Handball-Bundesliga: TuS N-Lübbecke geht gegen MT Melsungen nach ordentlicher erster Halbzeit mit 19:30 unter

Die Nerven liegen blank

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MT Melsungen hatte den TuS N-Lübbecke (hier Vuko Borozan) in der zweiten Halbzeit fest im Griff.

Lübbecke - Von Melanie Russ. Was in der ersten Halbzeit vielversprechend begann, entwickelte sich in der zweiten Halbzeit zu einem regelrechten Desaster für den Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke, der am Samstag im Heimspiel gegen MT Melsungen eine 19:30 (11:10)-Niederlage kassierte und damit nach neun Spieltagen noch immer ohne Punkte dasteht. Mit Erklärungsversuchen taten sich Trainer und Spieler schwer.

„Wenn wir in der letzten Saison mit zwei, drei Toren hinten lagen, hat man noch mehr an sich geglaubt. Jetzt wird jeder noch nervöser, und dann kommen noch mehr Fehler zustande“, beschreibt Rückraumspieler Gabor Langhans die momentane Situation beim TuS. Bei der Frage nach einem Ausweg ist auch er ratlos. „Wir versuchen jedes Mal, uns auf das nächste Spiel einzustellen und mit dem vergangenen abzuschließen.“ Mit mäßigem Erfolg, wie die letzten Partien zeigen.

„Ich glaube, es stimmt etwas in unseren Köpfen nicht“, meinte auch Rückraumspieler Tim Suton, der vor der Partie wie vor den Spielen davor auch optimistisch war, dass dieses Mal etwas zu holen ist. Tatsächlich machten die Gastgeber in der ersten Halbzeit ein ordentliches Spiel und gingen in der 17. Minute nach drei Paraden von Nikola Blazicko erstmals mit zwei Toren in Führung (7:5). Von dem erneuten Ausgleich Melsungens ließen sich die Nettelstedter nicht aus der Ruhe bringen und erspielten sich durch Jens Schöngarth – mit fünf Toren bester Schützen der Gastgeber – zweimal Niclas Pieczkowski und einen Siebenmeter von Bobby Schagen eine 11:8-Führung (26.), die allerdings bis zum Pausenpfiff auf 11:10 zusammen schmolz.

Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gaben direkt einen Vorgeschmack darauf, was den TuS N-Lübbecke in der folgenden halben Stunde erwarten würde. Melsungen spielte die Angriffe jetzt deutlich besser aus und leistete sich weniger Fehlwürfe. Der Knackpunkt des Spiels waren nach Einschätzung von TuS-Trainer Goran Suton die ersten zwei Minuten der zweiten Halbzeit, als Nettelstedt aus einer doppelten Überzahl mit 1:1-Toren und einer eigenen Zeitstrafe hervorging. „Da waren wir nicht clever genug“, räumt Suton ein. „Das war ein psychologisch wichtiger Moment. Danach lagen die Nerven blank. Und wir hatten auch nicht mehr die Unterstützung im Tor wie in der ersten Halbzeit“, spricht er die Leistung von Keeper Nikola Blazicko an, der allerdings bei vielen Tempogegenstößen Melsungens von seiner Abwehr allein gelassen war.

Melsungens Top-Scorer Momir Rnic (acht Tore) brachte die Gäste in der 34. Minute erstmals seit der 14. Minute wieder in Führung (12:13). Fünf Minuten später erhöhten die Gäste nach einem Fehlwurf von Pieczkowski per Gegenstoß auf 13:16. Mit dem 14:19 (43.) war der Einbruch der Nettelstedter nicht mehr zu stoppen. Melsungen hatte inzwischen wieder auf eine 6:0-Abwehr umgestellt und bildete ein Bollwerk, gegen das die Gastgeber keine Mittel fanden. Die Folge waren Verzweiflungswürfe, die Melsungen leicht abfing und in höchst effektive Tempogegenstöße ummünzte. Wie schon gegen die Rhein-Neckar Löwen in der Vorwoche brachte Nettelstedt den Ball in der zweiten Halbzeit nur acht Mal im gegnerischen Tor unter.

Goran Suton versuchte mit einer Auszeit in der 48. Minute noch gegenzulenken – erfolglos. Teammanager Zlatko Feric musste fassungslos mitansehen, wie sein Team von der Gastmannschaft geradezu abgeschossen wurde. Jens Schöngarth markierte in der 55. Minute den letzten TuS-Treffer zum 19:26. Anschließend kassierten die Rot-Schwarzen zweimal direkt hintereinander eine Zeitstrafe.

Melsungens Coach Michael Roth war naturgemäß rundum zufrieden über den ersten Sieg seiner Mannschaft beim TuS N-Lübbecke seit acht Jahren. „Wenn man eine Halbzeit 20:8 gewinnt, kann nicht viel schief gelaufen sein“, so Roth. Nach 14-tägiger Pause und dem Ausfall einiger Verletzter habe in der ersten Halbzeit noch die Abstimmung gefehlt, in der zweiten Halbzeit habe seine Mannschaft dann ruhiger agiert. „Wir wollten das Spiel eigentlich nicht so lange offen halten und früher in Führung gehen. Wir wussten, dass Nettelstedt dann nervös werden würden“, so Roth. Die Einwechslung von Jeffrey Boomhouwer und Johannes Sellin habe dann mehr Tempo gebracht. Seinen Gegner schätzt der MT-Trainer deutlich stärker ein, als er sich derzeit präsentiert. „Wir sind froh, dass wir nicht die ersten sind, die hier Punkte verlieren“, so Roth.

Suton bedauerte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft die Führung in der ersten Halbzeit nicht deutlicher gestalten konnte. Ein verworfener Siebenmeter und drei technische Fehler hätten vier Tore gekostet. Besonders ärgert ihn, dass die Niederlage so hoch ausfiel. Die Spieler würden dadurch noch mehr Selbstvertrauen verlieren. Dass Nettelstedt gegen eine sehr starke Mannschaft, die durch den Sieg wieder auf Tabellenplatz zwei geklettert und damit Champions-League-Kandidat ist, gespielt hat, will Suton nicht als Ausrede gelten lassen. „Ich kann die Niederlage nicht schön reden.“

Mit Blick auf das nächste Spiel beim HSV Handball hofft er, „dass wir bis Ende der Woche handeln können“. Die Mannschaft brauche noch mindestens einen Spieler, der in der Abwehr helfen könne. Das allein dürfte angesichts der Vielzahl der Baustellen allerdings nicht für eine Trendwende reichen.

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