Diskus-Star Robert Harting will nochmal angreifen

„Ich bin ganz froh, dass ich die Superlative los bin“

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Beim Internationalen Stadionfest in Berlin wurde Diskuswerfer Robert Harting kürzlich Dritter. Bei der Europameisterschaft 2018 will der 31-Jährige nochmal angreifen – und im besten Fall mit Gold seine Karriere beenden. 

Espelkamp - Von Maik Hanke. Die Pose, in der er sich den Hexenschuss am Abend vor seinem verkorksten Olympia-Wettkampf in Rio zugezogen hatte, wollte er lieber nicht nochmal vormachen. Nach seinem heruntergefallenen Handy konnte sich Robert Harting aber problemlos im Sitzen bücken. Er habe viel aus den Verletzungen der vergangenen anderthalb Jahre gelernt, sagte der Diskus-Star, der andeutete, seinen Zenit überschritten zu haben, es aber vermied, das so auszudrücken.

In einer Medienrunde in Espelkamp sprach Robert Harting, der bei einer ortsansässigen Firma an einem Workshop über Gesundheitsmanagement beteiligt war, Donnerstag unter anderem über seine Zukunft, Olympia und mangelhafte Sportförderung.

Ein gut gelaunter Robert Harting stellte sich in Espelkamp ina einer Medienrunde auch den Fragen der Kreiszeitung.

Harting sagt, er habe seinen Blickwinkel ändern müssen. Als er auf dem Weg zur Weltspitze war, war er es gewohnt, jeden Tag immer ein Stück besser zu sein als am Vortag. Mittlerweile habe sich das gedreht. Nun müsse er versuchen, zumindest sein Niveau zu halten. Dennoch protestiert Harting, wenn jemand behauptet, er sei über seinen Zenit hinaus. Schließlich sei er trotz Verletzungs- und Trainingspausen in der Vergangenheit immer noch die Nummer vier der Welt. Und er will nochmal angreifen: bei der EM 2018 in Berlin.

„Ich habe in Berlin mein erstes Gold gewonnen. Es wäre schön, wenn ich da mein letztes gewinne. Das wäre eine schöne Parabel“, sagt Harting und bestätigt, dass er seine Karriere beenden wird, wenn er 2018 gut abschneidet. So richtig sicher scheint er sich aber noch nicht zu sein. So sagt er zunächst: „Für mich kommen die Olympischen Spiele 2020 nicht mehr infrage.“ Nur um wenig später wieder zurückzurudern: Olympia sei „noch gar nicht drin“ im Kopf.

„Sportlich ist es ein absolutes Martyrium gewesen“

Die symbolische Fackelübergabe im deutschen Diskuswerfen hat Harting womöglich schon bei Olympia in Rio erlebt, als sein kleiner Bruder Christoph Gold holte. „Den Generationenwechsel kann man nicht verhindern“, sagt Harting, der Ältere. Und besser als in Rio könne es gar nicht verlaufen. „Ich bin ganz froh, dass ich die Superlative los bin“, sagt er. „Wenn mein Bruder mich künftig schlägt, schlägt mich immerhin ein Olympiasieger.“

Für Robert Harting war das frühe Aus bei Olympia extrem ernüchternd, so wie die vorherigen anderthalb Jahre seit seinem Kreuzbandriss im Herbst 2014 und anderen Blessuren. „Sportlich ist es ein absolutes Martyrium gewesen“, berichtet der dreifache deutsche Sportler des Jahres. „So viele Verletzungen sind für mich persönlich auch neu gewesen.“ Daraus habe er viel Wissen mitgenommen, um künftig noch besser Lösungen zu finden. „Es ist mittlerweile so, dass ich an der Fehlersuche Spaß entwickele.“

Sportförderung liegt Harting am Herzen

Wie es konkret in der nächsten Zeit weitergeht, kann Harting noch nicht sagen. Auch nicht, ob die Trainingsgruppe mit seinem Bruder Christoph und seiner Lebensgefährtin Julia Fischer Bestand haben wird. „Das ist momentan sehr in der Diskussion, wie wir die nächsten Jahre strukturieren. Noch gibt es kein klares Votum.“

Und nach der Karriere? Sportpolitiker wird der Systemkritiker vermutlich nicht so bald. „Ich glaube, dass ich viel zu emotional für die Politik bin.“ Dennoch wolle er etwas verändern – und stehe bereits in Kontakt mit dem Bundesministerium des Inneren über ein neues Sportförderkonzept.

Denn die Sportförderung ist ein Thema, das Harting am Herzen liegt: „Deutschland ist auf dem Weg, sportkulturell zu verdummen“, klagt er an. „Ich prophezeie diesem Land eine schlechte sportliche Zukunft.“ Die Sportförderung müsse in den Grundschulen anfangen.

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