„Wir haben das Spiel aus der eigenen Hand gegeben“

Melchiorshausen verspielt in Überzahl 1:0-Führung

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Melchiorshausens Pascal Feldmann (am Ball) im Duell mit Lesums Gelb-Rot-Sünder Philip Ruholl.

Melchiorshausen - Von Julian Diekmann. Als der Schiedsrichter Claude Kenfack zur Halbzeitpause pfiff, begann das Fachsimpeln. „So schlecht ist das Spiel jetzt auch nicht“, sagte ein Zuschauer zu seinem Nebenmann. Dieser erwiderte: „Man kann es sich auch schön reden.“

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Während in der ersten Halbzeit zwischen dem TSV Melchiorshausen und dem TSV Lesum-Burgdamm noch gähnende Langeweile herrschte, nahm die Partie der Bremer Fußball-Landesliga im zweiten Spielabschnitt ordentlich Fahrt auf. Allerdings mit einem bitteren Ausgang für die Platzherren. „Wir haben das Spiel am Ende noch aus der eigenen Hand gegeben“, ärgerte sich Melchiorshausens Coach Lars Behrens. Wie wahr. Immerhin führte seine Mannschaft bis weit in die Mitte der zweiten Halbzeit mit 1:0, spielte ab der 69. Minute sogar in Überzahl. Dennoch verloren die Hausherren die Partie noch in allerletzter Minute mit 1:2 (1:0).

Dabei begann die Begegnung eigentlich genau nach Vorstellung von Behrens. Sein Team war die engagiertere Mannschaft, dominierte den ersten Durchgang, ohne jedoch wirklich zwingend zu werden. Meist war an der Strafraumgrenze der Gäste Schluss. In der 30. Minute tat sich jedoch eine Lücke auf, als Kevin Nienstermann im Lesumer Strafraum an den Ball kam und diesen aus spitzem Winkel knallhart unter die Latte zur verdienten Führung drosch. Da war die Welt des Lars Behrens noch in Ordnung.

Gelb-Rote Karte für Lesums Philip Ruholl

Das änderte sich schlagartig nach dem Seitenwechsel. Die Partie drohte zu kippen – auch, weil Schiedsrichter Kenfack (SV Werder Bremen) das Spiel aus den Händen zu rutschen drohte. Viele Nickligkeiten und noch mehr Wortgefechte bestimmten den zweiten Abschnitt. Statt die Ruhe zu bewahren, ließen sich die Melchiorshauser Spieler von der aufgebrachten Stimmung anstecken. Zwischenzeitlicher Höhepunkt: die Gelb-Rote Karte für Lesums Philip Ruholl. Er hatte eine Entscheidung des Referees mit höhnischem Applaus bedacht und wurde vorzeitig unter die Dusche geschickt.

Auch zu diesem Zeitpunkt war Behrens’ Stimmung noch aufgehellt, doch nur acht Minuten nach dem Platzverweis verfinsterte sich seine Miene zunehmend. Als hätte der Coach schon so eine Vorahnung gehabt: „Überzahl hört sich immer gut an, doch gegen eine Mannschaft in Unterzahl zu spielen, ist nicht einfach.“ Und so kam es, wie es kommen musste. Statt die endgültige Entscheidung zu suchen, kassierte seine Elf in Überzahl den Ausgleich. Nach einem Lesum-Freistoß landete der Ball im Fünfmeteraum. Die Blau-Weißen schafften es nicht, diesen aus dem Strafraum zu klären, sodass sich Elvan Öksel ein Herz nahm und das Spielgerät aus kurzer Distanz unhaltbar in den Winkel hämmerte (77.). „Das Tor hätte niemals fallen dürfen“, befand Behrens: „Die Situation hätten wir vorher schon bereinigen müssen.“

Melchiorshausen im Tal der Tränen

Nun hatten die Gäste aus Bremen-Nord Blut geleckt, spielten volles Risiko und wurden am Ende für ihren Aufwand belohnt. Nach einem weiteren Lesum-Freistoß in der zweiten Minute der Nachspielzeit sprang der Ball im Strafraum unglücklich an die Hand von Marvin Bertram, sodass dem Unparteiischen nichts anderes übrig blieb, als auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Remigius Wild nahm sich der Sache an, versenkte den Ball in der rechten unteren Ecke und stürzte damit die Spieler des TSV Melchiorshausen ins Tal der Tränen (90.+3).

„Dass wir das Spiel so verlieren, ist natürlich sehr, sehr ärgerlich. Hätten wir unsere Möglichkeiten vorher konsequenter ausgenutzt, wären wir nicht in diese Bredouille gekommen. Wir haben es einfach verpasst, nachzulegen. Grundsätzlich hätten wir den Platz niemals als Verlierer verlassen dürfen“, monierte Behrens, der nach dem Abpfiff noch minutenlang in sich gekehrt auf der Trainerbank verweilte und die Begegnung noch einmal vor seinem geistigen Auge Revue passieren ließ.

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