SPIELER DES WOCHENENDES Brinkmann lässt Pierre Neuses Offensivstärken wieder aufleben

„Er will, dass ich mehr vorne reingehe“

Eine Position weiter nach vorne ging es für Pierre Neuse (am Ball) unter seinem neuen, alten Coach Walter Brinkmann.

Sulingen - Von Felix Schlickmann. Walter Brinkmann kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Er ist beidfüßig, kopfballstark und trotz seiner Größe wahnsinnig beweglich – einfach sehr athletisch. Als zweiter Mannschaftsführer übernimmt er außerdem Verantwortung. Und über seine fußballerischen Qualitäten brauchen wir eh nicht zu sprechen.“ Der 57-Jährige redet dabei von Pierre Neuse: „Er hat definitiv Oberliga-Niveau.“ Und doch spielt Neuse Fußball in der Landesliga beim TuS Sulingen unter Coach Brinkmann. „Ich habe in Sulingen alles, was ich brauche. Ich sehe momentan keinen Grund, woanders hinzugehen, um dort Oberliga zu spielen“, erklärt der Mittelfeldspieler selbst: „Außerdem waren wir mit Sulingen ja auch schon mal da, die Erfahrung habe ich also schon gemacht.“ Gegen einen erneuten Aufstieg mit den Sulestädtern hätte Neuse aber „natürlich nichts einzuwenden“, sagt der 25-Jährige und grinst.

Der Saisonstart ist zumindest schon mal geglückt: Nach einer Vorbereitung ohne Niederlage gab es für die Mannschaft von Rückkehrer Brinkmann die beiden Pokalerfolge gegen Stadtrivale FC Sulingen (3:1) und Bezirksliga-Topteam SV Heiligenfelde (4:3 n.E.) sowie die Ligasiege gegen den VfL Bückeburg (4:1) und FC Eldagsen (2:1). Dennoch werden die Saisonziele (vorerst) nicht hochgeschraubt. „Wir wollen so lange wie möglich oben mitspielen“, erklärt Neuse: „Wenn wir dann am Ende unter die ersten Fünf kommen, wäre das schon schön.“

Er selbst hat einen gehörigen Anteil am starken Start. Beim Auswärtssieg gegen Aufsteiger Eldagsen drehte er nach dem Rückstand mit seinen beiden Toren die Partie fast im Alleingang – und die B-Note stimmte auch noch: Nach Vorlage von Pascal Löhmann zog Neuse aus 16 Metern einfach mal ab. „Ich habe den Ball mit vollem Risiko genommen, der hätte auch sonst wo hinfliegen können.“ Tat er aber nicht, stattdessen landete er genau unter der Latte im Netz – ein absolutes Traumtor. „Ich glaube, ich habe ihn ganz gut getroffen“, sagt Neuse und lacht – in dem Wissen, untertrieben zu haben. Und auch sein zweiter Treffer kurz vor Schluss konnte sich sehen lassen. „Tim Rieckhof hat über Linksaußen den Turbo gezündet. Ich habe versucht, in den Strafraum zu kommen, habe es aber nur in den Rückraum geschafft. Wenn Tim mal anzieht, komme ich da einfach nicht hinterher“, erklärt Neuse wieder lachend. Schlimm war’s aber nicht, dass er es nicht ganz in die Box geschafft hat – im Gegenteil. Rieckhofs Flanke nahm Neuse erneut volley und traf ins rechte Eck. „Wir wollten das Spiel unbedingt noch gewinnen, haben alles reingeworfen“, betont der Matchwinner: „Ich selbst habe schon bessere Spiele gemacht – in den Fällen aber keine zwei Tore geschossen.“

Dass er überhaupt offensiv in Erscheinung tritt, hat viel mit seinem neuen, alten Trainer zu tun. Während Ex-Coach Maarten Schops den vielseitigen Akteur in den vergangenen Spielzeiten auf der Sechs aufgestellt hatte, lässt Brinkmann ihn in seinem 4-3-3 auf der Achter-Position ran. „Walter will immer, dass ich mehr vorne reingehe“, erklärt der 1,93-Mann, der Trainer lässt die Offensivqualitäten seines Spielers wieder aufleben. In der Jugend hatte Neuse häufiger im Sturm gespielt, der Vorwärtsdrang ist also nichts grundlegend Neues für ihn. Brinkmann weiß das, schließlich kennt er Neuse schon seit Ewigkeiten. Deshalb holte der 57-Jährige den damals 19-Jährigen auch bei seiner ersten Amtszeit in Sulingen in den Verein. „Ich habe damals gesehen, was für ein Potenzial er hat“, erklärt Brinkmann. Er hörte zwar nicht lange danach bei den Sulestädtern auf, doch Neuse blieb – und jetzt sind die beiden wieder vereint. „Walter hat mir den Einstieg in den Herrenbereich erleichtert, ich habe ihm viel zu verdanken“, sagt Neuse: „Ich freue mich, dass er wieder da ist.“

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