Herbert Zahnhausen gibt Vorsitz der Kreisjugendspruchkammer auf

„Der Umgangston ist aggressiver geworden“

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Gibt ein Amt ab: Für den Vorsitz in der Kreisjugendspruchkammer wird Herbert Zahnhausen am 10. März nicht erneut kandidieren. Für den Isenstedter SC wird der begeisterte Fußballanhänger aber nach wie vor für die Ü50-Mannschaft im Tor stehen.

Espelkamp - Von Sonja Rohlfing. Fußball ist seins – und zwar schon von Kindesbeinen an. „Ich habe noch auf roter Asche gelernt“, sagt Herbert Zahnhausen aus Espelkamp und schmunzelt. „Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen“, umschreibt der 58-Jährige seine Faszination für den Mannschaftssport, der Leidenschaft auf der ganzen Welt auslöst. Als Vorsitzender der Kreisjugendspruchkammer kennt er allerdings auch die unschönen Seiten des Jugendfußballs.

„20 Verfahren haben wir in den letzten drei Jahren vor der Kreisjugendspruchkammer verhandelt“, berichtet Zahnhausen. 150 Wochen Sperre gegen Spieler und Übungsleiter seien ausgesprochen und Geldstrafen in Höhe von fast 700 Euro verhängt worden. Die Kreisjugendspruchkammer darf als Rechtsorgan des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen darüber hinaus unter anderem Punkte aberkennen oder Platzverbote aussprechen.

Ein Großteil der Verfahren im Fußballkreis Lübbecke drehte sich um Beleidigungen, gefolgt von Tätlichkeiten. „Was an Worten auf dem Platz fällt, ist grenzwertig. Der Umgangston ist insgesamt aggressiver geworden.“ So wie der Ton in der Gesellschaft ebenfalls rauer geworden sei, stellt der Hausmeister der Espelkamper Stadtsporthalle fest. „Und im Internet gehen die Beleidigungen dann weiter.“ Wobei sich die Auswüchse im Lübbecker Land noch in Grenzen halten würden, verglichen mit manch anderem Kreis.

Selbst wenn die meisten Fälle in der A-, B- und C-Jugend aufgetreten seien, zögen sich die Verfahren durch von Mini-Kickern bis A-Jugend. Sie würden den Jungen- wie Mädchenfußball betreffen und Spieler wie Übungsleiter und Trainer. Bei den Erwachsenen, die Eltern eingeschlossen, fehle es oftmals an Vorbildfunktion, bedauert Herbert Zahnhausen. „Die Einführung der Fair-Play-Zonen ist ein gute Sache“, findet er. Mit 15 Metern Abstand vom Spielfeldrand seien manche Eltern aber immer noch nicht weit genug weg. „Emotionen gehören zum Fußball dazu.“ Man müsse sich aber auch wieder bremsen können. Die gravierenden Fälle, in denen das nicht passiert ist, landen dann vor der Kreisjugendspruchkammer.

Emotionen gehören

dazu – aber in Maßen

Kommt es zur mündlichen Verhandlung, werden durch die sechs Mitglieder der Kammer die Beteiligten des Verfahrens und Zeugen gehört. „Ich würde mich freuen, wenn dann alle die Wahrheit sagen würden“, betont Zahnhausen. Die Realität sehe aber anders aus. „Da wird gemauert oder man versucht, sich heraus zu lavieren.“ Das sei schade. Fehler müsse man auch zugeben können.

Den Spaß am Fußball lässt sich Zahnhausen durch die Schattenseiten nicht verderben. „Ohne den Sport hätte ich nie so viele Menschen quer durch alle Gesellschaftsgruppen kennen gelernt“, erklärt der gebürtige Börninghauser, der am Wochenende gern bei seinem Lieblingsverein Tennis Borussia Berlin im Stadion mitfiebert.

Als vor drei Jahren ein Vorsitzender für die Kreisjugendspruchkammer gesucht wurde, ist Zahnhausen in die Bresche gesprungen. Im Fußballkreis Lübbecke hat er in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Funktionen belegen dürfen: Kreisjugendwart, Staffelleiter, Beisitzer in der Kreisjugend- und der Bezirksspruchkammer. „Organisieren liegt mir. Ich möchte aber auch etwas von dem zurückgegeben, was mir im Sport gegeben wurde“, erläutert der Espelkamper, der außerdem seit 18 Jahren Vorsitzender des Espelkamper Handballvereins und im FC Preußen Ehrenratsvorsitzender ist.

„Ich habe von vorne herein gesagt, ich mache den Vorsitz der Kreisjugendspruchkammer nur für drei Jahre. Nun müssen junge Leute ran“, vertritt der 58-Jährige. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt für einen Abgang. An der Spitze des Kreisjugendausschusses wird es am 10. März auf dem Kreisjugendtag ebenfalls einen Wechsel geben. „Thomas Ehrich und mich verbindet eine tiefe Freundschaft schon seit Jugendzeiten.“ Nun hören sie beide gemeinsam auf.

„Ich möchte mich zukünftig mehr um den Handball kümmern und mir mehr Zeit für meine fünf Enkelkinder nehmen.“ Und noch einen Wunsch hat Herbert Zahnhausen bis zum 10. März: „Hoffentlich gibt es nicht noch kurzfristig ein Verfahren vor der Kreisjugendspruchkammer.“

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