Michael Preuß aus Dreeke hilft als DFB-Informatiker

Wenn Lewandowski in der Startef fehlt. . .

DFB-Präsident Fritz Keller mit Michael Preuß aus Dreeke
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Flache Hierarchien: Dieses Erinnerungsbild mit DFB-Präsident Fritz Keller ließ Michael Preuß während der Weihnachtsfeier 2019 – also vor Corona – knipsen.

Für Informatiker Michael Preuß ist kein Arbeitstag wie der andere: Mal hat der Informatiker in Diensten des DFB Bereitschaftsdienste für Bundesliga-Spiele, mal muss er sich nach Niederlagen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um E-Mails verärgerter Fans kümmern, mal hilft er Ehrenamtlichen oder Nachwuchskickern, dass alles für den Online-Spielbericht abläuft. Das alles erledigt der 52-Jährige inzwischen alles aus seinem Homeoffice bei Barnstorf im Kreis Diepholz.

  • Früher bekannt als Fußballer beim Barnstorfer SV, heute hauptamtlich beim DFB: Michael Preuß hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
  • Der Informatiker pflegt, verwaltet und erweitert das DFBnet - und hat dabei auch mit Bundesliga-Offiziellen zu tun.
  • Und es kann schon mal vorkommen, dass das ZDF anruft und fragt, wer ins „Aktuelle Sportstudio“ eingeladen werden soll.

Dreeke – Manchmal dreht sich das ganz große Bundesliga-Rad auch ein bisschen vom kleinen Dorf Dreeke aus. Dann ruft schon mal ein Mannschaftsverantwortlicher bei Michael Preuß im Homeoffice an und beichtet, dass er seine Benutzererkennung vergessen hat oder den Online-Spielbericht fehlerhaft freigegeben hat. „Plötzlich stellt er zum Beispiel fest, dass ein Robert Lewandowski nicht in der Startelf steht“, berichtet Preuß. „So etwas passiert – in der Bundesliga genauso wie in der Kreisklasse. Aber von den Team-Offiziellen kommt dann keiner mehr ran.“ Preuß schon. Der Informatiker arbeitet seit gut eineinhalb Jahren hauptberuflich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), verwaltet, erweitert und erneuert mit seinen Kollegen im „Anwendersupport“ samt vielen Entwicklern und Projektleitern das DFBnet. Das wiederum liefert alle Daten für die Seite fussball.de, mit jährlichen Klickzahlen im Milliardenbereich eine der erfolgreichsten deutschen Internet-Präsenzen.

Die jüngsten „Visits“ von Fans auf diesem Onlineportal fielen wegen des wochenlangen Lockdowns zwangsläufig geringer aus. Doch nach dem ersten Corona-bedingten Abpfiff im März „hatten wir mehr zu tun als sonst“, erinnert sich der Familienvater an den massenhaften Ausfall der Partien. Diese traurige Pflicht werden die haupt- und ehrenamtlichen Verantwortlichen in den 26 Regional- und Landesverbänden nach dem jetzt erneut verlängerten Lockdown wohl weiter erfüllen müssen. Allein im November fielen bundesweit bis zu 140 000 Partien weg. „Das Absetzen allein dieser Spiele löste E-Mails im siebenstelligen Bereich an Vereine, Schiedsrichter und Staffelleiter aus, die ja auf diesem Weg vom Ausfall benachrichtigt werden“, verdeutlicht Preuß. Um dieser Flut an elektronischer Post standzuhalten, verbesserten die IT-Fachleute des DFB zusammen mit den Verbänden die Software. Erfahrene Spielplaner setzten die Begegnungen ohnehin in kleineren Blöcken zeitversetzt ab, um die Systeme zu entlasten. So gehe auch der Diepholzer Spielausschuss-Chef Michael Steen vor, „mit dem ich nach wie vor in gutem Kontakt stehe“, berichtet Preuß.

Michael Preuß: Noch heute ehrenamtlich im Fußballkreis aktiv

Denn im Diepholzer Fußballkreis begann er um die Jahrtausendwende als Hobby mit dem, was er inzwischen seinen „Traumberuf“ nennt.

„Mitverantwortlich“ waren seine Eltern Margreth und Peter, beide dem Fußball eng verbunden und jahrzehntelang Staffelleiter im Kreis Diepholz. „Sie baten mich, den damaligen Spielausschussvorsitzenden Fritz Bünte in der EDV zu unterstützen“, erinnert sich der heute 52-Jährige an die Anfänge der Ergebnismeldungen per BTX. Es folgten weitere Programme und Quantensprünge, nach und nach vertrat er Bünte öfter als Referent bei Schulungen im Barsinghauser Hauptquartier des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV). Dabei lief er seinem heutigen Chef Thomas Heyne über den Weg. „Ich habe ihn damals damit konfrontiert, dass im DFBnet an der Einstellung eines Filters etwas nicht stimmte. Vielleicht hat er sich deshalb beim Vorstellungsgespräch auch an mich erinnert“, scherzt der Mann, der „nebenher“ bis heute für den Fußballkreis ehrenamtlich als EDV-Referent aktiv ist.

Seit der Pandemie auf Distanz und doch eng vernetzt: Homeoffice und Videokonferenzen mit den Kollegen des DFBnet zählen für Preuß seit März zum Alltag. Von seinem Büro in Dreeke bei Barnstorf kann er aber alles erledigen.

Preuß bekam die Zusage für den Job in Hannover. Ehefrau Britta und die inzwischen zwölfjährige Tochter Jana standen hinter seinem Wunsch, der allerdings mit dem Umzug an die Leine verbunden war. „Britta kennt mich ja nicht anders“, sagt er über seine Leidenschaft für den Fußball, die ihn zu aktiven Zeiten allerdings nur für die Saison 1998/99 bis zum gut 20 Kilometer entfernten SC Twistringen gezogen hatte – davor und danach blieb er „seinem“ Barnstorfer SV treu. Mitte 2018 nun bezog er seinen Arbeitsplatz in der Landeshauptstadt, den er jedoch seit März nicht mehr gesehen hat. „Für uns als Familie ist Homeoffice natürlich besser, als wenn ich unter der Woche abends in meiner Eineinhalb-Zimmer-Wohnung in Hannover hocke.“ Diese Tage scheinen aber ohnehin gezählt, denn für Anfang kommenden Jahres steht der Umzug seiner Abteilung in die neue DFB-Akademie an.

Doch auch von daheim aus kann Michael Preuß alles erledigen, was zu seinen Aufgaben gehört. Etwa Bereitschaftsdienste für eingangs beschriebene Bundesliga-Spiele bis hinab zur 3. Liga. Oder das Unterstützen von Vereins- oder Verbandsfunktionären bei der Datenpflege des kompletten DFBnets, das die IT-Prozesse des deutschen Fußballs komplett verwaltet.

Wer schafft’s ins ZDF? Preuß weiß es

Hat ein neu ins Amt gewählter Kassenwart in einem Club der Republik noch keine Benutzerdaten – Preuß oder die Kollegen wissen weiter. Klagt ein Kicker über Probleme beim Hochladen des Fotos für den Online-Spielbericht – der Fehler ist schnell ausgebügelt. Quillt das DFB-Postfach nach Desastern wie der deutschen 0:6-Schlappe gegen Spanien Mitte November über – das Team sichtet alle E-Mails der verärgerten Fans und leitet sie an die richtige Stelle. „Jede Mail wird beantwortet – das ist beim DFB Pflicht“, betont Preuß.

Aus der Ruhe bringt ihn inzwischen nicht mehr viel. „Am Anfang war ich aber ziemlich nervös – etwa, als mich mal das ZDF anrief und wissen wollte, wer in dieser Woche zum Torwandschießen ins Sportstudio eingeladen werden sollte“, erinnert sich der Dreeker grinsend. Denn die Abstimmung über die Bewerbungsvideos der Amateurkicker läuft über fussball.de – und fällt damit wieder ins Ressort von Preuß und seinen Kollegen, zu denen Bundesliga-Schiedsrichter Robert Schröder ebenso zählt wie andere Fachleute, „die in ihrem IT-Bereich genial sind, mit Fußball aber sonst nicht so viel am Hut haben“, umschreibt Preuß die homogene Mischung.

Er kann es auch noch als Aktiver: 2019 sicherte sich Preuß (rechts, hier mit Torwart Torben Kolkhorst und Marc Pallentien) mit dem Barnstorfer SV die Niedersachsenmeisterschaft der Ü 40-Fußballer.

Obwohl sich manche Anwender-Probleme und Anfragen mit der Zeit ähneln – es gibt noch immer etwas Neues. „Ich habe zwar eine 40-Stunden-Woche – aber die Gefahr besteht schon, dass man sich abends an einem Problem festbeißt und die Zeit vergisst.“ So half Preuß zum Ende der abgebrochenen Saison beim Programmieren der Abschlusstabellen nach Quotientenregelung – als Mann von der Fußball-Basis war er da ein willkommener Ansprechpartner. Oder er arbeitete an den durch Corona zwangsläufig stärker nachgefragten Online-Kursmodulen. „Zuletzt ging es um Lehrgänge der Schiedsrichter oder zum Pass- und Lizenzwesen, die damit verbundenen Buchungen und Gebühren“, schildert Preuß: „Alles wird übers DFBnet abgewickelt. Jetzt müssen wir da wieder ran – um von 16 Prozent Mehrwertsteuer auf 19 Prozent zurückzukehren.“

Eine Rückkehr in viel frühere Zeiten würde sich der leidenschaftliche Altliga-Akteur manchmal wünschen, wenn er am Telefon über aktuelle Probleme wie das des Datenschutzes diskutiert: „Da rufen schon mal Eltern an und beschweren sich, dass die zwei Tore ihres Sohnes nicht bei fussball.de aufgeführt sind. Dabei haben sie oft selbst dafür gesorgt, dass der Name nicht veröffentlicht werden soll. Dann frage ich mich: Seid Ihr sicher, dass Euer Kind nicht einfach nur Fußball spielen will?“

Neue Projekte: Frisches Gesicht für „fussball.de“ und Amateur-Fancard

Die Kollegen im „Anwendersupport“ des DFBnet sind für 21 Regional- und Landesverbände innerhalb des DFB zuständig. „Da ist es nicht immer leicht, den Überblick zu wahren – denn Fußball wird zwar überall nach den gleichen Regen gespielt, aber vielerorts technisch anders dargestellt“, verdeutlicht Michael Preuß aus Dreeke, der dieses DFBnet hauptberuflich mitbetreut. Als Beispiel nennt er die Tatsache, dass Niedersachsen die Ergebnisse von F- und G-Jugend-Spielen nicht veröffentlicht, andere Länder hingegen schon. „Auch die Regelung bei zweiten Mannschaften ist kurios: Bei uns reden wir zum Beispiel vom Barnstorfer SV II, in Baden-Württemberg heißt das ,Herren-Reserve‘.“

Der 52-Jährige sowie die Entwickler und Programmierer in Diensten der DFB GmbH hätten auch ohne Corona genug zu tun, doch auf die Pandemie haben sie ebenfalls reagiert. Als ein Beispiel nennt Informatiker Preuß die neue DFB-Fancard. „Dadurch spart sich der Zuschauer das Ausfüllen des Formulars mit den Kontaktdaten am Eingang zum Sportplatz“, schildert der 52-Jährige: „Man lässt sich über fussball.de registrieren, gibt dort seine Adresse und alles Weitere ein und bekommt einen QR-Code zugeschickt, den man am Einlass vorzeigt und scannen lässt.“

Unabhängig von Corona war eine neue Benutzeroberfläche für das Portal fussball.de geplant. Inzwischen ist das Projekt so weit vorangeschritten, dass das neue Erscheinungsbild Mitte dieses Jahres an den Start gehen soll.

Für die IT-Experten beim DFB gibt es also immer was zu tun – selbst in Zeiten von Fußball-Zwangspausen.

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