FC-Vorsitzender als Nazi diffamiert

Kickers-Spieler greift Sasse-Westermann an

Lübbecke - Von Melanie RussSportlich könnte es für den erst im Sommer gegründeten Verein Lübbecker Kickers kaum besser laufen. Mit zwölf Punkten aus fünf Spielen ist der Kreisliga-C-Ligist phänomenal in die Saison gestartet.

Doch abseits des Platzes macht der Verein derzeit mit Negativschlagzeilen von sich reden. Ein Vereinsmitglied soll eine Fotomontage verbreitet haben, die Bernd Sasse-Westermann, Vorsitzender des FC Lübbecke, in einer Nazi-Uniform aus dem Dritten Reich zeigt. Neben Ausländern, Menschen mit Behinderungen und Menschen jüdischen Glaubens wolle er ganz besonders keinen zweiten Fußballverein in Lübbecke, lautet der Text auf der Montage.

Spruchkammer und

Staatsschutz ermitteln

Sasse-Westermann erstattete daraufhin Ende August Anzeige. Inzwischen ermittelt die Staatsschutzabteilung der Bielefelder Polizei gegen den Spieler, zu dessen Identität sich Kickers-Geschäftsführer Tim Schwagmeier gestern im Gespräch mit dieser Zeitung nicht äußern wollte. Auch die Verbandsspruchkammer wurde eingeschaltet. Sie erwartet bis zum Wochenende eine Stellungnahme der Kickers. Anschließend werde kurzfristig eine Verhandlung terminiert, so Spruchkammer-Vorsitzender Georg Schierholz.

Der Spieler sei bis zur Klärung der Angelegenheit suspendiert, erklärt Schwagmeier, der sich und seinen Verein ausdrücklich von der Tat distanziert. „Diese Aktion war einfach katastrophal für uns. Es war wohl die Enttäuschung darüber, dass der Verein abgeschoben wurde“, versucht der Geschäftsführer eine Erklärung.

Er spielt damit auf Unstimmigkeiten bezüglich der Nutzung der Anlage des FC Lübbecke an der Obernfelder Allee an. Die Kickers hatten anfänglich die Zusage bekommen, mit ihrer Mannschaft einmal wöchentlich auf der Anlage trainieren und ihre Pflichtspiele dort austragen zu können. „Das war für uns überhaupt kein Problem“, so Sasse-Westermann. Als die inzwischen rund 60 Mitglieder zählenden Kickers noch eine zweite Mannschaft meldeten und die Gründung einer Jugendmannschaft planten, zog der Vorstand seine Zusage zum Teil zurück.

Zwar dürfen die Kickers wie zugesichert bis zum Ende der Saison ihre Sonntagsspiele auf dem Platz austragen, für Training und Wochenspiele stehe er aber nicht zur Verfügung, erklärt Sasse-Westermann. „Das ist einfach zu viel für unseren Platz.“ Die Stadt Lübbecke teile diese Einschätzung und habe den Kickers alternativ Kapazitäten beim HSC Alswede angeboten. Das hätten die Kickers aber abgelehnt, so Sasse-Westermann, der darauf verweist, dass die Stadt dem FC einst vertraglich zugesichert hat, dass er einziger Nutzer der Anlage an der Obernfelder Straße ist.

Doch nicht nur die hohe Beanspruchung des Platzes ist dem FC-Vorsitzenden ein Dorn im Auge. Die Kickers hätten mit beiden Mannschaften wie selbstverständlich das Eigentum des FC vom Vereinsheim bis zum Kreidewagen nutzen wollen. Sasse-Westermann: „Wenn man einen Verein gründet, muss einem auch klar sein, dass man eine eigene Ausrüstung benötigt.“

Nach der Verbreitung der Fotomontage ist das Tischtuch nun wohl endgültig zerschnitten. „Mehr beleidigen geht gar nicht“, so Sasse-Westermann, der nach eigener Aussage noch immer auf eine Entschuldigung von Seiten der Kickers wartet.

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