Die Gründe für seinen Wechsel in die Heimat

Interview mit Bastian Steger: „Zeit für etwas ganz Neues“

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Ein letztes Ziel hat Bastian Steger mit dem SV Werder Bremen noch: „Ich möchte mich unbedingt mit einem Sieg verabschieden.“

Bremen - Von Carsten Drösemeyer. Wenn Bastian Steger morgen beim Auswärtsspiel in Grenzau für Tischtennis-Bundesligist SV Werder Bremen an den Tisch gehen wird, dann heißt es Abschied zu nehmen. Denn: Zur neuen Saison wechselt der 37-Jährige nach fünf erfolgreichen Jahren beim SVW in seine bayrische Heimat zum Ligakonkurrenten TSV Bad Königshofen. Grund genug, mit dem deutschen Nationalspieler über seine Zeit im kühlen Norden zu plaudern und Bilanz zu ziehen.

Herr Steger, nach Ihrem zweiten Einzel am letzten Sonntag gegen Borussia Düsseldorf erhoben sich alle 800 Zuschauer und verabschiedeten Sie mit stehenden Ovationen. Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Eine ganze Menge. Ich habe ins Publikum geschaut und mich an die vielen schönen Momente erinnert. Es war viel Wehmut dabei.

Weil Ihnen da erst bewusst geworden ist, dass es Ihr letztes Heimspiel für Werder war?

Genau. Das schoss mir durch den Kopf, und als emotionaler Mensch musste ich auch einige Tränen verdrücken. Aber besser den Fans tut es leid, dass ich gehe, bevor der alte Sack von ihnen vom Hof gejagt wird (lacht).

Jetzt kokettieren Sie aber mit Ihrem Alter. Bei Werder gibt es sogar einen Ausnahmesportler, der über zwei Jahre älter ist als Sie.

Okay (schmunzelt), aber Claudio Pizarro ist auch ein Phänomen. Er sieht nicht aus wie 40.

Sie ja auch nicht wie fast 38 Jahre alt.

Danke, das tut gut (lacht). Mit dem Rollstuhl muss ich zum Glück auch noch nicht an den Tisch. Aber im Ernst, als älterer Spieler muss man sich mehr beweisen. Einem Youngster wird viel verziehen. Bei einem über 30-Jährigen heißt es schnell, der bringt es nicht mehr.

Warum tun Sie sich dann den ganzen Stress noch an? In Ihrer Vita stehen Olympia und Weltmeisterschafts-Medaillen mit Deutschland, Einzel-Bronze und Mannschafts-Gold bei Europameisterschaften, dazu waren Sie noch zweimal deutscher Einzelmeister. Was treibt Sie denn überhaupt noch an?

Die Liebe zum Spiel. Außerdem ist es mir immer noch eine Ehre, für Deutschland antreten zu dürfen. Solange mich der Bundestrainer beruft, bin ich gerne dabei. Aber ich gebe zu, mit zunehmenden Alter braucht man häufiger neue Herausforderungen, um sich zu pushen und das Niveau zu halten.

Sicherlich auch ein Grund für Ihren Wechsel nach Bad Königshofen. Brauchten Sie einfach noch einmal einen neuen Kick?

Das war ganz entscheidend. Ich fühlte mich ja in Bremen super wohl. Aber ich habe gemerkt, dass es Zeit für etwas ganz Neues ist, um aus meiner Wohlfühlzone herauszukommen. Außerdem ist es für mich auch etwas Besonderes, in meine bayrische Heimat zurückzukehren. Das Gesamtpaket gab am Ende den Ausschlag.

Also weg von den reservierten Norddeutschen und hin zu den offeneren Bayern?

Um Gottes Willen (lacht laut). Ihr Norddeutschen seid doch gar nicht so steif. Ich habe mich hier immer sehr gut aufgehoben gefühlt.

Weil Sie ein kontaktfreudiger Mensch sind?

Das bin ich tatsächlich. Ich muss mich im Team und im Umfeld wohl fühlen. Nur dann klappt es bei mir mit Höchstleistungen. Aber in Bremen hat es von Anfang an super gepasst.

Obwohl Sie als Nachfolger des Taiwanesen Chi-Yuan Chuang in extrem große Fußstapfen treten mussten. War Ihnen zuerst etwas mulmig dabei?

Ein großer Moment: Zusammen mit Timo Boll (li.) und Dimitri Owtscharow (Mitte) holte sich Bastian Steger Team-Bronze bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Mulmig ist das falsche Wort. Aber Chuang hatte als Top-Ten-Spieler natürlich Spuren hinterlassen und war gerade Deutscher Meister mit Werder geworden. Ich wusste also um die riesige Erwartungshaltung.

Wie fällt denn Ihr Fazit nach fünf Jahren in Bremen aus? Hat sich der Wechsel von Saarbrücken zum SVW gelohnt?

Auf alle Fälle. Es war eine super Zeit, an die ich immer gerne zurückdenken werde.

Gibt es dabei auch ganz besondere Highlights?

Sportlich stechen für mich zwei Ereignisse hervor. 2016 sind wir bis ins Finale des ETTU-Cups gestürmt und nur knapp an Weinviertel Niederösterreich gescheitert. Das Erreichen eines europäischen Endspiels war sicherlich für den ganzen Verein etwas Besonderes.

Und was war der zweite sportliche Höhepunkt?

Eindeutig das deutsche Pokalfinale in diesem Jahr gegen Ochsenhausen. Obwohl es in der Bundesliga absolut nicht nach Plan lief, haben wir im Pokal richtig stark gespielt und hätten ja fast sogar den Spitzenreiter gestürzt. Aber Vize-Pokalsieger klingt ja auch nicht so schlecht.

Was bleibt außer den sportlichen Erfolgen noch? Sind in den fünf Bremer Jahren auch Freundschaften entstanden, die Sie weiter pflegen werden?

Natürlich. Ich habe hier ja viele tolle Menschen kennen und schätzen gelernt. Allen voran meinen Trainer Cristian Tamas. Mit ihm ist es mehr als nur eine sportliche Zusammenarbeit geworden. Mittlerweile sind wir Freunde und werden ganz bestimmt weiter Kontakt halten.

Morgen endet dann das Kapitel SV Werder Bremen. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Es gibt ein lachendes und weinendes Auge. Auf der einen Seite fällt mir der Abschied sehr schwer, aber andererseits kribbelt es auch schon wegen der neuen, spannenden Herausforderung.

Haben Sie denn noch ein letztes Ziel mit Werder?

Klar. Ich möchte mich unbedingt mit einem Sieg verabschieden. Dafür werde ich noch einmal alles geben.

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