Handball-Europameister Niclas Pieczkowski vom TuS N-Lübbecke über den großen Triumph

Goldmedaille? „Schmeckt sehr, sehr gut!“

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Europameister! Niclas Pieczkowski (2.v.l.) feiert den größten Triumph seiner Karriere.

Lübbecke - Von Maik Hanke. Der Europameister ist wieder im Land! Nach dem sensationellen Triumph mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft in Polen ist Niclas Pieczkowski zurück. Im Interview spricht der 26-Jährige Rückraumspieler vom TuS N-Lübbecke über den schönsten Moment des Turniers, wie Bundestrainer Dagur Sigurdsson das Team heiß aufs Finale gegen Spanien machte und ob er etwas für den Abstiegskampf in der Bundesliga mitnehmen konnte.

Niclas Pieczkowski, ich weiß nicht, für wie viele Fotos Sie schon mal in die Goldmedaille beißen oder sie küssen mussten. Verraten Sie uns: Wie schmeckt die Goldmedaille?

Niclas Pieczkowski: (lacht) Schmeckt... metallisch, aber schmeckt sehr, sehr gut. Eigentlich will ich immer wieder reinbeißen.

Bei vielen schönen Momenten im Turnier, ob mit Medaille oder noch ohne, was war der schönste Moment der vergangenen Wochen?

Pieczkowski: Ist schwierig zu sagen, was der schönste Moment war. Mit Sicherheit gehört der Moment dazu, als wir alle auf dem Podest standen und die Schale hochgerissen haben. Aber es waren so viele Ereignisse, die hintereinander gefolgt sind. Wir hatten ja so einen Rhythmus, dass eigentlich jeden zweite Tag ein Spiel war. Da ist es schwierig, zu realisieren, dass man Europameister ist. Eigentlich kann ich es immer noch nicht richtig glauben.

Wann war denn der Moment, als man merkt: „Das wird jetzt was!“?

Pieczkowski: Das ganze Finale war ja so wahnsinnig, dass wir schon sehr, sehr früh in Führung gegangen sind und diesen Vorsprung gehalten haben. Dann irgendwann, vielleicht zehn Minuten oder eine Viertelstunde vor dem Ende, und es immer noch sieben Tore Abstand für uns waren, da war dann so langsam das Gefühl da: „Unglaublich, wir können es schaffen.“ Am Ende bin ich dann selber ja noch reingekommen für fünf Minuten – das war dann einfach Wahnsinn auf dem Feld. Einfach wunderschön.

Wie muss man sich das vorstellen: Man hört den Schlusspfiff, jubelt, geht dann vor der Siegerehrung nochmal in die Kabine. Was ist das erste, was man macht, wenn alle auf einem Haufen stehen, und alle mit einem Mal Europameister sind?

Pieczkowski: Keiner wusste so richtig, was er machen sollte. Einer fängt dann was an und alle machen es nach. Man hat einfach probiert, es so gut es geht zu genießen.

Gerade im Finale hat die Mannschaft absolut ruhig und abgeklärt gewirkt, als würde sie schon seit Jahren so zusammenspielen. Waren Sie nicht nervös oder haben Sie das nur gut überspielt?

Pieczkowski: Nervosität war auf jeden Fall da. Wenn man in ein Europameisterschaftsfinale geht, ohne nervös zu sein, dann ist irgendwas falsch, glaube ich. Aber ich denke, der Trainer hat uns gut eingestellt, hat uns wahnsinnig heiß gemacht, hat uns gesagt, dass die Spanier vorher vier- oder fünfmal im EM-Finale standen und noch nie gewonnen haben. Er hat uns klar gemacht, dass wir nichts zu verlieren haben. Wir haben schon so viel erreicht und wir können nur gewinnen, egal, was passiert. Und je länger das Spiel dauert, desto schwieriger wird es für die Spanier, weil die ja eigentlich unter Zugzwang stehen. Dass es dann so gut geklappt hat, ist natürlich traumhaft.

Es hieß am Anfang, dass keiner irgendetwas von der jungen Mannschaft erwartet. Hat sich im Laufe des Turniers Druck aufgebaut? Hatte man jemals Druck?

Pieczkowski: Jein. Man will ja das Bestmögliche aus dem Turnier herausholen. Es fing ja an mit dem Spiel gegen Spanien [in der Vorrunde, d. Red.], das man – in Anführungszeichen – verlieren durfte, und wir dann auch verloren haben. Aber danach war jedes Spiel ein Endspiel. Das Ziel war, die Hauptrunde so gut wie möglich zu erreichen, und wenn man gegen Schweden verloren hätte, dann wäre das schon, ich sag‘ mal, ein Todesurteil gewesen. Aber ich denke, wir haben das zusammen gut hingekriegt.

War es schwierig für Sie, dass Sie Ergänzungsspieler waren und viel draußen gesessen haben?

Pieczkowski: Jein. Natürlich hätte ich gerne mehr gespielt, auch auf den Positionen, auf denen ich sonst spiele. Aber wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, war es einfach schön, dabei zu sein. Wenn ich gekommen bin, habe ich meinen Beitrag geleistet. Auch auf Außen. Ich hoffe der Trainer [Goran Perkovac beim TuS N-Lübbecke, d. Red.] packt mich jetzt nicht auch auf Außen. (lacht) Im Endeffekt steht über allem der Teamerfolg. Das war das Wichtigste. Deswegen ist es vollkommen egal, ob ich da relativ wenig gespielt habe.

Und wie schwierig war es, in so wichtigen Spielen auf der ungewohnten Position auf Linksaußen zu stehen?

Pieczkowski: Wir hatten das ja in der Vorbereitung schon angetestet. Da mussten wir uns was einfallen lassen, weil wir in der Vorbereitung gar keinen Linksaußen hatten. Uwe Gensheimer war verletzt. Dann kam Michael Allendorf nach. Der hat sich auch verletzt, und Dahmke war immer noch verletzt. Von daher mussten wir improvisieren. Mal mit Kreisläufern, mal mit Mittelmännern. Hat ja ganz gut geklappt.

Ärgert man sich denn, wenn man 40 Sekunden vor Ende des Finals noch eine dicke Chance hat, und es doch nicht mehr schafft, sich noch in die Torschützenliste eines EM-Finals einzutragen?

Pieczkowski: Ja, natürlich. Im Endeffekt war es egal, aber natürlich hätte ich gerne im Finale ein Tor gemacht.

Wie schwer ist es nach einem so euphorischen Turnier, wieder in den tristen Liga-Alltag zurückzukehren.

Pieczkowski: Weiß ich nicht, hatte ich noch nie! Die letzten Wochen war ein richtig schönes Erlebnis für mich, das werde ich nie vergessen. Ich werde jetzt aber gucken, dass ich mich ab morgen dann konzentriere. Wir haben noch eine wichtige Aufgabe vor uns.

Kann man denn etwas vom Turnier in die Liga mitnehmen, wo der TuS N-Lübbecke nach der Vorrunde noch ohne Sieg ist?

Pieczkowski: Das weiß ich nicht. Ich hab jetzt eine positive Einstellung und ich hoffe, dass ich die so ein bisschen an die anderen Spieler weitergeben kann. Sowas steckt natürlich an.

Wissen Sie schon, wie es nach der Saison für Sie weitergeht? Sie müssen ja sicherlich in mehrere Richtungen planen...

Pieczkowski: Kann ich noch nichts zu sagen und werde ich auch nicht. Jetzt geht es darum, dass diese Saison zu Ende gespielt wird, und das ist das Wichtigste.

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