INTERVIEW Trainer David Schiavone vom TuS Lemförde

„Wie in einem schlechten Film“

Imponierend findet Lemfördes Coach David Schiavone, wie der Club in den schwierigen Wochen zusammenhielt.
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Imponierend findet Lemfördes Coach David Schiavone, wie der Club in den schwierigen Wochen zusammenhielt.

Katastrophaler hätte die Saison für den Fußball-Bezirksligisten TuS Lemförde bislang kaum laufen können. Vor der Serie war dem Team von Trainer David Schiavone im Idealfall sogar der Sprung in die Meisterrunde zugetraut worden, doch Pustekuchen: Nach neun Partien rangiert Lemförde in der Südstaffel auf dem vorletzten Platz und weist trotz zwei Siegen nur vier Punkte auf. Wie das möglich sein kann – und warum Schiavone unverändert stolz auf seine Mannschaft ist, verrät uns der 42-Jährige im Interview.

Herr Schiavone, können Sie sich in Ihrer gesamten Zeit als TuS-Coach an eine derartige Seuchensaison erinnern?
Nicht wirklich. Ich jammere wirklich nicht allzu schnell bei Verletzungen, aber zeitweilig fehlten mir bis zu 14 Spieler. Unfassbar.

Zählen Sie doch mal die „Liste der Leiden“ auf.
Da muss ich aufpassen, dass ich niemand vergesse. Beginnen wir mal im vorderen Bereich. Da hatte mein Sohn Francesco längere Zeit Oberschenkelprobleme, und gleichzeitig fiel unser Torjäger vom Dienst Giovanni Esposito mit einem Bandscheibenvorfall aus. Es brach uns also der komplette Sturm weg.

Dabei blieb es aber vermutlich nicht.
Leider nein. In André Albuquerque und Halil Akbas fehlten wichtige Offensivkräfte über Wochen hinweg, und in der Abwehr war es sogar noch schlimmer.

Klären Sie uns gerne auf.
Ich konnte mein Innenverteidiger-Duo Bogdan Golgot/Dino Maieli noch kein einziges Spiel zusammen auflaufen lassen. Bogdan laborierte an einem Muskelfaserriss, und Dino plagten ständig Oberschenkelprobleme. Darüber hinaus fehlte auch noch Stammkeeper Dan Zaharia aufgrund einer Adduktorenverletzung mehrere Wochen.

Für Zaharia stand aber in Hanno-Friedemann Groß zumindest ein zuverlässiger Ersatz parat.
Das stimmt. Hanno hat das prima gemacht. Aber in Wagenfeld konnte er leider auch nicht, sodass ich Philipp Ey reaktivieren musste. Eigentlich ist Philipp nur noch Physiotherapeut.

Und wie lief es mit ihm?
Jetzt wird es richtig kurios. Philipp macht ein Riesenmatch, kassiert dann jedoch in der zweiten Hälfte einen sehr umstrittenen Platzverweis, und der gerade wieder genesene André Albuquerque muss in den Kasten. Eigentlich klingt das wie in einem schlechten Film.

Wären die Ausfälle denn nicht mit Nachwuchskräften aufzufangen gewesen? Es stand vor der Saison doch ohnehin eine Verjüngung des Teams im Raum.
Das hätte ich auch gerne gemacht, aber selbst unsere Youngster hatte es ja erwischt. Tobias Middel hätte ich mir gut in der Innenverteidigung vorstellen können, doch bei ihm riss schon während der Saisonvorbereitung das Kreuzband, und unser großes Mittelfeldtalent Niklas Poschmann brach sich das Schlüsselbein. Um mal nur zwei zu nennen.

Wie haben Sie dann eigentlich überhaupt noch elf Spieler aufs Feld bekommen?
Das frage ich mich manchmal auch. Aber zum Glück sind viele „Ehemalige“ wie Adrian Schleusner, Faruk Gören oder Erhan Gören eingesprungen. Faruk hatte genau wie Adrian seine Karriere eigentlich schon beendet, und Erhan kickte bereits länger nur noch in der Alten Herren. Ich kann mich da wirklich nur bedanken. Einige Spieler haben sogar Urlaub genommen, um uns zu helfen. Das zeigt den Lemförder Teamspirit.

Ist das der Lichtblick einer bislang äußerst bescheiden verlaufenen Saison?
Auf alle Fälle. Ich kann vor unseren Ersatzleuten nur den Hut ziehen. Aber auch ansonsten bin ich echt stolz auf meine Jungs. Wir haben immer alles gegeben und uns nie abschießen lassen. Die hohen Niederlagen gegen Steimbke und den FC Sulingen hätten auch mit voller Kapelle passieren können.

Wäre das Spitzenduo denn im Idealfall – also ohne Verletzungsprobleme – zu knacken gewesen?
Eher nicht. Beide Mannschaften haben eigentlich eine zu hohe Qualität. Aber unser Ziel war es vor der Serie, dass wir angreifen, wenn Steimbke oder Sulingen schwächeln.

Und wie lautet das neue Saisonziel?
Wir wollen uns in die Winterpause retten und dann hoffentlich in Bestbesetzung in der Abstiegsrunde den Klassenerhalt perfekt machen. Das ist auch möglich.

Eine Frage zum Schluss. Wie kann man eigentlich mit zwei Siegen nur vier Punkte auf dem Konto haben?
Das passt zu unserer Situation. Die Samtgemeinde hatte aufgrund zu schlechter Platzverhältnisse die Partie gegen Nienburg abgesagt. Das stellte der Staffelleiter in Frage und zog uns einfach drei Punkte ab.

Der Verein hatte aber doch mit der Absage nichts zu tun. Hätte man sich gegen diese Entscheidung nicht wehren müssen?
Eigentlich schon. Aber der Vorstand wollte wohl Ärger vermeiden, und damit ist die Sache für mich auch vom Tisch. Ich hoffe, im neuen Jahr läuft es für uns alles wieder besser.

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