Zwei Stuhrer Vereinskollegen

Favoriten beim Bremen-Marathon: Sebrantke oder doch mal Kohlwes?

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2016 war es eine klare Angelegenheit: Oliver Sebrantke (rechts) gewann zum sechsten Mal den Bremer Marathon und war deutlich schneller als sein viertplatzierter Stuhrer Vereinskollege Sebastian Kohlwes, der aktuell aber in Top-Form ist.

Bremen - Von Petra Philippsen. Seine Süßigkeiten-Schublade ist immer noch prall gefüllt. Allerdings hat Oliver Sebrantke inzwischen ein Problem bekommen. Denn der Servicefachmann für Softwareprobleme arbeitet nicht mehr in einer Frankfurter Bank, sondern hat sein Büro nun Zuhause in Stuhr. Und da sind nicht nur die Süßigkeiten jederzeit griffbereit, sondern da steht auch der Kühlschrank mit kulinarischen Verlockungen in Reichweite.

„Meine größte Schwäche sind Kekse“, gesteht der 41-Jährige. Doch die kann sich Sebrantke locker leisten, schließlich läuft er jeden Tag einen Halbmarathon. 21,1 Kilometer täglich, da setzt nichts an. Sebrantke fühlt sich derzeit bestens in Form – und so geht er am Sonntag beim 13. Bremen-Marathon mal wieder als großer Favorit an den Start. „Ich will versuchen, zum siebten Mal zu gewinnen“, sagt Sebrantke und ergänzt: „Ich freue mich darauf.“

Bisher lief der Stuhrer in Bremen stets in seiner eigenen Liga, doch dieses Mal könnte ein in Topform befindlicher Konkurrent den Druck auf den Seriensieger (2009, 2011, 2013, 2014 und 2016) wieder erhöhen. Sebastian Kohlwes, sein Vereinskollege vom LC Hansa Stuhr, schaffte die Marathonstrecke von 42,195 Kilometern in Berlin gerade in 2:26:44 Stunden – das ist knapp drei Minuten schneller als Sebrantkes Bestmarke. „Es wird spannend“, glaubt Sebrantke, „es meldet sich in Bremen am Ende immer noch jemand an, der vorne mitlaufen will.“

Im vergangenen Jahr war Kohlwes bereits zugetraut worden, Seriensieger Sebrantke in der Hansestadt auf die Pelle zu rücken oder gar zu überflügeln. Doch 2016 konnte der 28-Jährige wegen einer Sprunggelenksverletzung im Sommer monatelang nicht trainieren – in Bremen war er dann nach absolvierter Strecke stehend k.o. und wurde „nur“ Vierter.

„Er hat noch eine Rechnung offen“

„Er hat noch eine Rechnung offen“, sagte Marathon-Organisator Utz Bertschy gestern und bestätigte, dass Kohlwes für die Langstrecke gemeldet hat: „Er ist zwar gerade in Berlin gelaufen, aber der Junge kann viel ab.“ Steckt Kohlwes die Belastung gut weg, deutet vieles auf einen Zweikampf mit Sebrantke hin. Glaubt auch Bertschy: „Die beiden werden bestimmt vorne dabei sein. Für die Zuschauer wäre es klasse, wenn es ganz eng wird.“

Sebrantke wäre ein bisschen Konkurrenz recht, „schließlich kann ich ja jeden Tag allein laufen“. Das sportliche Pensum, das er seit sechs Jahren intensiv betreibt, steht dem eines Profi-Läufers in nichts nach. Nur, dass ein Profi nach hartem Training viel Zeit zum regenerieren hat, während Sebrantke da längst wieder am Schreibtisch arbeitet. Aber das, was im Winter 2001 einmal als Schnapsidee in einer Kneipe entstanden war, ist inzwischen eben seine Passion geworden. Seinen ersten Marathon hatte er damals in Hamburg noch mit blutigen Füßen und Krämpfen bezahlt, nun wird er (dafür hat er extra sein Training dem Triathlon angepasst) am 14. Oktober sogar erstmals beim legendären Ironman auf Hawaii antreten – und das nur zwei Wochen nach dem Bremen-Marathon. „Deshalb bin ich im Moment doch ein bisschen vorsichtiger beim Training, damit mir keine Verletzung dazwischen kommt“, erzählt Sebrantke.

Aber eigentlich geht es bei dem ehrgeizigen Ausdauersportler nur ganz – oder eben gar nicht. Den inneren Schweinehund, den kennt Sebrantke allzu gut. Doch der gewinnt selten gegen ihn. Ob es Kohlwes am Sonntag gelingt, wird sich zeigen.

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