Profi-Feeling im warmen Belek

Bezirksliga-Fußballer des TSV Wetschen besuchen Trainingslager in der Türkei

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Strandlauf unter türkischer Morgensonne: So sieht jeden Tag die erste Einheit des TSV Wetschen im Trainingslager aus.

Belek/Wetschen – 20 statt fünf Grad, T-Shirt und Shorts statt Daunenjacke und Mütze, strahlender Sonnenschein statt heftiger Sturmböen. Und Wasser gibt es nicht von oben, sondern nur im Pool und im Meer. Die Bezirksliga-Fußballer des TSV Wetschen sind dem ungemütlichen deutschen Winter entflohen und genießen frühlingshafte Temperaturen im türkischen Belek.

Das Relaxen kommt dort nicht zu kurz – es wird aber auch ordentlich geackert. Beim einwöchigen Trainingslager an der südlichen Mittelmeerküste steht ein strammes Programm auf der Tagesordnung: Strandlauf, Fitness-Studio – und natürlich viel Fußball. „Es ist ja Vorbereitungszeit“, meint Kapitän Sören Sandmann, der – wie wohl alle seine Teamkollegen – noch nie einen solchen Trip gemacht hat. Und der sich deshalb – wie wohl alle seine Teamkollegen – momentan ein wenig wie ein Profi fühlt: „Als Amateur kann man sich kaum vorstellen, das mal so durchzuziehen. Aber es macht echt Spaß.“

Im Sommer sind die Wetscher seit Jahren im Trainingslager in Lastrup – nicht so weit weg und auch nur für ein Wochenende. Dass sich ein Siebtligist zur Einstimmung auf die Rückrunde so lange im Ausland aufhält, ist ziemlich ungewöhnlich – und, trotz Nebensaison, nicht ganz billig. Doch der Verein beteiligt sich, sodass für die Spieler ein überschaubarer Eigenbetrag zu leisten ist.

Belek-Idee stammt von Co-Trainer Friedel Holle

„Wenn man hier so in der Sonne sitzt, fühlt es sich an wie 25 Grad. Ich schwitze wie ein Iltis.“

Wetschens Co-Trainer Friedel Holle über das Wetter im türkischen Belek.

Die Idee, nach Belek zu reisen, stammt von Co-Trainer Friedel Holle – er trägt vor Ort auch die Verantwortung, weil Chefcoach Thomas Otte nicht dabei ist (siehe Kasten). Der 62-jährige Holle ist Stammgast in dem Urlaubsort an der türkischen Riveira, in dem einst gefühlt die Hälfte aller Bundesligisten (unter anderem Werder Bremen) und unzählige ausländische Clubs regelmäßig ihre Winter-Trainingslager abhielten – ehe wegen der unruhigen politischen Lage in der Türkei immer mehr absprangen. Holle kennt sich in Belek bestens aus, vor allem im Fünf-Sterne-Hotel „Spice & Spa“: „Da war ich schon fünfmal.“ Bei seinem Besuch im Oktober 2019 machte er Wetschens Aufenthalt dort dingfest – und erfüllte sich damit „einen Traum. Immer, als ich hier war, habe ich gedacht: Da müssen wir auch mal mit der Mannschaft hin. Das wäre was.“

Alles im Blick: Hendrik Rahe (stehend) leitet in Belek Wetschens Fitness- und Aquajogging-Einheiten.

Gedacht, getan. Am Montagmorgen um fünf Uhr versammelte sich die TSV-Delegation um Clubboss Klaus Recker – insgesamt 20 Personen, davon knapp über ein Dutzend Spieler – in Wetschen und fuhr gemeinsam zum Flughafen nach Hannover. Von da ging es gen Antalya – „in nur knapp drei Stunden, weil wir so starken Rückenwind hatten“, erzählt Holle mit einem Schmunzeln. Am Ankunftstag durften sich die Wetscher noch ein bisschen ausruhen. Seit Dienstag arbeiten sie ihren Trainingsplan ab. Und der sieht täglich um acht Uhr morgens einen Strandlauf vor. Später geht es entweder in die „Muckibude“ oder in den Pool – zum Aquajogging unter Anleitung von Hendrik Rahe. Der ehemalige Wetscher Spieler ist Physiotherapeut, seine Praxis betreut unter anderem die Bundesliga-Basketballer von Rasta Vechta. Aktuell kümmert er sich jedoch voll um seinen TSV Wetschen. Auch im Fitness-Raum, wo er Parcours aufbaut und die Spieler ein bisschen quält.

Um einen der hoteleigenen Fußballplätze nutzen zu dürfen, muss extra gezahlt werden (und zwar nicht wenig) – deshalb haben die Wetscher zunächst nur zwei Einheiten gebucht. „Es gibt auch noch eine kleine Rasenfläche, auf die wir umsonst drauf dürfen“, berichtet Pressewart Maximilian Meyer, der nebenbei das Trainingslager-Tagebuch führt und fleißig die Wetscher Facebook-Seite füttert. Und Holle ergänzt: „Für sportliche Aktivitäten hast du hier so viele Möglichkeiten. Das ist ein kleiner Traum für alle – nicht nur für mich.“

Ein bisschen dabei: Am Fußballplatz in Belek haben die Wetscher mehrere Plakate ihrer Unterstützer aufgehängt – dazu gehört demnach auch das Versicherungsbüro von Coach Thomas Otte, der daheim geblieben ist.

Das Hotel ist zu dieser Jahreszeit alles andere als ausgebucht. Die Wetscher finden es gut. Nicht zu viel Trubel, keine Warteschlangen beim Büfett. Im Speisesaal haben sie ihren eigenen Bereich, direkt daneben sitzen die Fußballer eines russischen Zweitligisten. „Die sind schon seit ein paar Wochen da“, meint Meyer. Kürzlich weilte laut Holle auch Regionalligist 1. FC Saarbrücken im „Spice & Spa“ – und gewann dann sein Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Zweitligist Karlsruher SC mit 5:3 im Elfmeterschießen. „Wer weiß, vielleicht ist das ja ein gutes Omen für unsere Rückrunde“, flachst Holle.

Bei allem Eifer, sich unter türkischer Sonne optimal für den Aufstiegskampf in der Bezirksliga zu präparieren, dürfen die Spieler des Tabellenführers auch mal alle Fünfe gerade sein lassen. „Jeden Tag volle Pulle hält doch keiner durch, das muss man dosieren. Und ein bisschen feiern ist auch erlaubt“, sagt Holle: „Am Dienstag waren die Jungs zum Beispiel im Ort und haben in einer Sportsbar Champions League geguckt.“ Für Donnerstag ist eine gemeinsame Rafting-Tour am nahegelegenen Köprülü Canyon reserviert – einem Hot Spot für die Wildwasserfahrten in Schlauchbooten in dieser Region. „Natürlich steht im Trainingslager die Kameradschaft mit an erster Stelle – und so ein Ausflug ist sicher gut dafür“, glaubt Holle.

Freitag folgt ein normaler Trainingstag, am Samstag können die Spieler auf Shoppingtour gehen, am Sonntagmorgen fliegen sie zurück nach Deutschland. Dann endet das Abenteuer Belek – und die Bezirksliga-Rückrunde kann kommen.

Trainer Otte fehlt: „Es passte leider nicht“

Während sich seine Mannschaft im Trainingslager im türkischen Belek auf die Bezirksliga-Rückrunde einstimmt, sitzt Wetschens Trainer Thomas Otte in seinem Versicherungs-Büro in Lemförde. Ein bisschen neidisch schaut er sich via Facebook die Trainingslager-Fotos an. „Natürlich wäre ich gerne mitgefahren, aber es passte aus beruflichen Gründen leider nicht. Und die Arbeit geht vor“, betont der 54-Jährige. 

Wie der Coach mussten auch mehrere Spieler auf die Reise nach Belek verzichten, weil sie verletzt oder ebenfalls beruflich eingespannt sind. Die Einheiten vor Ort leitet Co-Trainer Friedel Holle – unterstützt von Mittelfeldmann Erdal Ölge (31), der eine B-Lizenz besitzt. Otte, der im Sommer Sportlicher Leiter in Wetschen wird und sein aktuelles Amt an Oliver Marcordes (zuletzt TuS Wagenfeld) übergibt, hat die Trainingsinhalte mit Holle besprochen: An Schnelligkeit und Spritzigkeit soll besonders gearbeitet werden. Das Team sei „nicht nur zum Vergnügen“ in Belek, unterstreicht Otte.

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