TuS-Schwimmer Alexander Görzen überzeugt bei den Deutschen Meisterschaften

Die Wasserratte von Wagenfeld

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Ehre, wem Ehre gebührt: Wagenfelds DM-Schwimmer Alexander Görzen (M.) zusammen mit dem TuS-Vorsitzenden Andreas Siebrecht und der stellvertretenden Schwimm-Spartenleiterin Meike Bergmann.

Wagenfeld - Von Julian Diekmann. Was haben Thomas Rupprath und Alexander Görzen gemeinsam? Richtig, beide sind Schwimmer. Der eine mehrfacher Olympiateilnehmer, der andere Aktiver beim TuS Wagenfeld. Zudem erlernten beide die Sportart im Alter von sieben Jahren. So weit, so gut.

Seit dem vergangen Wochenende hat das Duo eine weitere Gemeinsamkeit. Beide sind Inhaber von Landesrekorden (50-Meter-Bahn). Während Rupprath die niedersächsischen Bestzeiten über die 50 Meter Rücken sowie 50 und 100 Meter Schmetterling innehat, ist Görzen frisch gebackener Rekordhalter über die 200 Meter Rücken. Geknackt hat er die Zeit bei den Deutschen Meisterschaften, die verganenes Wochenende in Berlin über die Bühne gingen. Dort erlebte der 22-Jährige den Höhepunkt seiner noch jungen Sportlerkarriere. Er schwamm sowohl das A-Finale über die 100 als auch über 200 Meter Rücken.

Über die 100 beziehungsweise 200 Meter Rücken nur sehr schwer zu schlagen: Alexander Görzen vom TuS Wagenfeld. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin belegte der Schwimmer jeweils den sechsten Platz.

„Ich kann kein Brustschwimmen“, erklärt Görzen, der seit 2013 für den TuS Wagenfeld an den Start geht, etwas verlegen. So etwas aus dem Mund eines DM-Teilnehmers zu hören, klingt schon etwas komisch. Ist aber auch nicht weiter schlimm. Dafür hat der Mindener Görzen andere Qualitäten. Wie zum Beispiel das Rückenschwimmen. Und diese Qualitäten stellte er bei der DM in der Bundeshauptstadt eindrucksvoll unter Beweis. „Ich lag im 200-Meter-Rücken-Finale bis 20 Meter vor Schluss an Position zwei, doch dann sind mir leider die Kraftreserven ausgegangen, denn ab 125 Metern fängt es an, richtig weh zu tun – so bin ich noch auf den sechsten von acht Plätzen zurückgefallen“, berichtet Görzen: „Doch die Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Immerhin war es die beste Zeit, die ich je über diese Distanz geschwommen bin.“ 2:01,94 Minuten, um genau zu sein – Landesrekord. „Es ist schon ein ziemlich gutes Gefühl, auf einer Liste mit Thomas Rupprath zu stehen. Es ist eine große Ehre für mich. Immerhin war Rupprath mein großes Idol als ich noch ein Kind war“, schwärmt Görzen von dem mittlerweile 40-Jährigen.

Erfolgreich auch über 100 Meter Rücken

Ähnlich erfolgreich verlief das A-Finale über die 100 Meter Rücken. Auch hier überzeugte der Athlet des TuS Wagenfeld auf ganzer Linie. „Ich war im Vorlauf sogar schneller (55,69 Sekunden) als im Finale (55,80). Von daher war ich in den ersten Minuten nach dem Endkampf schon etwas enttäuscht. Das hat sich aber schnell gelegt“, zeigt sich Görzen im Nachhinein versöhnlich: „Am Ende überwog, dass ich fast zwei identische Zeiten geschwommen bin. Das beweist mir, dass ich in Form bin.“ Zur Einordnung: Die Differenz zwischen seiner Vorlauf- und der Finalzeit beläuft sich gerade einmal auf eine halbe Handfläche. „Ich bin einfach nur stolz, dass ich in den beiden Disziplinen zu den besten Sechs in Deutschland zähle“, freut sich Görzen, der sich in den USA auf die Deutschen Meisterschaften vorbereitet hatte.

Genauer gesagt in Atlanta. Dort hatte Görzen Volkswirtschaftslehre studiert. „Als Stipendiat gehörte ich dort auch dem Uni-Schwimm-Team an und habe mich bei einem Wettkampf in den Staaten für die DM qualifiziert“, erinnert sich Görzen. „Da ich im Frühjahr mit dem Studium fertig war, konnte ich mich in den USA in aller Ruhe auf Berlin vorbereiten.“ Allerdings nur für eine begrenzte Zeit pro Woche. „Bei den Unis in den Staaten ist es so, dass Inhaber von Sport-Stipendien nur maximal 20 Stunden pro Woche trainieren dürfen. Das liegt daran, dass – vor allem die American Footballer – lieber die ganze Woche auf dem Sportplatz verbringen würden als im Vorlesungssaal. Daher die Begrenzung“, erzählt Görzen mit einem Schmunzeln, der auch schon mit dem dreifachen Olympiasieger von Rio, Ryan Murphy, zusammen im Becken war.

Wie es für Görzen nun genau weitergeht, ist noch offen. „Nach meiner Rückkehr aus den USA muss ich jetzt sehen, was ich genau mache. Entweder weiter studieren und den Master machen oder einen Job suchen. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Nur mit dem Schwimmen will ich definitiv weitermachen“, betont der TuS-Sportler. Sein großes Ziel sei, „einmal bei einer Europameisterschaft, einer Weltmeisterschaft oder bei den Olympischen Spielen dabei zu sein.“

Jetzt aber steht erst einmal Urlaub auf dem Programm. Und wer weiß, vielleicht nimmt Görzen in dieser Zeit auch Nachhilfeunterricht im Brustschwimmen . . .

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