Abbruch der Fußballsaison in Niedersachsen

Kreischef Henze: „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“

Die Luft ist raus aus der Saison: Der platte, alte Ball – platziert im Syker Waldstadion – symbolisiert den erneuten Abbruch in Niedersachsens Amateurfußball.
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Die Luft ist raus aus der Saison: Der platte, alte Ball – platziert im Syker Waldstadion – symbolisiert den erneuten Abbruch in Niedersachsens Amateurfußball.

Die Fußballsaison in Niedersachsen wurde annulliert. Wir haben einmal beim Kreischef Andreas Henze und einigen Trainern nachgefragt, wie deren Meinung ist. Die große Mehrheit kann die Entscheidung verstehen, um jetzt Planungssicherheit zu haben.

Syke - Das war’s dann also wieder. Die Saison der Amateurfußballer in Niedersachsen ist vorzeitig beendet. Wie schon im Vorjahr hat die Corona-Pandemie den Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) zum Handeln gezwungen. Diesmal wird die Spielzeit annulliert, einfach gestrichen – ohne Auf- und Absteiger (wir berichteten). „Wir wissen, dass mancher nicht glücklich damit ist oder sich ungerecht behandelt fühlt.

Es ist uns sehr schwer gefallen, aber es gab dazu keine realistische Alternative“, sagte NFV-Präsident Günter Distelrath in einer Videobotschaft und empfahl: „Der Abbruch sollte für uns alle der Auftakt sein, unsere Rückkehr auf den Rasen vorzubereiten.“ Andreas Henze, Vorsitzender des Kreises Diepholz, hat alle Vereine per Mail über die Entscheidung und deren Gründe informiert. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt er die Begleitumstände und antwortet – gemeinsam mit vier Trainern aus vier Ligen – auf wichtige Fragen zum Saisonabbruch .

Wie einig war sich der NFV-Vorstand, die seit Anfang November unterbrochene Serie nun abzubrechen und zu annullieren?

„Es gab ein eindeutiges Votum“, berichtet Henze über die Sitzung mit dem Präsidium und den Vorsitzenden der 33 NFV-Kreise: „Knapp 85 Prozent waren für eine Annullierung als kleinstes Übel.“ Es gab eine Beschlussvorlage, die mit Ja oder Nein beantwortet werden konnte – und die sich nur auf die Streichung der Saison bezog.

Auf die Winter- folgt auch schon die Sommerpause. Ein Training mit nur zwei Spielern machen wir nicht. Wir warten ab, wie es weitergeht.

Thorolf Meyer, Trainer des Landesligisten TuS Sulingen

Warum wurden keine Alternativen mehr diskutiert?

Ein Abbruch mit Quotientenregelung (wie in der Vorsaison) wäre unsinnig gewesen, zumal in vielen Kreisen erst sehr wenige Spiele absolviert waren. „Und man wollte eben eine flächendeckende Lösung“, erklärt Henze. Zur Option „Einfrieren und später fortsetzen“ habe es während der Sitzung keinerlei Wortmeldungen oder Vorschläge gegeben. Und zum Thema „Noch abwarten und die Saison erstmal verlängern“ habe Distelrath ein klares Statement abgegeben. „Er hat gesagt, dass er eindeutige Signale aus der Politik bekommen hat, dass es auch nach dem 18. April im Amateursport noch nicht oder höchstens eingeschränkt weitergehen kann“, sagt Henze: „Es ist niederschmetternd, aber es hat einfach keinen Sinn ergeben, noch länger mit einer Entscheidung zu zögern.“

Bis Ende Juli hätte es nicht geklappt, dass wir die Saison zu Ende bringen – deswegen ist es absolut richtig, wie jetzt entschieden wurde.

Ralf Pinkes, Trainer der SG Diepholz II (1. Kreisklasse)

Wie beurteilen die Vereine aus dem Kreis Diepholz die Entscheidung?

Henze hat vorab keine Extra-Abfrage mehr gemacht – er weiß aber trotzdem, wie das Stimmungsbild der Clubs ist. Auf eine Anfrage des SC Twistringen, ob eine finale Entscheidung später möglich sei, antwortete er allen Vereinen und legte dar, warum auch er selbst für eine Annullierung stimmt: „Und darauf habe ich keine Reaktionen oder Beschwerden bekommen.“ Heißt demnach: Auch im Kreis war die große Mehrheit für eine Annullierung. „Ich finde, es ist die richtige Entscheidung, denn es gibt wichtigere Sachen als unseren Hobbyfußball“, meint Thorolf Meyer, Coach des Landesligisten TuS Sulingen. Und der 44-Jährige spricht für viele seiner Trainerkollegen, wenn er sagt: „Die Saison zu annullieren, ist die sportlich fairste Lösung.“

Andere Bundesländer wie Hamburg und Schleswig-Holstein haben schon früher einen Schlussstrich gezogen. Gab es Kritik aus den „Diepholzer“ Vereinen, dass Niedersachsen zu spät dran ist?

Henze verneint: „Es war vielmehr Verständnis und eine deutliche Erleichterung zu spüren, dass nun Klarheit herrscht.“ Die Clubs im Landkreis „waren sehr geduldig“, betont der Vorsitzende: „Und ich denke, sie vertrauen darauf, dass die Entscheidung wohl überlegt ist.“

Laut Thorolf Meyer war es richtig, „dass sich die NFV-Verantwortlichen Zeit gelassen haben. Es bestand ja die Möglichkeit, dass es doch noch weitergehen könnte.“

Ich finde es so richtig. Zwei Wochen Vorbereitung hätten nach der langen Pause nicht gereicht. Und wir wollten keine Auf- und Absteiger.

Uwe Küpker, Trainer des Bezirksligisten SC Twistringen

Welche Folgen hat der zweite Saisonabbruch in Folge für den Amateurfußball?

„Die Vereine haben lange durchgehalten. Viele haben inzwischen Angst, dass ihnen noch mehr Mitglieder weglaufen. Und wir sorgen uns um die Anzahl der Mannschaften“, gesteht Henze. Die Corona-Pandemie, so befürchtet der 52-jährige Bassumer, ist „ein Treiber für den Mitgliederschwund“. Er hofft deshalb auf ein schnelles Zeichen der Politik, das zumindest sportliche Perspektiven bietet: „Das könnte uns retten und dafür sorgen, dass nicht zu viele weggehen.“

Wann geht es weiter?

Einen konkreten Fahrplan für die neue Saison gibt es aktuell noch nicht. Henze hält einen Re-Start im August allerdings für realistisch. „Die Vorbereitungszeit sollte mindestens vier Wochen betragen. Das dürfte machbar sein – zumal ich darauf hoffe, dass dann die meisten Menschen in Deutschland geimpft sind. Es bringt nichts, in die Vergangenheit zu blicken. Wir müssen jetzt nach vorne schauen.“ Beim SC Twistringen denken sie genauso. „Zusammen mit meinem Co-Trainer Michael Schultalbers habe ich ein Konzept erarbeitet, das unserem Vorstand vorliegt. Wir haben ja fünf verschiedene Plätze, da kann in Gruppen unter Einhaltung eines Hygienekonzepts trainiert werden“, betont SCT-Coach Uwe Küpker (61), der – sofern erlaubt – mit einer raschen Rückkehr auf den Platz liebäugelt: „Das wollen wir ab dem 18. April noch vier oder fünf Wochen so machen.“ Im Juni sei Pause, im Juli würde Twistringen wieder loslegen. Küpker: „Und dann hoffen wir, dass wir im August starten können.“ Stefan Müller (58), der die Kreisliga-Fußballer des SV Eydelstedt trainiert, beschäftigt sich noch nicht mit der kommenden Saison und damit, wann wieder Einheiten angesetzt werden „Das entscheiden wir kurzfristig. Erst einmal muss die Inzidenzzahl zurückgehen.“ Auch Ralf Pinkes und die SG Diepholz II verlängern ihre Fußball-Auszeit: „Vom Kopf her wollen wir erst mal abschalten und werden eine Pause einlegen“, kündigt der 30-jährige Coach an und ergänzt: „Es muss gesellschaftlich zu verantworten sein, dass wir wieder trainieren und spielen dürfen.“

Das ist die einzig sinnvolle Entscheidung. Und ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen des NFV lange gewartet haben.

Stefan Müller, Trainer des Kreisligisten SV Eydelstedt

Wieder normale Ligengröße oder nicht? Wie sehen die Planungen für die nächste Saison aus?

Beschlossen ist noch nichts, angedacht aber folgendes: Die beiden höchsten Männer-Spielklassen des Kreises – Kreisliga und 1. Kreisklasse – sollen weiterhin möglichst klein und gesplittet bleiben. „Daran werden wir wohl festhalten“, sagt Henze. Man habe dann bei eventuellen Unterbrechungen einfach mehr zeitlichen Spielraum: „Wenn es zum Beispiel beim Start ein paar Wochen Verzögerung gibt, wäre das nicht so schlimm.“ Die Teilung könne er sich durchauch auch weiterhin auf Bezirksebene vorstellen.

Was passiert mit den Pokalwettbewerben?

Sie sind von der Saison-Annullierung nicht ausdrücklich betroffen und könnten weitergeführt werden – sofern es die Infektionslage zulässt. Henze und seine Mitstreiter müssen sich darum nicht kümmern, da in Diepholz – vorsichtshalber – kein Kreispokal-Wettbewerb angesetzt war.

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