Serie „Familienbande“

Im Hause Hülss dreht sich viel um das Laufen

Springen ins Croslauf-Glück: Saskia, Lina, Moritz und Carsten Hülsss (von links) mit ihren Weyher-Wildcats-Shirts, mit denen sie als vereinslose Starter früher mal viel unterwegs waren, bevor sie sich „echten“ Vereinen angeschlossen haben.
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Springen ins Croslauf-Glück: Saskia, Lina, Moritz und Carsten Hülsss (von links) mit ihren Weyher-Wildcats-Shirts, mit denen sie als vereinslose Starter früher mal viel unterwegs waren, bevor sie sich „echten“ Vereinen angeschlossen haben.

Carsten Hülss hatte eigentlich schon mit dem Laufen abgeschlossen. Seine Tochter Lina hat ihn aber zu einem Comeback überredet. Seit dieser Zeit laufen auch Ehefrau Saskia und Sohn Moritz bei Wettkämpfen.

  • Nach dem Comeback von Carsten Hülss Familie als vereinslose Starter unterwegs
  • Tochter Lina und Sohn Moritz laufen möglichst getrennt
  • Kein Gedanke an Wechsel zum Duathlon

Weyhe - Eigentlich hatte Carsten Hülss mit der Leichtathletik im Leistungssport-Modus seit der Jahrtausend-Wende abgeschlossen. Der jetzt 45-Jährige erinnert sich noch gut: „Damals standen andere Dinge, wie Abitur, berufliche Ausbildung und Familie im Vordergrund.“ Dabei war Hülss, der jetzt in Weyhe wohnt, als Teenager sehr gut unterwegs, holte im Trikot der LG Kreis Verden diverse Titel und liebte neben dem Laufen auch das Radfahren beim RSV Bruchhausen-Vilsen.

Eigentlich sieht es in den Familien ja oft so aus, dass die Eltern ihren Kindern ein Sportangebot machen und sich dann freuen, wenn sie es auch mit Leidenschaft annehmen. In der Familie Hülss lief es vor etwa sechs Jahren anders. Tochter Lina (jetzt 16 Jahre alt) hatte sich zum Syke-Weyher-Cross-Fünfer angemeldet. Ein Lauf dieser Serie (gibt es in dieser Form nicht mehr) fand auch immer im Melchiorshauser Waldkater statt. Lina drängte ihren Papa, dass er doch auch mitlaufen könnte. Carsten überlegte, gab dann seine Zusage und damit war die alte Leidenschaft wieder entfacht. Zunächst trat die Familie (Ehefrau Saskia und Sohn Moritz gehören auch dazu) bei diversen Wettkämpfen als vereinslose Starter an. Dass Carsten Hülss nicht unbedingt mit seinen Erfolgen aus der Jugendzeit prahlte, zeigt der Ausspruch von Lina: „Ich wusste gar nicht, dass Papa früher mal echt gut und erfolgreich gelaufen ist.“

Steckbriefe

Name: Carsten Hülss – Alter: 45 Jahre – Wohnort: Weyhe

Beruf: Berufsschullehrer in Bremen

Größte sportliche Erfolge: Deutscher Meister AK 40 bis 45 mit dem Crosslauf-Team des ATS Buntentor (2019 in Ingolstadt); Vizemeister im Einzel bei der Berglauf-DM 2019 in Breitungen

Vereine: LG Kreis Verden, LAV Zeven, ATS Buntentor (alle Leichtathletik), RSV Bruchhausen-Vilsen (Radsport)

Privates: Seit zwölf Jahren verheiratet mit Saskia; die Kinder Lina und Moritz sind 16 und 12 Jahre alt

Name: Saskia Hülss – Alter: 44 Jahre

Beruf: Gymnasiallehrerin an der KGS Brinkum

Größter sportlicher Erfolg: Gewinnerin der Oste-Cup-Serie 2016

Verein: ATS Buntentor

Name: Lina Hülss – Alter: 16 Jahre

Beruf: Schülerin der elften Klasse an der KGS Leeste

Größter sportlicher Erfolg: Sieg beim Sottrumer Abendlauf im Jahre 2019

Vereine: FTSV Jahn Brinkum (Leichtathletik), Weyher SV (Schwimmen)

Name: Moritz Hülss – Alter: 12 Jahre

Beruf: Schüler der siebten Klasse an der KGS Leeste

Größter sportlicher Erfolg: 4 x in Folge Sieger beim Sottrumer Abendlauf

Vereine: ATS Buntentor (Leichtathletik), Weyher SV (Schwimmen), SV Wiking (Segeln), JC Weyhe (Judo)

Seit dem Wiedereinstieg von Carsten Hülss (erst für den LAV Zeven und jetzt für ATS Buntentor) ist die gesamte Familie im Laufen vereint. Gemeinsame Trainingsausflüge gibt es aber selten bis gar nicht. Und das liegt nicht daran, dass Vater Hülss leistungsmäßig so weit vor den anderen liegt. „Wir bilden eigentlich immer zwei Gruppen. Ich laufe mit Lina und meine Frau Saskia dann mit Moritz. Das liegt daran, dass die Kids, wenn sie zusammen laufen, schon mal Stress miteinander kriegen“, sagt der Berufsschullehrer und schmunzelt dabei. Momentan liegt alles wegen Corona etweas auf Eis. „Ich finde es schade, dass wir im Augenblick kein Training haben“, sagt der zwölfjährige Moritz.

Aber auch das Radfahren kommt in der Familie Hülss, die seit 2008 in Weyhe wohnt, nicht zu kurz. Noch während Carsten von seinen Aktivitäten erzählt, rennt Tochter Lina in den Keller. Als sie dann zurückkommt, sagt sie fast stolz: „Ich habe durchgezählt. Da stehen 14 Räder.“

Carsten Hülls ist seiner alten Liebe Radsport immer noch in etwas überschaubarem Rahmen treu geblieben: „Zwei- bis dreimal pro Woche fahre ich mit dem Rad zur Arbeit. Hin und zurück sind das 36 Kilometer.“ Und Lina ergänzt noch: „So ganz langsam ist Papa nicht. Ich habe mal auf den Tacho geguckt und gesehen, dass er im Durchschnitt so 30 km/h fährt. Nicht schlecht.“

Die Schinderei hat sich gelohnt: Carsten Hülls holte 2019 Silber bei der Berglauf-DM in Breitungen.

Radfahren und Laufen: Wäre nicht der Duathlon da die ideale Sportart, um in seiner Altersklasse noch mal richtig durchzustarten? Der DM-Mannschaftsmeister im Crosslauf (2019 mit Buntentor) und Zweiter der Deutschen Berglauf-Meisterschaft (ebenfalls 2019) verneint das: „Der Gedanke ist mir schon mal gekommen, aber die Sache wäre viel zu zeitintensiv, wenn ich beide Sportarten massiv trainieren wollte. Da würde auf alle Fälle die Familie drunter leiden. Und das ist das Letzte, was ich möchte.“

Buchwald machte mal eine Andeutung

Carsten Hülss wohnt seit längerer Zeit in Weyhe und gehört in seiner Altersklasse zu den besten Langstrecklern im Kreis. Doch bisher hat es kein Verein aus dem Kreis geschafft, sich den 45-Jährigen zu angeln. Mit dem LAV Zeven und ATS Buntentor feierte und feiert Hülss große Erfolge. Konkrete Anfragen von heimischen Clubs, etwa vom LC Hansa Stuhr, gab es dagegen bislang nicht. „Stimmt. Ich kann mich noch an einen Silvesterlauf in Fahrenhorst erinnern, der ja vom LC Hansa ausgerichtet wird. Bei der Siegerehehrung sagte der Hansa-Vorsitzende Berthold Buchwald mal zu mir, dass es ja auch im Kreis Diepholz gute Vereine geben würde. Das war’s aber auch schon. Ich fühle mich aber bei Buntentor auch sehr wohl.“

Carsten Hülss indes hat vielmehr Spaß daran, wenn der ganze Trupp zusammen ist. Dazu passt eine Begebenheit aus der näheren Vergangenheit. Familie Hülss fährt im Sommer (da ist es billiger) auch schon mal nach St. Moritz in die Schweiz, um eine Art Trainingslager abzuhalten. „Da sind wir an einem Tag mal 1 000 Höhenmeter gelaufen. Irgendwann hat Moritz dann gesagt, dass er keinen Zentimeter mehr läuft oder geht und hat seine Schuhe ausgezogen. Ich habe dann mit Engelszungen auf ihn eingeredet, dass es doch nicht mehr weit ist und er eine Belohnung bekommt, wenn wir wieder unten sind. Was man als Vater eben so macht. Zum Glück sind wir dann an ein Schneefeld gekommen, wo er dann hingelaufen ist und auf dem Hosenboden ins Tal gerutscht ist. Da hatte er so einen Spaß daran, dass es mir richtig warm ums Herz geworden ist. Und solche Momente möchten ich und meine Frau auf keinen Fall missen. Dafür stecke ich bei eigenen Amibitionen gern zurück. Aber ich bin auch froh darüber, dass die Familie meine Leidenschaft teilt und nicht sauer ist, wenn ich auch mal nicht da bin, weil ich vielleicht mal allein zu einer Meisterschaft fahre.“

Das kommt aber im Hause Hülss nur ganz selten vor . . .

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