Rehdens Vereinsboss Friedrich Schilling über Aufstieg, Aussichten und den Wunsch nach Identifikation

„Wir wollen Fußball für die Region“

Rehdens Präsident Friedrich Schilling muss eine Menge Vorbereitungen treffen. ·
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Rehdens Präsident Friedrich Schilling muss eine Menge Vorbereitungen treffen. ·

Kreis-Diepholz - Von Arne FlüggeREHDEN · Keine Frage: Spätestens seit dem Aufstieg in die Regionalliga sind die Fußballer des BSV Rehden das sportliche Aushängeschild im Landkreis Diepholz. Im Interview spricht Vereinspräsident Friedrich Schilling über die abgelaufene Saison, die Trainersuche, die Kaderplanung für die vierte Liga und die nötige Geduld, um neue Spieler zu bekommen. Sein wichtigstes Anliegen aber ist, einen Identifikationsprozess weit über die Rehdener Ortsgrenzen hinaus zu schaffen. „Wir wollen nicht nur Fußball für Rehden, wir wollen Fußball für die Region spielen“, sagt der 60-Jährige.

Herr Schilling, vor Jahren haben Sie mal erklärt, Sie träumen vom Regionalliga-Fußball in Rehden. Jetzt ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Sind Sie stolz?

Friedrich Schilling: Ich weiß nicht mehr, ob ich das so formuliert habe. Als wir noch in der Bezirksliga gespielt haben, Heini Tegge war damals Trainer, da habe ich gesagt: Irgendwann will ich den BSV Rehden mal im Videotext lesen. Das haben wir geschafft. Dass wir jetzt in die Regionalliga aufgestiegen sind, ist ein großer Erfolg, auf den wir natürlich auch ein wenig stolz sein können.

Haben Sie diesen Erfolg überhaupt schon richtig realisieren können?

Schilling: Im Moment habe ich das noch gar nicht so richtig registriert. Ich hatte noch keine Zeit zum Feiern, da wir schon jetzt mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison stecken. Aber es wird sicherlich mal ein ruhiges Stündchen kommen, in dem auch ich diesen Erfolg richtig auskosten kann. Wir wollen die letzten Spiele genießen und die tolle Saison mit guten Ergebnissen zuende bringen.

Das klingt recht nüchtern, wenig euphorisch.

Schilling: Natürlich freue ich mich. Aber ich habe fest damit gerechnet, dass wir es schaffen. Wir sind von fünf direkten Aufsteigern ausgegangen, dann waren es zwar plötzlich nur noch vier. Doch wir hatten einen super Kader für die Saison zusammengestellt, der absolut in der Lage war, den Aufstieg zu packen. Vielleicht bin ich deswegen nicht ganz so euphorisch.

Kommt Ihnen die Reform mit der neuen Regionalliga entgegen?

Schilling: Natürlich. Die alte Regionalliga hätten wir nicht gepackt. Die Anfahrtswege wären zu weit gewesen, die Kosten zu hoch. Ich denke, diese Regionalliga ist für uns machbar. Kiel wäre mit 280 Kilometern Entfernung die weiteste Strecke. Das sind alles Orte, die man ohne Übernachtung erreichen und dadurch viel Geld einsparen kann.

Trainer Jürgen Stoffregen hört am Ende der Saison auf. Inwieweit ist die Suche nach einem neuen Coach bereits vorangeschritten?

Schilling: Bei der Trainersuche stehen wir noch ganz am Anfang. Es gibt aber eine Liste möglicher Kandidaten, und ich gehe auch davon aus, dass in den nächsten Tagen einige Bewerbungen eingehen werden.

Wer bleibt aus der Mannschaft, wer geht?

Schilling: Wir arbeiten das der Reihe nach ab. In Manuel Meyer und Rene Damerow werden uns zwei wichtige Spieler verlassen. Christian Schiffbänker wird vermutlich aus beruflichen Gründen auch gehen, bei Florian Grewe gehe ich derzeit davon aus, dass wir ihn halten können. Für Sergej Dikhtiar und Timo Nowak kommt die Regionalliga nicht mehr in Frage. Wir wollen sie für die Zweite gewinnen. Die oberste Priorität haben jetzt die Gespräche mit den Spielern, auf die wir auch in der neuen Saison unbedingt setzen. Die Frage ist natürlich, ob wir alle halten können.

Und was ist mit den nötigen Neuzugängen?

Schilling: Wir werden uns natürlich bemühen, neue Spieler nach Rehden zu holen. Doch für uns ist das schwieriger als beispielsweise für Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Die müssen nur den besten Fußballer suchen. Wir müssen auch überlegen: Passt er in unser Konzept, passt er fußballerisch zu uns, können wir ihn beruflich einbinden. Denn eines ist klar: Wir sind auch künftig keine Profimannschaft.

Also wird es wieder ein Geduldsspiel?

Schilling: Ja, das ist doch jedes Jahr so. Wir dürfen den Kader nicht zu früh komplettieren. Wir wissen, dass im Sommer, vielleicht erst Ende August noch richtig gute Angebote ins Haus flattern können. Alle, die von einer noch höheren Liga geträumt haben und nicht untergekommen sind, werden kurz vor Transferschluss auf dem Markt sein. Und dann müssen wir noch Luft haben, den Kader zu ergänzen. Ob wir dann die Richtigen rausgepickt haben, dafür gibt es keine Garantie.

Ihr Finanzplan sieht vor, mehr Zuschauer ins Stadion an den Waldsportstätten zu locken. Der Besuch in dieser Saison war dürftig. Manchmal kamen weniger als 200 Fans. Wie wollen Sie das ändern?

Schilling: Einerseits sind die Mannschaften, die zu uns kommen doch unheimlich interessant. Werder II, HSV II, St. Pauli II oder Wolfsburg II – da spielen häufiger Mal Leute aus dem Profikader mit. Es wird richtig guter Fußball geboten. Und wir sind mittendrin. Das ist für die Zuschauer doch toll.

Auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass hier etwas zusammenwächst. Wir wollen versuchen, eine Euphorie zu entfachen. Regionalliga-Fußball im Landkreis Diepholz – wann hat es das schon mal gegeben? Wir wollen nicht nur Fußball für Rehden, wir wollen Fußball für die Region spielen, dies- und jenseits der Kreisgrenzen. Wir wollen versuchen zu begeistern, eine Identifikation zu schaffen, um die ganze Region Dümmer-Weserland auf unserer spannenden Reise durch die Regionalliga mitzunehmen.

Glauben Sie, das gelingt? In den letzten Jahren ist dem BSV Rehden auch aufgrund seiner Erfolge oftmals Missgunst und Missmut entgegengeschlagen.

Schilling: Ich glaube, dass es diesen Neidfaktor unter den Nachbarvereinen nicht mehr wirklich gibt. Zwischen unserer Mannschaft und den Nachbarvereinen gibt es doch keine Berührungspunkte. Im Gegenteil, sie können doch auch von uns profitieren, wenn ein Spieler aus der Ersten aufhört oder aus beruflichen Gründen kürzertreten will. Manuel Meyer ist doch das beste Beispiel. Der TuS Sulingen bekommt jetzt einen absoluten Topspieler von uns.

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