen Weg auf sich, um über Italien nach Europa zu gelangen. „Es war ein harter Weg“, beschreibt der 28-Jährige mit wenigen, jedoch vielsagenden Worten seine Flucht ins Ungewisse, die ihn schließlich bis nach Deutschland führte.

Harter Weg

ins Ungewisse

Dass er sich hier in der ostwestfälischen Provinz schnell eingelebt hat, dazu hat auch der Fußball beigetragen. „Kayode hat bei der Stadt Rahden angefragt, ob er hier die Möglichkeit hat, Fußball zu spielen“, berichtet Fußballfachwart Christian Assmann vom TuSpo 09 Rahden. Assmann nahm Kontakt mit dem Nigerianer auf, besuchte ihn im Flüchtlingswohnheim und gab ihm die Trainingszeiten der Seniorenmannschaft – und Kayode war da.

„Beim ersten Versuch lief es zwar noch etwas unglücklich, weil sich das Training kurzfristig verschoben hatte, danach hat es dann aber geklappt“, freut sich Assmann, der sogleich vom Fleiß des „Neuzugangs“ beeindruckt ist. „Er hat bislang jede Trainingseinheit mitgemacht“, lobt er. Und diesen Fleiß zeigt der Nigerianer auch abseits des grünen Rasens.

Dreimal in der Woche steht Deutschunterricht auf dem Programm. Dass Kayode auch hier absoluten Ehrgeiz zeigt, lässt sich schnell erkennen. Fast ausschließlich in Deutsch kann er von seinem Einstieg beim TuSpo berichten. Und wenn die deutschen Vokabeln doch einmal fehlen, geht’s eben auf Englisch weiter.

Auf dem Platz sei die Sprache ohnehin nicht ganz so wichtig, da würden wenige Worte und ein paar Gesten reichen, um sich mit seinen Mitspielern zu verständigen, meint er. Um aber in einem fremden Land heimisch zu werden und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sieht er es als absolut notwendig an, auch deren Sprache zu erlernen. „Und das möchte ich schnell“, betont Adebiyi.

Schnell ging für ihn dann auch der Einstieg ins Spielgeschehen beim TuSpo Rahden, obwohl er noch nie in einer Mannschaft, sondern seit seiner Kindheit nur auf der Straße Fußball gespielt hat. „Nach den ersten Trainingseinheiten war klar, dass er unsere Mannschaft gut ergänzen kann“, erzählt Christian Assmann, der daraufhin eine Spielberechtigung beim DFB beantragte. „Dass dies mit viel Aufwand verbunden ist und Zeit kostet, war mir schon bekannt. Ich habe das vor einigen Jahren schon einmal für einen japanischen Austauschschüler gemacht und das war ebenfalls nicht einfach, hat aber auch funktioniert“, lacht der Fußballfachwart.

Im Heimspiel der ersten Mannschaft gegen den TuS Stemwede sollte es dann soweit sein. „Alle Mannschaften waren ja neu für mich, deshalb habe ich schon vergessen, wer der Gegner war.

„Als der Trainer fragte,

war ich sehr nervös“

Aber ich weiß noch, dass ich sehr, sehr nervös war“, berichtet Adebiyi mit entwaffnender Offenheit. „Als der Trainer mich gefragt hat, habe ich gesagt, dass ich bereit bin, aber ich war sehr aufgeregt“, erzählt der Afrikaner von seinem ersten Punktspieleinsatz.

Dass die Partie gegen die Stemweder verloren ging, konnte er verschmerzen. Es sollten schließlich noch viele Siege mit dem TuSpo folgen, bei denen der Nigerianer immer wieder zum Einsatz kam und sogar vier Tore erzielte, unter anderem den 1:0-Siegtreffer im Spiel gegen Holsen. Und am Ende der Saison konnte er als Krönung die Meisterschaft in der Kreisliga B mit der Mannschaft feiern. „Ich bin einfach froh, dass ich Fußball spielen darf und freue mich, dass ich helfen konnte“, sagt Kayode ganz mannschaftsdienlich.

„Die Mannschaft hat mich gut aufgenommen. The teamspirit is very high, I am happy to be a part of this team“, erzählt er und wechselt zwischen Deutsch und Englisch. „Es war ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Kayode ist offen auf seine Mitspieler zugegangen und genauso wurde er aufgenommen“, schildert Christian Assmann.

Mit dem TuSpo 09 bereitet sich Kayode Adebiyi nun auf den Start der neuen Serie vor. Dass er mit den Rahdenern nun eine Klasse höher in der Kreisliga A gegen andere Mannschaften antreten wird, ist für ihn erst einmal nicht so wichtig. „Es wird bestimmt schwieriger. Aber ich bin froh, dass es wieder losgeht und kann es kaum noch abwarten“, lacht er und ist kurz darauf verschwunden. Wenig später sieht man ihn aus der Kabine sprinten – das nächste Training ruft.

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