ADVENTSKALENDER Wetschens Fußballer lieben ihre selbst ausstaffierte Kabine

Zwischen Taktiktafel und Discokugel

Willkommen im zweiten Wohnzimmer der Wetscher Landesliga-Fußballer! Phil Schwierking als Initiator des liebevollen Umbaus (l.) und Trainer Oliver Marcordes (hinten) laden zur Führung durch die Erstherren-Kabine ein.
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Willkommen im zweiten Wohnzimmer der Wetscher Landesliga-Fußballer! Phil Schwierking als Initiator des liebevollen Umbaus (l.) und Trainer Oliver Marcordes (hinten) laden zur Führung durch die Erstherren-Kabine ein.

Wetschen – Blaue Klinke, gelber Rahmen: Die Vereinsfarben finden sich schon an der Tür von „Kabine 4“ wieder. Das Schild „1. Herren TSV Wetschen“ zeigt klar, dass Gastmannschaften hier nichts zu suchen haben. Nicht mehr. „Irgendwann dachte ich mir, warum wir immer in der engsten, kleinsten Kabine sitzen sollten – und unsere Gegner in der größten. So einen Komfort hatten wir in unseren Auswärtsspielen auch nicht“, erinnert sich Phil Schwierking, seit nun schon fast fünf Jahren Verteidiger des heutigen Fußball-Landesligisten. Also zog die Mannschaft um, weil Schwierking sie mitzog. Wetschens Mann für alle Fälle, auch als Grün-Experte des stets top-gepflegten Hauptplatzes bis hinter Hannovers Grenzen bekannt, beließ es nämlich nicht beim bloßen Ortswechsel, sondern krempelte mit seinen Teamkollegen in dem recht schmalen, aber ziemlich langen Raum mächtig die Ärmel hoch.

„Gekostet hat das eigentlich nicht viel – verteilt auf jeden Einzelnen hielt sich das im Rahmen“, erinnert sich der Initiator.

Typisch Schwierking: einfach machen, dem Club aber nicht auf der Tasche liegen. „Das lief über die Mannschaftskasse, weil wir es so beschlossen hatten – ein Zusatz, mit dem wir den Verein nicht belasten wollten.“ Decke und Wände oberhalb der großformatigen weißen Fliesen strichen sie pechschwarz an, „das habe ich mal in der Kabine vom FC St. Pauli gesehen“, erinnert sich der Marketing-Mitarbeiter eines Lebensmittelherstellers. Es folgte ein Großeinkauf bei einem schwedischen Möbel-Giganten. Abschließbare Schränke – für jeden einen – säumen seitdem die längsseitigen Wände, abwechselnd in gelb und weiß gehalten. „Die Farben gab es schon von Ikea, aber wir haben trotzdem noch einiges modifiziert“, berichtet der 25-Jährige. So prangen jetzt Bilderrahmen an jeder Front – versehen mit einer cool gestalteten Collage aus Porträtfoto, Name und Rückennummer jedes Spielers. Durch die komplette Mitte des Raums zieht sich ein halbhoher Schrank mit glatter Fläche und ausreichend Fächern darunter. Bundesliga-reif!

Trainer Marcordes: „Hätte ich früher auch gern gehabt“

Auch Trainer Oliver Marcordes und sein Funktionsteam haben einen eigenen Platz samt Schränkchen mit Foto darüber. „So eine Kabine hätte ich als Spieler auch gern gehabt – vom Feinsten“, schwärmt der B-Lizenz-Inhaber. Er sitzt ganz vorn auf der langen Bank zu Beginn der Stirnseite, die das Taktik-Board fast komplett ausfüllt – mit seinen ausklappbaren Türen wie bei einem Altarschrein. Nur ein paar ältere Mannschaftsbilder passten noch daneben. Unter der Tafel mit dem geistigen Input über Schema und Gegner greift Marcordes ins Fach der „Nervennahrung“: Die mit Müsliriegeln prall gefüllte Schublade. „Außer denen und Wasser brauchen wir an Spieltagen eigentlich nicht viel“, verrät Schwierking zwei Zutaten des Gesamtrezepts, das die Wetscher jetzt in die Aufstiegsrunde zur Oberliga getragen hat. Nach dem Abpfiff steigen die Kicker jedoch gern schon mal um. „Hütchen oder Leibchen haben hier schon mal gefehlt, aber Bier noch nie“, stellt er grinsend klar. Zusätzlich kommt dann der wuchtige Würfel der mobilen Musikanlage zum Einsatz, „und manchmal holt einer seine Discokugel raus – dann drehen wir das Licht ab“, erzählt der Abwehrrecke. Gut eine Stunde kann so eine Kabinenparty dauern, ehe sich das Team in den vorderen Teil des Gebäudes bewegt, um Vereinswirt Marco Hegerfeld zu unterstützen. Doch auch nach den Übungseinheiten „hocken wir hier oft noch länger und quatschen – an solchen Abenden passiert sonst ja eh nicht mehr viel.“

Als alles begann: Die Wetscher Fußballer renovierten ihre Umkleide während einer Sommerpause selbst.

Das geschaffene Flair in diesem Raum hat seinen Zweck also erfüllt – in mehrfacher Hinsicht. „Ich hoffe, dass das für jeden noch einen oder zwei Prozentpunkte mehr auf dem Platz bringt, wenn man sich im Verein wohlfühlt.“ Sein Chef Marcordes nutzt dieses Ambiente sogar als Werbefaktor in Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen: „Bevor Christoph Hainke zu uns kam, habe ich mich hier mit ihm getroffen. Was meinst du, was der für Augen gemacht hat?“ Sicher sagte er dem TSV nicht nur deshalb zu, aber jetzt hat er eben seinen Spind inmitten der blau-gelben Reihen.

Platz für alles, „was man sonst gern mal vergisst“: Phil Schwierking hat in seinem Spind Ersatzhandtuch, -Unterhose und Parfum gelagert. Einer seiner Garderobenhaken ist für den Flaschenöffner reserviert – „damit Sören Sandmann und ich nicht immer so weit nach vorn laufen müssen“.

Die Sitzordnung spiegelt in etwa die Dienstzeit beim TSV wider. „Wir sind zwar ein eingeschworener Haufen, aber ein bisschen geht es hier schon nach Hierarchie“, sagt Schwierking, während er zu seinem Platz geht. Der befindet sich ziemlich weit hinten, „denn da vorn, bei den Trainern, ist die Stimmung ja nicht die beste“, feixt er mit Blick zu Marcordes. Der schaut auf die langen Garderoben-Leisten zwischen Bank- und Schrankreihe und kontert postwendend: „Wäre schön, wenn wir Trainer auch mal irgendwann einen Kleiderhaken bekommen.“

Als ich aus dem Urlaub kam, habe ich mich echt wieder auf die Kabine gefreut.

Wetschens Verteidiger Phil Schwierking

Doch daraus wird so bald nichts. Als nächste Investition schwebt Schwierking nämlich ein Beamer vor: „So etwas ist ja nie verschwendet. Fast alle Landesliga-Spiele werden per Live-Stream übertragen, da könnten wir uns dann hier die nächsten Gegner ansehen.“

Und wenn er mal im Lotto gewinnt, „baue ich an diese Kabine an“, sagt Wetschens „Macher“. Bei seinem ernsten Gesichtsausdruck nimmt man ihm das ab. „Dann hätten wir Platz für die Liegen unserer Physios.“ Marcordes findet die Idee nicht schlecht: „Bei dem, was Du als treibende Kraft im Verein so machst, wundert mich eigentlich, dass Du Dir hier noch kein Bett hingestellt hast . . .“

Von Cord Krüger

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