Futsal – kleiner Ball schlägt hohe Wellen/Vogt: Beides hat seine Berechtigung

„Aufpassen, dass man nicht Gewachsenes kaputt macht“

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Preußen-Präsident Dr. Oliver Vogt fühlt sich wohler mit dem „normalen“ Ball am Fuß. Zumal man in Espelkamp in eine neue Rundumbande investiert hat, die bei den Neujahrsturnieren am vergangenen Wochenende ihre Premiere feierte.

Lübbecke - Von Andreas Gerth. Der Ball ist kleiner als ein herkömmlicher und springt nicht so hoch und doch schlägt er hohe Wellen. Die Rede ist vom Futsal-Spielball, der in einigen Hallen Fußball-Deutschlands bereits Einzug gehalten hat, an anderen Schauplätzen, wie zum Beispiel im Fußballkreis Lübbecke, jedoch bislang nur eines auslöst: Ärger.

„Wir haben von unseren Gastmannschaften nur positive Rückmeldungen bekommen, dass wir bei unseren Neujahrsturnieren für den Nachwuchs nach den alten Regeln spielen“, berichtet Dr. Oliver Vogt. Der Präsident des FC Preußen Espelkamp ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Lübbecker Kreisjugendausschusses sowie Pokalspielleiter und Koordinator Spielbetrieb – und jemand mit einer klaren Meinung. „Futsal ist eine andere Sportart. Und wenn man sie vom DFB und vom Verband mit Zwangsmaßnahmen einführen will, wird dadurch die Akzeptanz an der Basis nicht größer.“

Korfmacher sicher:

„Futsal wird kommen“

Nur einen Fußballkreis entfernt hat Futsal, die vom Weltverband FIFA favorisierte und „gepushte“ Spielform des Hallenfußballs, bereits Einzug gehalten. In Bad Oeynhausen wurde am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal der Futsal-Stadtmeister ausgespielt – sehr zum Gefallen des extra angereisten Hermann Korfmacher. „Ich betrachte diese Stadtmeisterschaften als Pionierleistung im Verband“, lobte der Chef des westfälischen (FLVW) und westdeutschen Fußball-Verbandes (WFLV) die Macher in Bad Oeynhausen. Und einmal in Fahrt gekommen legte Futsal-Freund Korfmacher gleich nach: „Der normale Ball ist für das Feld gemacht, nicht für die Halle. Es ist komisch, dass wir da nicht früher drauf gekommen sind.“

Die Zukunft gehöre dem technisch anspruchsvolleren Spiel mit der kleinen „Pille“, meint Korfmacher und wünscht sich bald in jedem Kreis eine Futsal-Staffel. „Futsal wird kommen, da bin ich mir sicher.“

Das sieht man im Fußballkreis Lübbecke (noch) anders. Dort hat sich Kreisvorsitzender Karl-Heinz Eikenhorst gegen den „vom Verband wieder einmal unzureichend kommunizierten Schnellschuss“ positioniert. In den Sporthallen von Dielingen bis Tengern und Pr. Ströhen bis Börninghausen werde man – zumindest in dieser Saison – am „alten“ Hallenfußball festhalten. Doch was kommt danach?

Im Februar oder März will der FLVW seinen Vereinen einen Fragebogen schicken. So will der Verband herausfinden, wie die neuen Bestimmungen angekommen sind. Offenbar hat der DFB noch keine Pläne, die Futsal-Regeln bald auch bei privaten Turnieren verpflichtend einzuführen. „Im Moment sehe ich das noch nicht“, sagt FLVW-Vizepräsident Schnieders.

Was wächst, ist die Verunsicherung. Schwierig ist die Situation zum Beispiel für höherklassige Jugendmannschaften, die bei Turnieren in anderen Verbänden antreten – mit immer anderen Regeln. Oder für die Schiedsrichter, die geschult und mit den Regeln

Schwierige Situation

für Schiedsrichter

des Futsal (Vier-Sekunden-Regel, Einkicken statt Einrollen, kleine Handballtore, Grätschverbot) vertraut gemacht werden müssen. Ein Thema, das auch beim FreewayCup am 17. und 18. Januar in der Lübbecker Kreissporthalle auf den Tisch kommen wird, denn dort sind U16-Mannschaften aus ganz Deutschland zu Gast.

Der FLVW ist mit seinen Hallenturnier-Bestimmungen vorerst einen Kompromiss eingegangen. Er übernahm einige Details aus dem Futsal-Regelwerk, zum Beispiel das Grätschverbot. „Bisher hat jeder Verein nach seinen eigenen Regeln gespielt, das ist vor allem für die Schiedsrichter schwierig“, gibt FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders zu. Der Verband überlasse den Vereinen noch die Entscheidung, ob sie auch die Bälle oder die kleineren Handballtore aus dem Futsal nutzen wollen.

Im Fußballkreis Lübbecke hält man einen anderen Kompromiss für möglich. „Futsal und der bewährte Hallenfußball können parallel existieren. Beide haben ihre Berechtigung“, meint Dr. Oliver Vogt. In Lübbecke, betont er, werde man sich „nicht alles bieten lassen, was von oben kommt und ohne Dialog der Basis vorgeschrieben wird“. Lübbecke habe ein „Selbstbestimmungsrecht“, sagt Vogt und findet nachdenklich machende Worte: „Man muss aufpassen, dass man nicht ohne Not etwas Gewachsenes kaputt macht.“

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