Organisatoren von drei größeren Sport-Events stehen zu ihrer Entscheidung

„Wir bereuen die Absage nicht“

Möchte den „Württemberg-Cup“ gern 2022 wieder austragen: Orga-Chef Henry Stöver (Mitte).
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Möchte den „Württemberg-Cup“ gern 2022 wieder austragen: Orga-Chef Henry Stöver (Mitte).

Die Inzidenzzahlen im Landkreis Diepholz sind momentan noch niedrig. Viele größere Sportveranstaltungen wurden schon lange vorher abgesagt. Hier ein kleiner Überblick, wie die Macher heute dazu stehen.

Stuhr/Ristedt/Schwarme – Der Juli wäre eigentlich der Monat gewesen, in dem es im Kreis Diepholz sportlich so richtig rund gegangen wäre. Das Schwarmer Motorrad-Grasbahnrennen, das Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“ oder auch der Silbersee-Triathlon hätten stattfinden sollen. Alles im Konjunktiv, denn diese Events wurden wegen der Corona-Krise teilweise schon vor Monaten abgesagt. Zu einem Zeitpunkt, als die Inzidenzzahlen im Landkreis Diepholz eher gegen 100 als gegen null tendierten. Am Donnerstag etwa lag die Inzidenz im Kreis bei 7,8. Wir haben einmal bei drei Veranstaltern nachgefragt, ob sie ihre Entscheidung zur Absage vielleicht heute bereuen oder es besser gewesen wäre, mit diesem radikalen Schritt noch etwas zu warten?

Schwarmer Rennen

Am 25. Juli sollten die Motoren auf dem Niedersachsenring dröhnen. Der MSC Schwarme um seinen Vorsitzenden Marc Wessel hatte sogar die Zusage, dass der Club die Deutsche Meisterschaft der A-Lizenz-Solisten hätte austragen dürfen.

Aber vor etwa zwei Monaten schwenkten die MSC-Verantwortlichen die Rote Fahne und sagten die Veranstaltung ab. Auch eine Verlegung, vielleicht in den Herbst hinein, wurde verworfen.

„Wir haben nicht genug Manpower, um alle Auflagen zu erfüllen“, sagt Marc Wessel, der Vorsitzende des MSC Schwarme.

Wessel steht noch immer zur Entscheidung des Clubs: „Die Planungssicherheit war einfach nicht gegeben. So ein Rennen mit erhofften 1 500 Besuchern stampft man mal nicht so eben aus dem Boden. Auch wenn die Auflagen momentan nicht mehr so groß sind wie vor acht Wochen, es reicht aber, dass wir das personell nicht stemmen können und wollen. Wir haben im Verein nicht die Manpower dafür. Es gibt im Vorstand einen aktuellen Beschluss, dass wir erst dann wieder veranstalten, wenn es keine Auflagen mehr gibt. Für den September 2022 haben wir uns aber schon beworben, dass wir eine DM der A-Lizenz ausrichten dürfen.“

Veranstaltungen bis zu 1 000 Teilnehmern benötigen bei einer Inzidenz unter zehn keine Landkreis-Genehmigung

Wer in diesen Zeiten eine größere Veranstaltung plant, der sollte sich ganz genau beim Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz informieren, welche Auflagen zu erfüllen sind.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte Landkreis-Mitarbeiterin Meike Zum Vohrde: „Die aktuelle Corona-Verordnung tritt mit Ablauf des 16. Juli außer Kraft. Nach ersten Informationen werden gerade im Bereich der Veranstaltungen im Outdoor-Bereich noch Änderungen angestrebt. Bis dahin gilt: Bei einer Inzidenz von null bis zehn sind Veranstaltungen mit maximal 1 000 Personen genehmigungsfrei, von zehn bis 35 sind es 500. Es muss jedoch ein Hygienekonzept des Veranstalters vorliegen, in dem alle Maßnahmen aufgeführt und entsprechend zu treffen sind. Genehmigungspflichtige Events können auf Antrag des Veranstalters durch die zuständige Behörde gestattet werden, wenn ein Hygienekonzept vorliegt, welches besondere Maßnahmen für den Zugang, Veranstaltungspausen, das Verlassen der Veranstaltung und die Nutzung und Reinigung der sanitären Anlagen vorsieht. Wenn mehr als 50 Besucher an der Veranstaltung draußen teilnehmen, gilt auch die Dokumentationspflicht (zum Beispiel Luca App) für den Veranstalter.“

Andreas Schnichels, Leiter des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, hat fast täglich mit derlei Vorgaben und Anfragen zu tun. „Wir haben sicherlich etliche Outdoor-Veranstaltungen, die wieder laufen. Aber bei größeren Events halten sich die Veranstalter doch noch zurück“, erklärt der 54-Jährige.

Der MSC-Boss war kürzlich bei einer Veranstaltung in Mulmshorn und sah sich in der Absage des eigenen Rennens bestätigt: „Die Mulmshorner haben einen großen Aufwand gefahren, aber es waren, aus welchen Gründen auch immer, nur 300 Besucher da. Wenn wir 300 Leute bei einer DM hätten, dann könnten wir den Laden dichtmachen und wären pleite.“

Silbersee-Triathlon

Beim LC Hansa Stuhr waren sie schon einen Schritt weiter. Nachdem klar war, dass der ursprüngliche Termin am 25. Juli nicht zu halten sein würde, entschloss man sich frühzeitig auf eine Verlegung der Veranstaltung in den September hinein. Aber nach und nach reifte bei den Organisatoren um Chef Jan Neubauer, dass auch dieser Termin nicht zu halten sein würde. Konsequenz: kein Silbersee-Triathon in diesem Jahr.

Auch Silbersee-Mitorganisator Mario Lawendel steht voll hinter der Entscheidung, in diesem Jahr keinen Triathlon zu haben.

Mario Lawendel, in der Triathlon-Sparte des LC Hansa Stuhr und auch im Silbersee-Orga-Team aktiv, meinte zur Streichung: „Das war ganz klar die richtige Entscheidung. Auch jetzt ist doch nicht klar, wie die Lage im September aussieht. Die Athleten und Helfer müssen geschützt werden. Normalerweise haben wir ein Starterfeld von 1 200 Athleten. Damit sind wir einer der größten Veranstalter überhaupt. Das organisiert man nicht mal eben so nebenbei.“

Hört Mario Lawendel auf?

Mario Lawendel gehört als Leichtathlet (Mittelstrecke) und als Triathlet zu einer der erfolgreichsten Sportler im Kreis. Doch es könnte sein, dass der 37-Jährige seine Karriere gesundheitsbedingt an den Nagel hängen muss. Lawendel erlitt im vergangenen Winter einen stressbedingten Hörsturz, lag zweimal im Krankenhaus, doch eine Heilung trat nicht ein. Ganz im Gegenteil: Der Ausdauersportler ist auf einem Ohr taub. „Da mache ich mir natürlich Gedanken, ob ich diesen Sport noch ausüben kann. Eine Entscheidung werde ich Anfang August fällen.“ Aber Lawendel hat für sich schon eine Alternative in der Tasche, auf die man sicher nicht sofort kommt: „Ich habe meine Leidenschaft für den Dartsport entdeckt. Ich glaube, dass ich dafür Talent habe. Mal sehen, wohin die Reise geht.“

Anderen Anbietern geht es nicht besser. In dieser Saison hätten eigentlich in der Liga acht Veranstaltungen stattfinden sollen. Alles gestrichen. Die Hansa-Organisatoren hoffen nun, dass sie ihren geliebten Triathlon nun im kommenden Jahr ausrichten dürfen.

„Württemberg-Cup“

Am Montag hätten die ersten Gruppenspiele dieses sehr beliebten Fußball-Vorbereitungsturniers über die Bühne gehen sollen. Henry Stöver, der Chef des gastgebenden Fußball-Fördervereins, ist sich aber immer noch sicher, mit der Absage die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Klar haben wir uns mit abnehmender Inzidenz Gedanken gemacht, ob wir vielleicht zu schnell abgesagt haben. Aber vor acht Wochen war diese Entwicklung hin zu kleineren Zahlen noch nicht absehbar. Und wir benötigen für solch ein Turnier eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Monaten. Da nehmen einige Helfer für dieses Turnier extra Urlaub. Die müssen auch planen können. Deshalb stehen wir nach wie vor zu der Absage, denn auf unserem engen Platz in Ristedt wäre es schwierig gewesen, alle Hygieneauflagen auch zu erfüllen. Und wenn etwas passiert, dann stehen wir in der Verantwortung. Und das können wir nicht. Wir machen das alle ehrenamtlich und wollen auch Spaß haben.“

Nach der zweiten Absage in Folge geben die Macher die Hoffnung aber noch nicht auf. „Wir planen fest damit, dass wir im Juli 2022 ein Turnier in Ristedt haben werden“, ist Stöver optimistisch.

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