Nach dem Bezirksliga-Abstieg: Union Varls Trainer Philipp Knappmeyer im Interview

„Dann bröselt der Keks“

Philipp Knappmeyer blickt zurück auf eine verkorkste erste Saison als Trainer beim Jetzt-Ex-Bezirksligisten Union Varl. - Foto: Pollex

Varl - Nach vier Jahren in der Fußball-Bezirksliga muss die Spvgg Union Varl als Tabellenvorletzter absteigen. Für Trainer Philipp Knappmeyer war seine erste Saison in Varl eine verkorkste. Im Saisonabschluss-Interview mit Redakteur Maik Hanke sucht er Gründe für den Abstieg und erklärt, wie es weitergehen soll.

Philipp Knappmeyer, Ihre erste Saison als Trainer bei Union Varl ist mit dem Abstieg aus der Bezirksliga geendet. Welche Überschrift würden Sie dem Jahr geben?

Philipp Knappmeyer: Engagiert erfolglos, würde ich sagen.

Warum?

Knappmeyer: Die Worte sprechen für sich. Wenn wir aufs nackte Resultat gucken, ist kein Erfolg vorzuweisen, wenn man abgestiegen ist. Ich habe versucht, das maximale Engagement in diese Aufgabe zu legen, aber letztlich steht am Ende trotzdem der Abstieg.

Varl hat ligaweit die meisten Gegentore bekommen (106), die wenigsten geschossen (33) und stand relativ früh als Absteiger fest. Was sagen Ihnen die Zahlen?

Knappmeyer: Die Zahlen sagen, dass der Abstieg verdient ist. Das kann man nicht anders sagen und das sehe ich auch so. Wir waren in vielen Spielen defensiv absolut nicht stabil und haben auch offensiv viel zu wenig Durchschlagskraft kreiert. Daraus ergibt sich der Abstieg. Aber es hat natürlich Gründe.

Welche sind das?

Knappmeyer: Unfassbar viele, wenn ich ehrlich bin. Ich glaube, ein erster Faktor ist, dass so ein Gewöhnungsprozess an einen neuen Trainer mit einem neuen Stil, neuen Gedanken und einer neuen Spielphilosophie vielleicht doch länger dauert, als man denkt. Man denkt als Trainer, man hat in der Vorbereitungszeit viele Einheiten und Testspiele, um Dinge zu entwickeln. Aber es hat sehr lange gedauert, bis überhaupt ein Umdenken passiert ist in der Mannschaft.

Woran liegt das?

Knappmeyer: Der Unterschied zwischen Varl und vielen anderen Vereinen ist ja, dass es im Kader fast keine Bewegung gibt. Wenn man auf Quernheim, Bruchmühlen oder Holsen guckt, ist da ein Trainerwechsel nicht so eine Sensation, weil auch der Kader komplett neu ist. Und in Varl ist es so, es sind die gleichen Menschen auf einmal mit einem anderen Trainer. Es ist nicht so, dass sich beide Wellen parallel bewegen. Der Kern der Spieler in Varl bleibt bestehen. Das führte auch zu Komponenten, die ich gerne vermieden hätte.

Und zwar?

Knappmeyer: Es gab nie ein Wochenende, an dem ich das Gefühl hatte, ich müsste harte Personalentscheidungen fällen. Ich will die aber ja eigentlich fällen. Aber ständig stellt sich die Mannschaft selber auf, und wir müssen schauen, dass wir überhaupt einen stabilen Kader zusammenkriegen. Die Jungs wissen auch – die sind ja nicht dösig –, wenn sie keine Konkurrenz auf ihrer Position haben. Wir waren in der Kaderbreite dieses Jahr nicht ausreichend aufgestellt. Das muss man ganz klar so sagen. Es gibt ja auch Spieler, die eigentlich zum Kader gehören – nehmen wir mal Rosengarten, Wegehöft, Niestrath, Basti Lange –, aber effektiv nie da sind. Dann bröselt der Keks.

Hätte man den Abstieg mit einem breiteren Kader verhindern können?

Knappmeyer: Ich glaube, es hätte die Chancen erhöht, den Abstieg zu verhindern, ja. Aber ob er verhindert worden wäre, ist jetzt hypothetisch. Ich glaube auch, sich schneller aneinander zu gewöhnen, mehr Konkurrenz, mehr Kaderbreite, dadurch hätte sich mehr Fitness ergeben. Das ist auch eine Komponente, die fand ich extrem schwer dieses Jahr. Du überlegst ja von der Trainingssteuerung her: Wie hoch schraubst du die Belastung? Du weißt, du müsstest die Belastung eigentlich höher fahren, weißt aber auch, wenn du richtig in den roten Bereich gehst, dann kann es sein, dass da zwei, drei Jungs bei sind, bei denen es der Körper merkt. Wenn du aber noch mehr Verletzte kreierst, dann hast du noch mehr Sorgen. Dann bist du in einer ziemlich krassen Spirale.

Die Kaderbreite ist das eine, die Qualität das andere. Sie haben immer viel über Spielphilosophien und -systeme gesprochen. Waren die Spieler dafür teilweise vielleicht einfach nicht gut genug?

Knappmeyer: Glaube ich überhaupt nicht. Das, was ich den Jungs anbiete, sind ja Optionen. Die Entscheidungen müssen sie selber fällen, sie stehen ja auf dem Sportplatz. Ich kann nur versuchen, die Optionen zu erhöhen. Nicht alles zu können, ist klar. Aber mehr als eine Lösung zu haben, finde ich schon sinnvoll, und dabei bleibe ich auch. Mit den Jungs habe ich daran gearbeitet. Aber wir sind natürlich an Grenzen bei der Umsetzung gestoßen. Es ist nicht so, dass ich nicht mit den Jungs gesprochen hätte: Woran liegt’s? Ich bin da natürlich komplett offen. In der Rückrunde hat die Mannschaft mitentschieden, zu sagen: Wir wollen zwar unterschiedliche Ideen spielen, aber nur ein einziges System. Dann haben wir das so gemacht.

Was haben Sie über sich und Ihre Arbeit gelernt? Schließlich hielt eine ähnliche Mannschaft dreimal die Bezirksliga, dann kommt ein neuer Trainer und die Mannschaft steigt ab.

Knappmeyer: Ich finde nicht, dass wir eine ähnliche Mannschaft auf dem Platz hatten. Das Stammspielervolumen Helmich, Niestrath, Basti Lange, Steffen Wegehöft, Marcel Rosengarten, das sind Komponenten, die wir nicht wirklich auffangen konnten. Bei meiner Arbeit orientiere ich mich an Ergebnissen. Die waren nicht gut. Trotzdem glaube ich, dass das, was wir dieses Jahr erarbeitet haben, nicht umsonst ist. Es wäre ja kein Problem, wenn alles am Trainer festgemacht wird, dann kann mir der Verein das auch sagen. Aber ich habe nicht auch nur ein einziges Mal eine Silbe gehört: „Trainer, es liegt an dir.“ Von daher glaube ich, ich gucke selber am kritischsten auf mich.

Haben Sie mal daran gedacht, hinzuschmeißen?

Knappmeyer: Nein, nie. Ich habe natürlich auch Sonntage gehabt, wo ich nicht mehr gesprochen habe, wenn ich nach Hause gekommen bin. Aber ich bin immer ganz gut darin, mir den Montag zu nehmen, mich zu ärgern, aber gegen Montagabend und Dienstagmorgen kann ich mich wieder sehr gut sammeln. Ich behalte meinen Ärger meist bei mir.

Wie geht es jetzt weiter?

Philipp Knappmeyer stand bei Personalmangel auch selbst als Spielertrainer auf dem Feld. - Foto: Hanke

Knappmeyer: Am Dienstag sind wir nochmal zusammengekommen zu einer lockeren Trainingseinheit, und ich hab‘ ein bisschen was zur Saison und zur Perspektive gesagt. Wir sind ganz froh, dass wegen der Europameisterschaft die Pause dieses Jahr ein bisschen länger ist. Die braucht man auch, um etwas aufzutanken. Ich glaube auch, nach diesen vier, fünf unfassbar tollen Jahren für Union Varl muss die Kunst jetzt darin liegen, dass wir es schaffen, nächstes Jahr nicht in der Vergangenheit zu leben. Für alle stellt sich die Frage: Wie etabliere ich meinen Verein? Und ich glaube, die Antwort sollte nicht lauten: irgendwo in unteren Gefilden. Ich glaube, dass sich schon der Ehrgeiz entwickeln kann, dass wir nächstes Jahr eine ansprechende Rolle spielen können.

Sollte der direkte Wiederaufstieg das Ziel sein?

Knappmeyer: Glaube ich nicht. Das Ziel lege ich aber nicht alleine fest, sondern mit den Jungs. Ich glaube, jeder kann reflektieren, dass ein sofortiger Wiederaufstieg vielleicht ein Ziel ist, das einen Tick zu hoch ist.

Was wird personell passieren? Mit Zugängen, Abgängen und den Spielern mit den Fragezeichen der Vorsaison?

Knappmeyer: Bei den Fragezeichen-Spielern ist es so, dass bei fast allen ein Fragezeichen bleibt. Mario Niestrath hat eine hohe berufliche Belastung, hat sich aber dafür entschieden, nochmal ein Jahr dabei zu sein. Das ist extrem wichtig für uns, weil er ein super Typ ist. Bei Marcel Rosengarten stellt sich die Frage, wie sein Studium fortgesetzt wird. Da wünschen wir uns, dass es ein Studienort bei uns in der Gegend wird. Abgänge haben wir in dem Sinne sonst keine.

Und Zugänge?

Knappmeyer: Es ist nicht so, dass ich sagen könnte, es gibt einen fixen Neuzugang. Aber auch wir führen unsere Gespräche, und das sind gar nicht so wenige im Moment. Wir würden uns schon wünschen, dass der Kader über ein, zwei, drei Personen erweitert wird, weil wir glauben, dass das zusätzliches Leben reinspült und die Konkurrenz ein bisschen verschärft. Das ist immer gut.

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