Im Interview

Rehden-Trainer Golombek: „Wir sind ein richtig geiler Haufen“

Rehdens Trainer Andreas Golombek fasst sich an die Nase.
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Sehr zufrieden in Rehden – aber Trainer Andreas Golombek möchte bald endlich wieder Fußball erleben.

Keine Spiele, kein Team-Training. Da hat Coach Andreas Golombek Zeit, mal in Ruhe über seinen Job beim BSV Rehden zu sprechen. Über die Corona-Zwangspause, die Fortsetzung, den Kader - und seine Anfangszeit beim Fußball-Regionalligisten.

  • Andreas Golombek sehnt sich nach der Rückkehr auf den Platz.
  • Regionalligist BSV Rehden will angreifen und die Großen ärgern.
  • Zwischenfazit und Kader? Der Trainer hat eine klare Meinung.

Rehden – Der Kontakt zu Mutter Karin ist seit jeher gut und eng. Andreas Golombek und sie wohnen in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) im selben Haus. Momentan hat der 52-Jährige sogar noch mehr Zeit, um mal runterzugehen – zum gemeinsamen Essen oder Pläuschchen. Der Coach des Fußball-Regionalligisten BSV Rehden muss die rund 80 Kilometer lange Strecke zu seinem sportlichen Arbeitsplatz nicht zurücklegen – wegen der Corona-Pandemie sind die letzten Spiele des Jahres abgesetzt worden. Auch das Team-Training fällt flach. Wie es nun in Rehden weitergeht, welches Modell zur Saisonfortsetzung sich der Ex-Profi wünscht und wie sein Zwischenfazit nach den ersten Monaten beim BSV ausfällt, verrät Golombek im Interview.

Kein Spielbetrieb in der Regionalliga Nord bis Jahresende. Wie haben Sie auf die Entscheidung des Norddeutschen Fußball-Verbands (NFV) reagiert?

Ich habe es mir gedacht, dass es so kommen wird. Die Infektionszahlen sind noch hoch, überall gibt es erhebliche Beschränkungen – es wäre ein totaler Widerspruch, wenn man uns dann spielen lassen würde. Das kann man nicht machen.

Auch Team-Training ist in Rehden weiterhin nicht möglich. Mussten Sie Ihre Pläne, die sicher ein stückweit auf einen Re-Start im Dezember ausgerichtet waren, nun schon wieder umschmeißen?

Nein, nicht allzu sehr. Unser Athletiktrainer Michele Lapenna hat vor einigen Wochen Laufpläne verteilt, die Jungs tragen Uhren, damit können wir die Einheiten nachvollziehen. Michele bietet nun weiterhin ein bis zwei Online-Einheiten pro Woche an. Da bin ich hin und wieder dabei, um die Jungs mal zu sehen. Aber nicht immer – ich möchte nicht, dass sie denken, wir kontrollieren sie ohne Ende. Die Mannschaft soll so fit bleiben wie möglich. Wir müssen da jetzt einfach durch, wie alle anderen auch.

Aber es nervt Sie zunehmend?

Online-Training ist wunderbar – aber wir sind Fußballer, wollen den Ball haben, auf dem Platz stehen, Zweikämpfe führen. Und es ist etwas anderes, ob ich normal trainiere oder Fitnessübungen mache oder laufe. Das habe ich am eigenen Leib gespürt.

Wann war das?

Ich war damals als Profi mal ein halbes Jahr lang arbeitslos, bin in dieser Zeit nur gelaufen und hatte dann ein Probetraining in Magdeburg. Nach einer halben Stunde war ich total platt. Es ist eben eine total andere Belastung.

Wie sehen Ihre Tage ohne Training und Spiele aus?

Ich gucke viel Fußball im Fernsehen. Auch mal 2. oder 3. Liga, da sind viele Kollegen, die ich kenne. Dann merke ich, wie sehr mir der Fußball fehlt. Außerdem habe ich mehr Zeit, zum Beispiel für Büroarbeit. Oder andere Sachen, die man sonst nicht schafft. Oder ich quatsche mit meiner Mutter über Fußball, sie ist auch fußballverrückt und kann es kaum erwarten, wieder ins Stadion zu gehen. Sie war auch schon ein paarmal in Rehden. Man spürt insgesamt, dass die Leute ausgehungert sind und wieder Fußball wollen.

Wie kommen die Spieler mit dem wochen-, aufs Jahr gesehen monatelangen Training ohne Ball klar?

Ich weiß, dass der eine oder andere zwischenzeitlich mal keinen Bock mehr hat. Die Spieler sind auch frustriert, das merke ich, wenn ich mit ihnen spreche oder ihnen schreibe. Sie fragen immer: Wann können wir endlich zurück auf den Platz? Aber es dauert eben noch. Ich sage ihnen: Ihr macht es für euch, für das Team, für den Verein. Zieht es durch!

Sollte die Qualifikations-Rückrunde gestrichen werden, worauf nahezu alles hindeutet, hätte Rehden den Klassenerhalt sicher und dürfte sich in der Meisterrunde beweisen. Was sagen Sie dazu?

Rehden ist ein Verein, der schon vor der Saison die Aufstiegsrunde im Sinn hatte. Wenn es tatsächlich so kommt, können wir stolz sein. Dann dürften sich die Spieler ein, zwei, drei Bier gönnen – Erfolge muss man auch mal auskosten. Aber wir würden uns in der Meisterrunde nicht zurücklehnen und Urlaub machen, sondern angreifen und mitmischen wollen. Wir haben nicht den Druck wie zum Beispiel Wolfsburg II, für uns ist es ein Bonus. Wir wollen die Großen ärgern und haben gezeigt, dass wir es können.

Der ursprüngliche Plan des NFV sieht vor, dass in der Meisterrunde niemand noch mal gegen seine Hinrundengegner spielt und stattdessen die Punkte aus diesen Partien mitgenommen werden. Was halten Sie davon?

Gerechter wäre es, bei Null anzufangen – wenn es schon eine neue Runde ist. Alles andere wäre wohl nicht so spannend und demnach auch nicht so interessant.

Ihre ersten Monate in Rehden sind rum. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Nur ein Wort: sensationell! Wir haben einen super Start erwischt und eine geile Serie hingelegt. Und hätte Corona nicht dazwischengefunkt, wären wir weitermarschiert. Daran müssen wir im kommenden Jahr anknüpfen.

Warum lief‘s so gut?

Der Kader ist sehr gut zusammengestellt, es passt sportlich und menschlich. Die Jungs haben immer Spaß am Training, werden – natürlich auch durch die Erfolge und das wachsende Selbstbewusstsein – alle noch ein bisschen stärker. Zum Beispiel Kamer Krasniqi. Das ist ein super Fußballer, der jetzt auch noch Torgefahr ausstrahlt – das war bei ihm bislang nicht unbedingt so. Und im Trainerteam verstehen und ergänzen wir uns perfekt. Jeder hat seine Aufgaben, da gibt es keinen Alleinherrscher.

Demnächst öffnet wieder das Transferfenster. Sehen Sie Bedarf? Haben Sie Wünsche für den Winter?

Natürlich freut sich jeder Trainer, wenn noch eine echte Granate kommt. Aber ich muss klar sagen: Wir haben eine Top-Mannschaft – und ich finde es dann wichtiger, wenn man versucht, ein intaktes Team zusammenzuhalten. Ich glaube, wir müssen nicht viel ändern. Wir sind ein richtig geiler Haufen.

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