Kreisspruchkammer sperrt Leverner nach Tätlichkeit / Freispruch für Gräber

15 Monate Zwangspause für Salvatore Ronzetti

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Wird noch länger an der Seitenauslinie stehen: TuS Leverns Trainer Ciro Ronzetti (rechts) muss vorerst auf seinen für 15 Monate gesperrten Bruder Salvatore verzichten. ·

Minden-luebbecke - Von Melanie RussLEVERN/ESPELKAMP · Sein Schlag in den Nacken des TuRaners Frederik Rüter in der Halbzeitpause der Kreisliga-A-Begegnung TuRa Espelkamp – TuS Levern kommt Salvatore Ronzetti teuer zu stehen. Die Kreisspruchkammer verurteilte den Leverner Spieler am Donnerstag zu einer 15-monatigen Sperre und blieb damit nur drei Monate unter der Höchststrafe. Als strafmildernd sah das Gremium unter Vorsitz von Dietmar Meier das Geständnis Ronzettis und dessen „ehrliche Entschuldigung“ an. In einem zweiten Verfahren wurde der TuRaner Thomas Gräber freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, während des Tumults nach dem Schlag gegen Rüter seinerseits den Leverner Spieler Marcel Andre Henkel niedergeschlagen zu haben.

„Ich entschuldige mich nochmal für die Ohrfeige“, begann Salvatore Ronzetti seine Darstellung der Geschehnisse vom drittletzten Spieltag am 26. Mai. Es sei ein hitziges Spiel gewesen, „aber ich bin 40 Jahre alt. So etwas darf mir nicht passieren“, zeigte sich der Leverner einsichtig, widersprach allerdings der TuRaner Darstellung, er habe mit der Faust zugeschlagen. „Es war die flache Hand.“

Frededrik Rüter selbst hat nur wage Erinnerungen an den Vorfall. „Ich habe am Eingang zum Kabinengang einen Schlag in den Nacken bekommen und bin gegen den Türrahmen gefallen. Danach weiß ich nichts mehr.“ Er sei kurz „weg gewesen“ und habe sich erst im Rahdener Krankenhaus, in das ihn ein Kumpel gebracht hatte, wieder berappelt. Dort sei ein Halswirbeltrauma festgestellt worden, er habe für eine Woche krankgeschrieben werden müssen.

Frederik Rüters Vereinskameraden Ralf Hohmeier (schriftliche Aussage), Johann Sudermann, Thomas Gräber und Thomas Epp sowie TuRa-Trainer Klaus Schmitz (schriftliche Aussage) hatten eine bessere Erinnerung. Übereinstimmend schilderten sie, Salvatore Ronzetti sei an ihnen vorbei auf den einige Meter vor ihnen gehenden Frederik Rüter zugelaufen, habe ihm in Höhe der Eingangstür zum Kabinengang von hinten mit der Faust in den Nacken geschlagen und sich anschließend in Richtung Leverner Kabine entfernt. „Es war definitiv die Faust, nicht die flache Hand“, insistierte Johann Sudermann auf Nachfrage der Kammer. Rüter sei danach sofort in sich zusammengesackt. Laut Zeugenaussagen, war er nach dem Sturz zwar ansprechbar, aber benommen.

Schiedsrichter Dr. Oliver Vogt traf erst nach der Tätlichkeit am Ort des Geschehens ein und löste den Tumult auf, indem er beide Teams in ihre Kabinen schickte.

Als Auslöser für seine Tätlichkeit nannte Salvatore Ronzetti Provokationen während der ersten Halbzeit. Nach der 3:1-Führung seiner Mannschaft habe es angefangen; er habe eine Ohrfeige und einen Schlag in den Rücken bekommen und sei rassistisch beleidigt worden, schilderte Ronzetti seine Sicht der Dinge. Die TuRaner Zeugen wollten davon nichts bemerkt haben. Es sei auf dem Platz „die ganze Zeit geredet“ worden, berichtete Espelkamps Kapitän Thomas Gräber. Es habe auch Nicklichkeiten gegeben, die allerdings eher von Levern ausgegangen seien.

Nach der Urteilsverkündung gab es auf beiden Seiten versöhnliche Worte. „Das alles ist uns sehr unangenehm. Wir stehen zu dem, was Salvatore gemacht hat und hoffen, dass für zukünftige Begegnungen nichts hängen bleibt“, bat Leverns Vorsitzender Berthold Brinkmeier um einen sportlich-fairen Umgang miteinander. Das wünschte sich auch TuRas Vorsitzender Jörg Winkelmann.

Weit weniger eindeutig war die Sache im zweiten Verfahren des Abends gegen TuRa Espelkamps Kapitän Thomas Gräber. Er habe Leverns Marcel Andre Henkel nach der Tätlichkeit gegen Rüter kurz vor der Leverner Kabine in den Nacken geschlagen, lautete der vom TuS erhobene Vorwurf. Dem Schiedsrichter wurde dies allerdings nicht mitgeteilt, und Henkel war in der zweiten Halbzeit wieder aufgelaufen. Den Vorwurf gegen Gräber hatte TuS-Vorsitzender Brinkmeier erst an den KSK-Vorsitzenden Dietmar Meier weitergeleitet, nachdem ein Verfahren gegen Ronzetti eröffnet worden war.

„Bedenkliche Umstände“ seien das, befand Meier, ohne allerdings Henkel der Lüge bezichtigen zu wollen. Er glaube Henkel, dass er niedergeschlagen wurde, allerdings könne nicht gesagt werden, von wem. Henkel selbst hatte den Angreifer nicht gesehen. Sein Vereinskamerad Tobias Hafer erklärte, es sei TuRas Nummer 12 (Gräber) gewesen. „Wenn ich Fußball spiele, bin ich voller Adrenalin. Dann spüre ich keine Schmerzen. Und das war für uns ein wichtiges Spiel“, erklärte Henkel, warum er trotz des Schlages weiterspielte.

Thomas Gräber sagte aus, er sei mit einigen Mitspielern zur Leverner Kabine gegangen, um Salvatore Ronzetti zur Rede zu stellen. Die Leverner hätten ihn allerdings nicht hereingelassen. Geschlagen habe er niemanden. Es habe nur ein paar Schubsereien gegeben, bestätigten Johann Sudermann und Tomas Epp.

Trotz des Freispruches war TuRa Espelkamps Vorsitzender Jörg Winkelmann alles andere als zufrieden. Er kritisierte, dass die Kreisspruchkammer Gräber per einstweiliger Verfügung gesperrt hatte, obwohl es nur eine Anschuldigung, aber keine Beweise gab. Das gleiche einer Vorverurteilung. „Es wäre schade, wenn so etwas Schule macht.“

KSK-Vorsitzender Meier verwies auf die Richtlinien. Bei schweren Vergehen sei eine Sperre üblich. TuRa Espelkamp hätte dagegen Rechtsmittel einlegen können, das sei aber nicht geschehen.

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