Nach Herzstillstand dank Defibrillator gerettet

Uwe Bruschke: Ein zweiter Geburtstag auf dem Heiligenfelder Sportplatz

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Uwe Bruschke (l.) überlebte einen schweren Herzinfarkt – während des Fußballspiels mit seinen Asendorfer Ü 50-Fußballern bei der SG Heiligenfelde. Heiligenfeldes Horst Hickmann (r.), damals einer der Ersthelfer, zeigte ihm im Dorfgemeinschaftshaus den Defibrillator, der das Leben des 55-Jährigen rettete. „Drei Jahre hing das Ding hier herum, aber es hat sich gelohnt“, unterstrich Hickmann.

Heiligenfelde - Von Cord Krüger. Er weiß nicht mehr, wie es passierte. „Der Tag fehlt mir komplett. Sogar die Fahrt hierher“, gesteht Uwe Bruschke. „Ich selbst könnte nicht mal sagen, ob ich zu dieser Zeit auf dem Platz stand oder auf der Bank saß.“

Doch er hat sich die dramatischsten Momente seines Lebens an jenem 24. September von seinen Fußballkollegen des TSV Asendorf erzählen lassen. Die Minuten auf dem Rasen des SV Heiligenfelde, in denen sein Herz nicht mehr schlug und die Ü 50-Kicker beider Mannschaften um sein Leben rangen. 

„Das lief Hand in Hand“, erinnert sich Heiligenfeldes Horst Hickmann, der damals den Notruf wählte. Das danach abgebrochene Spiel ist zwar bisher nicht wiederholt worden, „aber gewonnen haben sowieso schon alle“, verdeutlicht Hickmann nun, drei Monate nach Bruschkes Rettung.

Und er schüttelt fassungslos den Kopf, als er den von seinem Herzinfarkt genesenen Gast an diesem regnerischen Dezembertag im Heiligenfelder Dorfgemeinschaftshaus so sieht: „Mensch, Uwe, schön, dass du alles überstanden hast.“ Auch der 55-Jährige weiß, dass er großes Glück hatte. „Die Ärzte sagten mir, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – mit guten Ersthelfern, einer kurzen Entfernung zum nächsten Spezialkrankenhaus und einem Defibrillator.“

Großer Dank an Helfer

Ohne diesen Strom-Schockgeber aus dem SVH-Kabinengang hätte Uwe Bruschke wohl nicht überlebt, erfuhr er von seinen Medizinern und Mitspielern. Jetzt will er seinen Helfern danken. „Und Werbung machen“, wie er sagt: „Man muss den Menschen vor Augen halten, dass sie in einer solchen Situation nichts falsch machen können. Denn ich war ja schon tot. Und jeder Verein sollte sich überlegen, sich einen solchen Defibrillator anzuschaffen.“

An jenem Vormittag vor morgen genau drei Monaten war zunächst alles wie immer bei Asendorfer Auswärtsspielen: anreisen, umziehen, aufwärmen, Anpfiff. Bei einem Konter lief Uwe Bruschke mit nach vorn. „Auf einmal bist du umgefallen wie eine Eiche“, weiß Hickmann von Augenzeugen. Der engagierte SVH-Ehrenamtliche hatte diesmal nicht mitgespielt, weil er im Büro des Clubs noch viel zu tun hatte.

„Man kann gar nichts verkehrt machen“

„Plötzlich kam jemand rein und schrie: „Ruf den Krankenwagen. Hier stirbt einer!“ Hickmann erinnert sich ungern ans Telefonat mit der Leitstelle. „Ich wurde gefragt, ob der Mann bei Bewusstsein ist oder wenigstens noch atmet. Beide Male musste ich mit ,Nein‘ antworten.“ 

Doch dann kam der transportable Defibrillator aus dem Flur ins Spiel. „Das Gerät ist selbsterklärend, man kann gar nichts verkehrt machen“, schildert Hickmann. Keine fünf Minuten nach Bruschkes Zusammenbruch, den ersten Herzmassagen und Mund-zu-Mund-Beatmungen löste das System zum ersten Mal aus, kurz darauf kam der Rettungswagen.

So deutlich wie hier im SVH-Büro hatte Bruschke die Situation vorher nie geschildert bekommen. „Ohne euch säße ich jetzt nicht hier“, weiß der Vater von fünf Kindern. „Als ich eben den Platz sah, habe ich nichts Besonderes gefühlt. Aber jetzt ist das sehr emotional für mich.“

Das Gerät ist selbsterklärend.

Stück für Stück setzt sich also das Puzzle der Ereignisse zusammen. Von seiner Familie weiß der Wietzer das Wesentliche der drei darauf folgenden Tage im Bremer Klinikum „Links der Weser“. So lange hatten ihn die Ärzte nach der Operation und dem Setzen von vier Stands ins Koma versetzt, „um meine anderen Organe nicht zu schädigen“, erläutert der kaufmännische Angestellte. 

„In dieser Zeit wusste niemand, ob ich bleibende Schäden davontragen würde.“ Seine Frau Diana und die Kinder müssen die Hölle durchlitten haben, ahnt der 55-Jährige: „Für die Angehörigen war es am schlimmsten. Ich bin ja nur irgendwann aufgewacht und dachte: ,Was träumst du hier für einen Blödsinn?‘“ Die anschließenden Ausführungen der Ärzte konnte er ebenfalls kaum glauben. „Ich war mir sicher, das die Krankenakten vertauscht waren.“

Infarkt hinterlässt psychische Spuren

Nach und nach realisierte der 55-Jährige jedoch alles. Bis zu Beginn der Reha in Bad Fallingbostel bestimmte die Angst sein Handeln, der Infarkt hatte psychische Spuren hinterlassen. „Ich traute mich nicht, den einen Kilometer von der Klinik in den Ort zu spazieren.“ Doch Gespräche mit anderen Patienten und Experten in der Reha halfen ihm zurück. „Heute kann sich sagen, dass ich es auch vom Kopf her hinter mir gelassen habe.“ Inzwischen arbeitet Bruschke wieder. Und nach der Winterpause will der Vollblut-Fußballer wieder „seine“ G-Jugend vom TSV Wietzen trainieren. 

„Die Ärzte sagen, ich kann tun und lassen, was ich will. Im Endeffekt ist alles wie aus dem Bilderbuch verlaufen“, fasst er das Urteil seines Kardiologen zusammen: „Die Pumpleistung des Herzens ist nicht beeinträchtigt, es gab keine Vernarbungen.“ Gut möglich also, dass der 55-Jährige mit seinen Oldies bald wieder gegen den Ball tritt. 

Im Nachholspiel beim SV Heiligenfelde will er auf jeden Fall dabei sein – mindestens als Zuschauer. Hickmann und seine Heiligenfelder Kollegen planen, die Asendorfer hinterher im Vereinsheim zum Essen einzuladen. „Denn seit diesem Tag verbindet beide Mannschaften ja einiges“, sagt der Helfer. Und Uwe Bruschke weiß, „dass ich seitdem zweimal Geburtstag feiern darf“.

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