Serie „Ungewöhnliche Sportarten“

Baseball bei Barrier Green Bears: „Wer das Spiel versteht, hat den Erfolg“

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Volle Konzentration auf den Ball: Patrick Neddermann (2.v.r.) geht in der kommenden Saison mit den Barrier Green Bears in der Landesliga an den Start.

Im Herbst 2005 traf sich eine Handvoll Menschen aus Syke und dem Umland mit der Idee, eine Baseball-Mannschaft zu gründen. Ohne jegliche Vorkenntnisse über den Sport oder die Organisation folgten mehrere Treffen, in denen zunächst grundlegende Dinge geklärt werden mussten.

Barrien - Von Julian Diekmann. Zuerst: Wie soll die Mannschaft heißen? Aus mehreren Vorschlägen, wie zum Beispiel „Red Diamonds“ oder „Yankees“, einigten sie sich schließlich auf den Namen „Green Bears“. Und der Name hat ganz klar Lokalkolorit: Der Bär ist Sykes Wappentier, die Farbe Grün kommt vom Syker Werbespruch „Die lebendige Stadt im Grünen“. Und so jagen die grünen Bären, wie sich das Baseball-Team des TSV Barrien nennt, nun schon seit über 13 Jahren dem kleinen Ball aus Kork und Leder hinterher.

Doch es war alles andere als einfach, die vor allem bei US-Amerikanern beliebte Sportart aus der Taufe zu heben. „Als Nächstes musste die Frage geklärt werden, ob wir einen eigenen Verein gründen oder uns einem bereits bestehenden anschließen. Schnell wurde klar, dass wir der Herausforderung, einen eigenen Club zu gründen, nicht gewachsen waren. Also begaben wir uns auf die Suche nach einem Verein in Syke und umzu, der uns aufnehmen würde“, berichtet Karsten Bonhuis, Spartenleiter der Green Bears. 

„Viele Vereine haben aber von vornherein abgewunken“, erinnert sich Pressewart Daniel Niebuhr noch gut zurück. Sie seien nicht bereit gewesen, den Sportplatz mit den jeweiligen Fußballmannschaften zu teilen, so Bonhuis: „Außerdem hatte man Bedenken, dass deren Plätze beschädigt werden könnten.“ Doch beim TSV Barrien stießen die Green Bears nicht auf taube Ohren. „Dort zeigte man gleich Interesse an uns, da sich der TSV Barrien auf die Fahne schreibt, auch außergewöhnliche Sportarten anzubieten. Als man auch noch bereit war, uns den Sportplatz neben den Fußballern zur Verfügung zu stellen, waren die Weichen gestellt“, erläutert Niebuhr.

Nachdem einige erfahrene Spieler von aufgelösten Teams aus der Umgebung – wie zum Beispiel den Weyhe Wizards oder Wahnebergen Wombats – dazugekommen waren, hatten die Green Bears in ihrer ersten Saison die Bezirksliga-Meisterschaft nur denkbar knapp verpasst. Nicht schlecht für eine Mannschaft, die gerade neu gegründet worden war.

Auch ohne die Regeln genau zu verstehen, weiß selbst der Laie, dass sich bei dem US-Sport alles um den Homerun dreht. Er zählt im Baseball zweifelsohne zur Königsdisziplin. „Nur leider habe ich noch nie einen geschlagen“, erklärt Bonhuis: „Ich weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt“, sagt er fast schon entschuldigend. „Ich dagegen schon“, grätscht Alexander Möller, Bonhuis’ Teamkollege bei den Green Bears, sofort dazwischen. „Das Gefühl ist einfach mega. Du kannst entspannt deine Runde laufen und dich von deinen Teamkollegen schön abfeiern lassen. Das ist schon etwas Feines“, findet Möller: „Auf dieses Erlebnis musste ich aber lange genug warten. Denn zuvor ist mir das noch nie gelungen.“ Auf Homerun Nummer zwei wartet Möller bis heute.

Die Barrier Baseball-Mannschaft Green Bears (obere Reihe von links): Jens Rogge, Christian Reinsdorf, Vitalij Feil, Alexander Möller, Christian Taphorn. Untere Reihe (v.l.): Tobias Legenhausen, Patrick Neddermann, Maik Stegemann, Karsten Bonhuis. Es fehlen: Danny Behrends, Sven Fußbroich, Hauke Fallenbeck, Daniel Niebuhr, Carina Titz.

Das macht einmal mehr deutlich, wie schwer und kompliziert die Sportart am Ende ist. „Ich lerne selbst heute noch dazu. Es braucht einfach Zeit, um die vielen Regeln zu verinnerlichen“, gesteht Bonhuis, der sich 2012 den Green Bears anschloss.

Dafür versucht Niebuhr, die Regeln mal genauer darzustellen: „Vereinfacht gesagt, ist Baseball dem Brennball sehr ähnlich. Der Pitcher, also der Werfer, will verhindern, dass der Schlagmann den Ball trifft. Der wiederum will den Ball ins Spiel bringen und dann um die Bases laufen, um zu punkten. 

Es ist das immer junge psychologische Duell Pitcher gegen Schlagmann: Jeder versucht, den anderen zu überraschen. Baseball erfordert viel Konzentration. In der Defensive weißt du nie, wann du eingreifen musst. Es gibt viele taktische Mittel im Angriff wie auch in der Verteidigung.“ Weiter erklärt der Pressewart: „Ich persönlich liebe am Baseball, dass jeder es spielen kann. Man muss kein Modell-Athlet sein, um Erfolgserlebnisse zu haben. Wer den Ball weit schlagen kann, muss nicht unbedingt auch schnell sein. Wer schnell ist, muss den Ball nicht unbedingt weit schlagen – ideal ist natürlich beides. Wer das Spiel versteht, hat den meisten Erfolg.“

Und so ein Spiel kann sich gut und gerne auch mal über mehrere Stunden hinziehen. „Meine längste Partie ging weit über viereinhalb Stunden“, berichtet Bonhuis: „Im Schnitt geht eine normal verlaufende Begegnung drei Stunden.“ Viel Zeit für Hobbysportler, die nebenbei noch Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen. „Wir opfern alle sehr viel Freizeit für unseren Sport“, betont der Spartenleiter. Baseball bleibt eben eine zeitintensive Sportart.

Die von Bonhuis und Co. aber mit voller Hingabe praktiziert wird. Zweimal wöchentlich trifft sich das Team, um für jeweils drei Stunden zu trainieren. „Gerade ist aber Winterpause. Da gehen wir dann nur einmal in der Woche für zwei Stunden in die Halle“, berichtet Barriens Spartenleiter: „Aber auch das Sommer-Training ist witterungsabhängig. Bei gutem Wetter an einem langen Sommerabend trainieren wir auch schon mal länger. Bei Regen fällt das Training dagegen aus.“

Zwar birgt Baseball aus Sicht von Bonhuis im Vergleich zum Fußball weniger Verletzungsgefahr, doch wenn es zu Unfällen kommt, seien sie meist schwerwiegender: „Einmal habe ich miterlebt, wie ein Ball einen Spieler genau im Gesicht getroffen hat. Er hatte nicht nur einen Cut unter dem Auge, sondern gleichzeitig auch einen Jochbeinbruch. Typische Verletzungen im Baseball sind aber eher blaue Flecken oder Überbelastungen der Schultern.“

Und dass Baseball im Gegensatz zu Fußball in Deutschland eher ein Schattendasein fristet, liegt laut Barriens Spartenleiter vor allem an einer Komponente: „Baseball hat bei den TV-Anstalten keine Lobby, läuft nicht im Fernsehen. Bei den Kindern ist der Sport somit nicht auf dem Schirm. Sie gehen dann lieber zum Fußball. Es ist und bleibt eben eine typische amerikanische Sportart, die zudem von reichlich Unterbrechungen geprägt ist. Und die vielen Regeln tun ihr Übriges. Selbst die Schiedsrichter bei den Ligaspielen wissen manchmal nicht richtig Bescheid, müssen sich dann erst mal mit den anderen Referees beratschlagen.“

Das hält die begeisterten Baseballer aber nicht davon ab, ihren Lieblingssport auszuüben. Im Gegenteil: „Jeder im Verein ist willkommen. Egal, ob jemand Vorkenntnisse hat oder nicht. Auch Frauen sind gerne gesehen“, wirbt Bonhuis um Nachwuchs. Denn anders als im Fußball gibt es im Baseball gemischte Teams.

Los geht es für die Barrier Landesliga-Baseballer, die zur neuen Saison eine Spielgemeinschaft mit den Löningen Tigers bilden, Anfang April. Und vielleicht klappt es dann ja bei Bonhuis auch mit dem einen oder anderen Homerun . . .

Infos: Green Bears suchen Nachwuchs

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es ist, Baseball zu spielen, der kann sich bei Spartenleiter Karsten Bonhuis unter der Telefonnummer 04242/5090010 oder Handynummer 0177/7546419 melden. 

„Unsere Spieler kommen überwiegend aus Syke und Weyhe, einzelne kommen aus Twistringen, Bruchhausen-Vilsen, Bassum, Sulingen, Schwaförden und Hoya. Stuhr und Thedinghausen sind zurzeit noch weiße Flecken auf unserer Mitglieder-Landkarte“, berichtet Bonhuis: „Wir sind alle zwischen 14 und 54 Jahren alt.“ 

Alternativ steht auch die E-Mail-Adresse karsten@green-bears.de zur Verfügung. „Jeder ist willkommen“, betont Barriens Spartenleiter: „Egal, ob jemand nur mal reinschnuppern möchte oder längerfristig Baseball spielen möchte. Auch Frauen sind bei uns gerne gesehen, da wir eine gemischte Mannschaft stellen.“

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