Wetschen lässt es nach Aufstieg krachen

Melancholie am Rande des Party-Wahnsinns

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Da ist das Ding, wenn auch nur aus Pappmaschee. Doch das war allen egal. Ausgelassen feierte der TSV Wetschen die Meisterschaft.

Wetschen - Von der Sektdusche durchtränkt, zog sich Thomas Otte erstmal etwas vom Partyzentrum zurück. Der Trainer des TSV Wetschen schaute dem bunten Treiben, dem wilden Gegröle und ausgelassenen Gehüpfe seiner Spieler zu. Er lächelte zwar, doch er war auch traurig. „Es ist ein ganz komisches Gefühl“, räumte der 49-Jährige ein: „Ich empfinde Freude und Trauer zugleich.“

Der Coach hatte die Fußballer des TSV Wetschen gerade zum Aufstieg in die Landesliga geführt. Es war seine letzte Mission gewesen. Otte beendet seine Trainerkarriere, will sich künftig mehr um die Familie und den Beruf kümmern. Doch loslassen konnte und wollte er irgendwie nicht: „Wenn du so eine geile Truppe hast, die sich trotz aller Rückschläge immer wieder aufgerappelt hat, dann fällt einem der Abschied schon schwer.“ Von daher empfand der Coach in der größten Stunde seines Schaffens „einfach nur Leere“.

Die Spieler hingegen ließen es nach dem Abpfiff so richtig krachen. Der harterkämpfte 1:0-Sieg über den TV Stuhr wurde schnell aus den Knochen getanzt. „Campione, Campione“, hallte es immer wieder. Jagdszenen von Spielern, die sich gegenseitig mit Sekt und Bier überschütten wollten, Bierkisten, die gefühlt bereits nach einer Minute leer waren und mittendrin ein Mann, der mit seinem Treffer in der 62. Minute den Erfolg sichergestellt und den TSV Wetschen zum Aufstieg geschossen hatte: Nils Unger. „Aufzusteigen, ist einfach immer geil“, jubelte der „Man of the Match“: „Dass wir das mit dieser jungen Truppe geschafft haben, ist aber etwas ganz Besonderes. Niemand hat uns doch diesen Erfolg zugetraut.“

Die Mannschaft habe in diesem letzten und entscheidenden Spiel noch einmal alles rausgehauen. „Alle waren heiß, haben gekämpft. Wir wollten heute dieses Tor erzwingen“, strahlte Unger. Dabei hatte er seinen Teamkollegen Nino Kröger übersehen. Fatal: Eine komplette Flasche Sekt entlud sich über Unger.

Aufstieg! TSV Wetschen holt die Meisterschaft

Für frische Kleidung hatte inzwischen Spartenleiter Bernd Gildehaus gesorgt, der einen großen Karton mit Meister-T-Shirt anschleppte. Sein Optimismus hatte sich gelohnt. „Wir sind überglücklich, dass es mit dem Aufstieg geklappt hat“, jubelte Gildehaus, während auch er erstmal mit klebriger Flüssigkeit geduscht wurde: „In den letzten Wochen mussten wir durch die vielen Verletzungen immer wieder einstecken. Doch die Mannschaft ist absolut intakt, hat sich nie aufgegeben.“ Jetzt gehe es darum, die Planungen für die Landesliga voranzutreiben. Gildehaus: „Wir wissen, dass es dort schwer für uns wird, aber wir freuen uns darauf. Wir haben noch nie so hoch gespielt.“

Der Aufstieg ist also gleichbedeutend mit dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. „Ich bin jetzt zehn Jahre im Verein, davon gefühlt acht Jahre Kapitän. Ich habe schon viel erlebt. Aber das hier heute ist einfach nur absolut geil“, jubelte der 31-jährige Benjamin Priesmeier.

Und als die erste Schlacht auf dem Feld geschlagen war, ging’s für die Mannschaft hoch auf den grünen Wagen. Ab mit Trecker und Anhänger auf die Ehrenrunde durch den Ort. Natürlich mit reichlich Bier und Kümmerling an Bord – und ohrenbetäubender Musik. Trainer Thomas Otte war auch dabei. Er lächelte nicht nur, er strahlte. Jetzt sah er glücklich aus.

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