Stuhrs Marathon-Mann biss sich durch die Saison – und siegte in Serie

Start-Nr. 25: Weder Schmerzen noch Ärzte können Sebrantke stoppen

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Immer in den Startlöchern: Selbst grippegeschwächt war Oliver Sebrantke hier bei der Marathon-WM noch zum Strahlen zumute.

Stuhr - Was treibt einen Mann dazu, ungeachtet wochenlanger Knieschmerzen und einer dunkelgelben Karte vom Arzt einfach weiterzulaufen – und das täglich über zehn, 20 oder gar 40 Kilometer? „Es ist die pure Leidenschaft für meinen Sport.“

Als Oliver Sebrantke das sagt, schwingt die Begeisterung in seiner Stimme mit. Der Marathon-Mann vom LC Hansa Stuhr kann nicht anders. Ohne einen täglichen Halbmarathon als Training in der Mittagspause oder nach Feierabend, ohne durchschnittlich einen Wettkampf pro Wochenende geht der gelernte Bankkaufmann „die Wände hoch“. Und „wenn ich irgendwo starte, will ich gewinnen.“ Das klappte auch vergangenes Jahr bestens.

Fünf seiner sechs Marathons beendete er als Sieger, hinzu kam die Betriebssport-Europameisterschaft im Halbmarathon. Die Krönung erlebte der 37-Jährige aber Mitte Oktober während der Marathon-WM in Brasilien. Mit der deutschen Mannschaft sicherte sich der in Frankfurt arbeitende IT-Spezialist Teamgold, und in der Einzelwertung sprang Bronze in seiner Altersklasse AK 35 heraus. Doch dieser dritte Platz wurmt ihn heute noch: „Hätte man mir vorher gesagt, dass ich da die Bronzemedaille holen würde, hätte ich geantwortet: Klar, gerne! Aber bei hundertprozentiger Fitness wäre mehr drin gewesen.“

Doch ausgerechnet in dieser heißen Phase der Saison streikte das rechte Knie zunehmend. Viel hätte nicht gefehlt, und Sebrantke hätte an dieser stark beanspruchten Stelle einen Ermüdungsbruch davongetragen. „Das passiert eben, wenn man wie die meisten Männer O-Beine hat und diese Art des Laufens eine bestimmte Stelle stark belastet“, erklärt der Ausnahme-Athlet. Die Knochendichte schwand bedrohlich, doch der Arzt scheiterte mit seinen Appellen zum Aussetzen an Sebrantkes Dickschädel. Nicht nur, weil sein „Heimspiel“ in der Hansestadt und die WM anstanden, sondern vor allem, weil der Mann vom LC Hansa das Laufen als „Sucht“ bezeichnet. Also rannte er in Bremen seinen dortigen bisherigen Rekord und gönnte sich vor dem Event in Brasilien ein paar Tage Ruhe. Daran schien sein Körper allerdings nicht gewöhnt: „Ich weiß nicht, was es war – eine Grippe oder ein Virus. Jedenfalls war ich total schlapp. Trotzdem schleppte er sich durchs Training, rannte nach seiner Ankunft in Südamerika verschiedene Promenaden in Argentinien und Uruguay entlang und sammelte so weitere Meilen. „Das ist ganz schön, wenn man die Routen nachher anhand seiner GPS-Uhr auf dem Rechner nachvollziehen kann“, grinst der Weltenbummler mit der Mega-Lunge.

Während des WM-Wettkampfs fühlte sich Sebrantke so mies wie selten zuvor, doch die beiden Treppchenplätze entschädigten ihn für die Qualen. „Natürlich würde ich so etwas jederzeit wieder machen“, stellt der Stuhrer klar.

Für dieses Jahr steht aber erstmal die Europameisterschaft im türkischen Izmir an, wo er seinen EM-Titel verteidigen will. Auch der Bremen-Marathon ist selbstverständlich eingeplant. Ob Oliver Sebrantke allerdings seinen eigenen Rekord von 51 Wettbewerben aus dem Jahr 2013 herankommt, weiß er noch nicht. Auf Termine wie Crossläufe will der seit Silvester frisch gebackene Landesmeister in dieser Disziplin jedoch nicht verzichten – selbst wenn das Knie „gelegentlich noch Zicken macht“ und er sich des erhöhten Verletzungsrisikos bewusst ist. „Aber das Wiedersehen mit vielen alten Bekannten ist einfach zu schön.“ Und die Sucht nach diesem Sport zu groß.

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