Außergewöhnliche Quotenänderungen

Zockerei in Bremen-Liga? Verband sagt Spiel ab

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Der Fußball ist eine Gelddruck-Maschine. Allerdings auch für Betrüger. In der Bremen-Liga wurde jetzt die Partie zwischen OT Bremen und dem FC Union 60 wegen des Verdachts auf Spielmanipulation abgesetzt.

Bremen - Von Daniel Wiechert. Sturm Xaver hat eventuell einigen Betrügern die Laune verhagelt. Es geht um die Begegnung zwischen OT Bremen und dem FC Union 60 in der Fußball-Bremen-Liga. Wegen des Sturmtiefs fiel sie am vergangenen Sonnabend ins Wasser, sollte heute nachgeholt werden.

Doch eine E-Mail des Deutschen Fußball Bundes (DFB) verhinderte dies: Bereits vor der wetterbedingten Absage hatte es Unregelmäßigkeiten bei Wettquoten gegeben. Doch der Verdacht drang erst am Montag zum Bremer Fußball Verband (BFV) durch, der deshalb jetzt mit einer zweiten Absage reagierte.

Sportradar hatte als erstes Lunte gerochen. Die Münchner Firma fungiert als Dienstleister des DFB, untersucht Auffälligkeiten wie starke Quotenänderungen auf dem Sport-Wetten-Markt. Sportradar fiel auf, dass im Vorfeld der Begegnung außergewöhnlich viele Wetten auf Sieg von OT Bremen abgegeben worden waren, obwohl dieser zehn Punkte weniger als der Gegner FC Union aufweist. Wollte jemand an der Partie drehen? Gibt es bestechliche Fußballer? „Ich kann nicht sagen, woher diese versuchte Manipulation kommt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand von OT-Seite so vermessen ist, auf einen Sieg zu wetten, wo sie doch sportlich der krasse Außenseiter sind“, spekuliert Heinz Günter Schmidt, Vorsitzender des Verbandsausschusses beim BFV. Also Union unter Verdacht? „Wir befinden uns mitten in der Untersuchung“, so Schmidt.

Der Umfang der Quotenänderungen sei aber derart ungewöhnlich gewesen, dass ein Manipulationsverdacht naheliegt. Deshalb informierte Sportradar den DFB, der am Montag den BFV in Kenntnis setzte. „Wir nehmen das Thema ernst“, sagt Schmidt: „Die Rechtslage ist eindeutig. Niemand darf auf die Spiele seines Vereins oder seiner Spielklasse wetten.“

Das Verbot ist klar definiert, aber die Hürden es zu umgehen, sind nicht der Rede wert. „Wer will das denn verhindern, wenn ich wetten will?“, fragt Prof. Dr. Gerhard Meyer von der Bremer Universität. „Ich kann ja auch jemand anderes für mich die Tippzettel ausfüllen lassen“, erklärt Meyer, der eine Studie über Sport-Spielsucht leitete.

Wetten auf die Bremen-Liga sind frei zugänglich, so bietet etwa der Anbieter „tipico“ auch im Internet Quoten für Spiele aus Bremens höchster Fußball-Liga an. „Dadurch sind doch Tür und Angel für Betrüger geöffnet“, echauffiert sich Frank Kunzendorf. Er ist Teammanager beim Brinkumer SV und damit direkter Konkurrent der Mannschaften von OT Bremen und FC Union. „Ich verstehe generell nicht, dass es möglich ist, auf solche Spiele Wetten abschließen zu können. Das gehört verboten“, so Kunzendorf. Gegen ein Wett-Stopp in den Amateurligen hätte auch Schmidt nichts einzuwenden: „Dann hätten wir eine Sorge weniger.“

Doch das Problem der Manipulationen scheint akut. Wie auch Kunzendorf bestätigt, wird schon seit Monaten gemunkelt, dass in der Bremen-Liga nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Bisher war es nicht mehr als ein Grummeln im Hintergrund. Gut möglich, dass sich das jetzt durch die neuesten Vorfälle ändert.

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