„Was macht eigentlich?“ – Teil I

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Michael Schulz und seine Frau Kyra auf Ibiza
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Ibiza – Sonne und Strand: Im Norden der Baleareninsel hat Michael Schulz ein Haus – und ist mit seiner Frau Kyra etwa zweieinhalb Monate pro Jahr dort. Das gemeinsame Bild ist während eines Besuchs bei Freunden entstanden.

Michael Schulz plaudert aus dem Nähkästchen. Ibiza, Traditionsmannschaften und Hobbys sind nur ein paar der zahlreichen Themen. Für den ehemaligen Fußballprofi könnte es in seiner Karriere nach der Karriere kaum besser laufen.

  • Zweieinhalb Monate im Jahr verbringt Schulz auf Ibiza.
  • Nach wie vor hat Vieles in seinem Leben mit Fußball zu tun.
  • Der Ex-Werderaner ist mittlerweile sogar Spielerberater – obwohl er das eigentlich nie sein wollte.

Ibiza/Sulingen – Der Grund des Anrufs war eigentlich die Lokalsportserie „Lost Places“. Und das Bürgerparkstadion in Sulingen, wo Michael Schulz einst in der Jugend gespielt hatte. Doch wenn der ehemalige Fußballprofi (Kaiserslautern, Dortmund und Werder) schon mal an der Strippe ist, kann er ja auch noch ein bisschen über seine Karriere plaudern – und darüber, was er danach alles gemacht hat und macht.

Der 59-Jährige sitzt ganz entspannt auf der Terrasse seines Hauses auf Ibiza, verrät ein paar herrliche Anekdoten, spricht auch über seinen späten Start als Profi, seine schwerste Zeit im Fußball, Ex-Club Werder Bremen und seine Frisur. Schnell werden dabei zwei Dinge klar. Erstens: Schulz trägt das Herz auf der Zunge und spottet auch gerne mal ein bisschen über sich selbst. Zweitens: Die Flut an gutem Material ist zu viel für nur einen Text – deshalb folgt am Montag Teil zwei.

Steckbrief

Name: Michael Schulz

Alter: 59 Jahre

Wohnort: Bergisch Gladbach

Beruf: Spielerberater – „und Tausendsassa“, wie er mit einem Schmunzeln ergänzt.

Größter sportlicher Erfolg: Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. „Ich war erst ein Jahr Profi, das war mein Durchbruch und echt etwas Besonderes“, erinnert sich Schulz und schwärmt: „Dort habe ich das erste Mal vor 100 000 Zuschauern gespielt – ein gigantisches Erlebnis für einen Newcomer wie mich, der etwa ein Jahr vorher noch in der Amateur-Oberliga gespielt hat.“

Vereine: TuS Nettlingen, TuS Sulingen, TuS Syke, VfB Oldenburg, 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund, Werder Bremen – 243 Bundesliga-Spiele (neun Tore), sieben A-Länderspiele für Deutschland.

Familienstand: verheiratet mit Kyra

Hobbys: Skifahren („nach der Fußball-Karriere echt exzessiv“), Radfahren („wilde Touren, zum Beispiel durch die Schweizer Berge“), Holzhacken und Sägen.

Ibiza

Seinen Hauptwohnsitz hat Schulz in Bergisch Gladbach nahe Köln. Etwa zweieinhalb Monate im Jahr weilt er auf seiner Lieblingsinsel – immer in den Ferien, weil seine Frau Kyra Studiendirektorin (Fachleiterin für Spanisch) ist. In San Carlos im Norden, „der ursprünglichen und gemütlichen Hippie-Gegend“, besitzt er ein Haus. Während der Osterferien waren die beiden gerade für knapp zwei Wochen dort, sind gestern zurückgekommen. Immer dabei: Hundedame Amy (ein Mix aus West Highland Terrier und Cocker Spaniel) und die beiden sibirischen Waldkatzen Geni und Lia. „Auch die Tiere lieben Ibiza“, sagt Schulz. Das Reisen im Flugzeug seien sie gewohnt. Amy ist sogar auf der Baleareninsel geboren.

Natürlich musste das Ehepaar Schulz während seines Trips penibel auf die Corona-Regeln achten – etwa Tests bei Ein- und Ausreise. „Auf Ibiza ist es viel strenger als in Deutschland“, berichtet Schulz: „Man muss überall mit Maske rumlaufen, darf auf der Straße nicht rauchen, ab 17 Uhr machen die wenigen geöffneten Restaurants zu, ab 22 Uhr gibt es eine Ausgangssperre. Und die passen auf wie die Luchse.“ Insgesamt sei kaum etwas los gewesen.

Mulmig war Schulz wegen der Reiserei nicht zumute: „Es war ein normales Risiko – wie bei uns beim Einkaufen. Ich habe da überhaupt kein schlechtes Gefühl.“

Liebe zur Tradition

Fast 60, aber immer noch fleißig am Ball. Bevor Corona kam, spielte Schulz regelmäßig in den Traditionsteams von Werder Bremen, Borussia Dortmund und der deutschen Nationalmannschaft: „Ich habe das immer sehr gerne gemacht, wegen der Pandemie ist es aber ein bisschen eingeschlafen.“

Vor allem die Auftritte mit der DFB-Truppe, viele Jahre organisiert vom früheren Werder-Keeper und Nationalspieler Dieter Burdenski, sind ihm noch in bester Erinnerung: „Super-Reisen, wunderschön und unvergesslich. Wir sind oft in Ländern gewesen, wo man sonst eher nicht hinkommt: Kasachstan, Philippinen, Südafrika, Namibia, Kosovo, China, Vietnam.“ Wie es weitergeht, ist offen. „Ob ich mit 60 noch mal reaktiviert werde, weiß ich nicht“, sagt Schulz und grinst.

Südafrika: Mit der deutschen Traditions-Nationalmannschaft kam Schulz enorm viel herum. In Südafrika ließ er sich hinter weißen Löwen ablichten.

Neben dem Fußball begeistert er sich für das Radfahren, berichtet von einer „krassen Tour“ durch die Schweizer Berge: 180 Kilometer pro Tag bei 4000 Höhenmetern. Und auf Skiern ist er auch liebend gerne unterwegs, etwa beim Freeriden in Kanada: „Wenn mich einer fragt, was ich nach der Karriere mache, sage ich: Skifahren.“

Kanada: Skifahren gehört zu den liebsten Hobbys des 59-Jährigen. Dieses dynamische Motiv entstand beim Freeriden in Kanada.

Karriere nach der Karriere

Scheu vor Neuem kann man Schulz wahrlich nicht vorwerfen. Seit dem Ende der Profilaufbahn ist er enorm experimentierfreudig: „Ich mache alles, was kommt.“ Allerdings lasse er es dabei „gemütlich angehen“ und sich „treiben“. Fast alles hat mit Fußball zu tun, „obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte. Aber jetzt weiß ich: Es ist eine schöne Sache.“

Trainingscamps für Nachwuchsfußballer hat er betreut, Kolumnen für Zeitungen geschrieben, verschiedene Veranstaltungen moderiert – unter anderem auch mal in der Südsee und auf Grönland. Bei Radio 91,2 im Ruhrpott ist er häufig zu hören und fachsimpelt vor allem über seinen früheren Club Borussia Dortmund. Mit Mathias Scherff, dem Chefredakteur des Senders, macht er seit geraumer Zeit den Podcast „die Vorstopper“. „Locker-flockig aus dem Herzen“, umschreibt es Schulz: „Wir bekommen da ein gutes Feedback.“ Außerdem ist er regelmäßig Gast bei den Bühnenshows des WDR-Sportmoderators Sven Pistor und Experte in verschiedenen TV-Sendungen.

Grönland: Schulz hat als Nebenjob unterschiedliche Veranstaltungen moderiert – auch mal auf Grönland. Das Bad im eisigen Wasser machte offensichtlich Spaß.

Die Trainer-A-Lizenz hat er auch gemacht, aber „mehr oder weniger vorsichtshalber“, meint Schulz und schmunzelt: „Das war eigentlich nie mein Ziel – wobei ich jetzt manchmal denke: Vielleicht habe ich das doch zu früh abgehakt.“ Zu den bereits genannten kamen auch noch diese zwei Jobs:

Möbelverkäufer: „Eigentlich wollte ich nach der Karriere Möbel verkaufen. Schon während meiner Profizeit habe ich damit angefangen“, verrät Schulz. Er hatte einen Kumpel, der in einer Speditionshalle hochwertige Ledermöbel anbot: „Da habe ich selbst mal gekauft – und mich dann dort als Verkäufer bewährt.“

TV-Reporter: Kurz vor dem Ende seiner Profikarriere habe der aus Twistringen stammende Reinhold Beckmann („wir haben viel Kontakt und sind befreundet“) angerufen und gefragt: „Haste nicht Lust aufs Fernsehen?“ Schulz überlegte nicht lange und sagte zu, „einfach auf blauen Dunst“. Er begann als Field Reporter bei „ran“, war später unter anderem beim DSF, „arena“ und „Liga Total“. „Die Sender wurden Ende der 90er-, Anfang der 2000er-Jahre hin- und hergeschachert, das war echt wild“, erinnert sich Schulz.

Arena: Als TV-Reporter, hier für den längst nicht mehr existierenden Bezahlsender „arena“, hatte Schulz viele Fußballgrößen am Mikro – 2006 auch Jürgen Klopp.

Anfangs habe der Rollentausch vom Befragten zum Fragesteller „viel Spaß gemacht. Ich habe da auch viel gelernt und noch andere Sachen ausprobiert“, erzählt der Ex-Profi. Kurze Filme erstellen, längere Interviews führen, selbst Spiele kommentieren („nicht so mein Ding“) und den Kommentatoren assistieren – zum Beispiel Werner Hansch und Erich Laaser in der Champions League. Doch irgendwann „war die Luft raus“, sagt Schulz: „In einer Reihe anstellen, nur 30 Sekunden pro Interview, kaum noch Kontakt zu den Spielern: Das war nicht mehr meine Welt.“ Vor etwa zehn Jahren hörte er auf, widmete sich einer neuen Aufgabe.

Spielerberater

Stefan Backs, „ein Kollege, den ich von Sat.1 kannte“, wollte Schulz für seine Agentur – heißt inzwischen „Siebert & Backs“ – gewinnen. Doch der frühere Sulinger winkte zunächst empört ab: „Das war das Allerletzte, was ich machen wollte. Ich fand diese Menschen schrecklich – und sie hatten seinerzeit einen ganz, ganz schlechten Ruf. Wer da alles als Spielerberater rumgelaufen ist...“ Doch Backs blieb beharrlich und überzeugte Schulz von seinem Konzept, das in etwa so aussieht: Talente behutsam ans Profigeschäft ranführen, mit den Eltern sprechen, Vertrauen aufbauen, einen engen, persönlichen Kontakt pflegen – und diese Spieler dann möglichst bis zum Ende der Karriere betreuen. „Ich habe gesagt: Gut, wir können es mal versuchen“, erinnert sich Schulz. Seit dem Einstieg 2012 profitiere er im neuen Hauptjob von seinen Kontakten ins Fußballgeschäft.

Sein erster fester Klient war Jan Rosenthal: „Mit seinem Vater habe ich früher in Sulingen zusammengespielt.“ Den Staffhorster habe er seit dessen Zeit in der Jugend von Hannover 96 begleitet. Nach den „Roten“ folgten Stationen beim SC Freiburg, Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98. 2018 beendete Rosenthal seine professionelle Karriere und lebt inzwischen mit der Familie in Oldenburg.

Auch Marco Höger (einst Aachen, dann Schalke, nun Köln) und den früheren Leverkusener Jens Hegeler betreut(e) Schulz. Und er urteilt: „Wir waren und sind sehr erfolgreich mit dem Konzept, nicht zu viele Spieler zu haben. Und wir sind zufrieden, weil fast keiner von uns weggegangen ist.“

Ich mache viel, kann aber nichts wirklich – und trotzdem läuft‘s irgendwie immer.

Michael Schulz mit einem Schmunzeln über seine Jobs.

Zu den Kunden der Agentur gehören zudem die Torhüter Alexander Nübel (Bayern München) und Ralf Fährmann (Schalke), um die sich Backs kümmert. Auch Trainer sind inzwischen dabei, beispielsweise Andre Breitenreiter oder Ewald Lienen.

Der Wandel im Profifußball gefällt Schulz jedoch nicht. „Es ist brutal geworden, auch in unserem Metier als Berater. Da gibt es jetzt internationale Megafirmen, die Vertragsgespräche auf Yachten im Mittelmeer führen. Man kommt kaum noch an die jungen Spieler heran, die Zeiten haben sich gewaltig geändert.“

Natürlich gebe es bei den Talenten nach wie vor „nette und clevere Jungs“, aber eben auch zunehmend welche, die schnell zum Abheben neigen: „Der Anteil derer, die nicht mehr auf dieser Erde leben, steigt. Wenn sie im Jugendalter mal das Trikot eines Bundesliga-Vereins übergestreift haben, sehen sich viele schon mit Champagnerglas in der Vip-Loge stehen. Mit denen kann man fast kein normales Wort mehr wechseln. Das gilt natürlich nicht für alle, aber für überraschend viele.“

Teil II

Am Montag blickt Michael Schulz auf seine aktive Karriere zurück, spricht über Werder Bremen und verrät, warum er ein Faible für lange Haare hat.

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