Landesliga-Aufsteiger rettet sich im Herzschlag-Finale – 1:1 / „Mentalitäts-Monster“

Wetschens Helden-Epos mit vielen Hauptdarstellern

Kurzzeitig ohne Durchblick: Trainer Friedel Holle nach einigen Sektduschen. - Fotos: Krüger

Garbsen - Von Cord Krüger. Noch mit dem Abpfiff fiel Kai Winkler einfach in seinem Strafraum um. Zu sehr schmerzte der rechte Knöchel des Torwarts vom TSV Wetschen – und das bereits seit Minute 42, als er sich kurz vor dem Gegentor zum 0:1 durch Maximilian König übel verletzt hatte.

Doch Winkler hielt durch, ließ am Samstag beim TuS Garbsen keinen weiteren Treffer mehr zu – und als seine Teamkollegen mit spritzenden Bier- und Sektflaschen auf ihren liegenden Keeper zurannten, ahnte er: Es hat gereicht! Im Kreistanz um ihn herum feierte Wetschen nach dem 1:1 (0:1) in Garbsen und den Schlusspfiffen bei der Konkurrenz den Landesliga-Erhalt.

Es war das Happy End einer schon im Herbst als Drama abgestempelten Geschichte, in der Wetschen zwischendurch acht Punkte vom rettenden Ufer am Tabellenende stand: Kaum jemand glaubte noch an den Aufsteiger – „aber wir schon. Wir alle zusammen“, stellte Mittelfeldmann Andre Krause klar. Als dann Co-Trainer Friedel Holle den entlassenen Chefcoach Uwe Küpker beerbte, „hat er uns zuerst den Druck genommen. Das war wichtig, und wir haben im spielerischen Bereich mehr gezeigt“, schilderte der 29-Jährige.

Dank erster Bier-Betäubung wieder obenauf: Der lädierte Kai Winkler stimmt die „Humba“ an.

Und nun rettete sich sein Team tatsächlich. Weil die Heimniederlagen des STK Eilvese (2:3 gegen den HSC Hannover) und des MTV Almstedt (1:3 gegen Ramlingen-Ehlershausen) später feststanden als Wetschens Remis, stieg die Party jedoch mit leichter Verzögerung. Dafür aber richtig! „Wenn ich das alles hätte trinken müssen, was ich gerade über den Kopf geschüttet bekommen habe, wäre ich schon abgefüllt gewesen“, gestand der triefnasse Holle – und kündigte eine lange Nacht an: „Meiner Frau habe ich gesagt, dass sie heute nicht mehr mit mir rechnen muss.“ Noch bevor die ersten Bierchen ihre Wirkung entfalteten, rief Wetschens Vorsitzender Klaus Recker in den Spielerkreis: „Danke, Jungs! Das war echt ganz großes Kino!“

In der Tat hätte der Stoff dieser 92 Minuten für mehr als nur ein Helden-Epos gereicht. Nicht allein wegen Kai Winkler, der seine Blessur hinterher noch nicht genau diagnostizieren wollte: „Ich denke aber, dass nichts gerissen ist“, meinte der Schlussmann, der die Szene so beschrieb: „Kurz vorm Gegentor habe ich einen Seitfallschritt gemacht – da ist es passiert.“

Zunächst sah es kaum so aus, als ob Winkler nach der Pause noch mal aus der Kabine kommen könnte. Ähnliche Befürchtungen drängten sich bei Krause auf: Er hatte in Minute 27 von seinem kompromisslosen Doppelsechs-Kollegen Lars Schulze den Ball an die Schläfe gebolzt bekommen und war sofort k.o. gegangen. Nach längerer Behandlung lief der 29-Jährige wieder aufs Feld, stützte sich aber mehrmals auf den eigenen Knien ab und bat um Hilfe in der Mittelfeld-Zentrale. „Später war ich wieder klar“, relativierte Krause. Ein Beleg dafür: sein Schuss, mit dem er Garbsens Torwart Kai Bäte zur Glanzparade zwang (39.). Krause kämpfte weiter, hatte bis zum Abpfiff zig-fach noch ein Bein oder den Brummschädel am Ball und unterband so mehrere Konter – ein weiteres Heldenstück. Den Rückstand konnte er allerdings nicht verhindern: Sein Innenverteidiger Tobias Grube hatte nach einer Flanke von Benjamin Weiss eigentlich alles im Griff, verlor die Kugel jedoch, Rechtsverteidiger Kevin Diekmann wollte am Pfosten retten, schoss allerdings König an. Und von ihm trudelte das Leder ins Tor (42.). So ging’s in die Pause, weil die Gäste Chancen für eine 4:0-Halbzeitführung liegen gelassen hatten. „Aber wir haben eine junge Truppe, bei der die Nervosität spürbar war“, urteilte Kapitän Nils Unger.

Also musste es der 29-Jährige richten – und das auch noch als kleinster per Kopf! „Das passiert auch nicht so oft“, gestand der Techniker, der wieder ein hohes Laufpensum abspulte und oft für Torgefahr sorgte. Den Großteil dieses Treffers sprach er aber Steffen Winkler zu, der zweieinhalb Minuten nach seiner Einwechslung von rechts bis zur Grundlinie durchsprintete und in den Rücken der Abwehr zu Unger flankte. „Ein Super-Ding von Steffen“, schnalzte der Torschütze mit der Zunge. Dieser Punkt zu dieser Zeit reichte Wetschen zur Rettung – „das wussten wir, weil wir immer die anderen Ergebnisse reingerufen bekamen“, schilderte Unger. Krause ergänzte: „Deshalb haben wir uns zurückfallen lassen, um hinten nichts zu riskieren. Wenn es hätte sein müssen, hätten wir aber gewonnen – davon bin ich überzeugt. Denn jeder hat heute alles gegeben.“ Steffen Winkler wusste, warum: „Wir sind eben Mentalitäts-Monster.“ Wie wahr.

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