Barrier erlebt in Tokio ein etwas anderes Marathon-Abenteuer

Warm-up für Wittmershaus

Jeans statt Laufhose: Dierk Wittmershaus hatte sich seine Tokio-Reise anders vorgestellt, es wurde dennoch ein einmaliger Trip. Foto: wittmershaus
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Jeans statt Laufhose: Dierk Wittmershaus hatte sich seine Tokio-Reise anders vorgestellt, es wurde dennoch ein einmaliger Trip.

Barrien - Dierk Wittmershaus ist 73 – den Blick auf die Welt aus Kinderaugen hat er sich bewahrt. Und so staunt Wittmershaus Bauklotze, als er mit seiner Frau Gudrun durch die futuristische Metropole Tokio flaniert. Wie auf Ameisenstraßen marschieren die Menschen durch die endlosen Häuserschluchten, an jeder Ecke blinken LED-Werbescreens, tauchen das rege Treiben dieser niemals schlafenden Stadt in die buntesten Farben. „Das ist alles unvorstellbar, es ist einmalig“, sagt ein baffer Wittmershaus.

Dabei hätte der Barrier auch miesepetrig durch Japans Hauptstadt laufen können. Kurz vor seiner Reise war er schließlich seines Traums beraubt worden. Wegen der Coronakrise war der Tokio Marathon für alle Freizeitläufer gecancelt worden, lediglich 200 Profis durften an den Start gehen. Für Wittmershaus war diese Absage besonders bitter. Denn mit dem Rennen hätte er zu einem elitären Club gehört. Noch im Zielbereich hätte er die „Six Star Finisher Medaille“ in den Händen gehalten. Berlin, Boston, New York City, London, Chicago – und eben Tokio. Die Laufveranstaltungen in diesen Städten gehören zu den World Marathon Majors. Wer sie alle finisht, bekommt die begehrte Medaille.

Wittmershaus wird warten müssen, nimmt es aber gelassen, sieht eher das Positive. „Vielleicht war es gar nicht so schlecht. Ich war ein Vierteljahr verletzt, daher nicht in Form. So hätte ich wohl überwiegend gehen müssen.“

Und dann kam ja auch direkt die Zusage reingeflattert, 2021 erneut einen Startplatz sicher zu haben. Insofern war 2020 ein gutes Warm-up für Wittmershaus. „Es ist alles super gut organisiert, alles ist super leicht zu finden. Ich habe mir schon vieles mal angeschaut; wo bekomme ich die Startunterlagen, wie ist es im Start- und Zielbereich.“ Dafür nutzte er die U-Bahn. Und hier wie auch auf den Straßen fiel Wittmershaus das hohe Hygienelevel auf. „Ich war begeistert von der Sauberkeit. Das ist ja der Wahnsinn“, sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Theoretisch könnte man selbst von den öffentlichen Toiletten essen.“

Apropos essen. „Im Hotel hat das Personal vor den Mahlzeiten genau darauf geachtet, ob man sich die Hände wirklich desinfiziert.“ Vorher gab es nichts auf die Gabel. Überhaupt habe an jeder Ecke ein Desinfektionsmittelspender herumgestanden. „Und 80, 90 Prozent der Leute liefen mit Mundschutz rum.“ Das Coronavirus war bereits allgegenwärtig.

Drei Wochen später hat die Pandemie auch das Alltagsleben in Barrien und umzu umgekrempelt. Für Wittmershaus, der vier- bis fünfmal die Woche die Laufschuhe schnürt, eine ziemliche Umstellung. „Zuvor bin ich eigentlich so gut wie gar nicht alleine gelaufen, in der Gruppe macht es einfach mehr Spaß.“ Am liebsten mit 37 500 Sportlern. So viele wären in Tokio am Start gewesen. Aber vielleicht bietet sich 2021 eine neue Chance. Wittmershaus ist gewappnet.

Hintergrund: Beifall im Flieger

Das Laufen hat Dierk Wittmershaus schon weit gebracht; und zwar auf alle Kontinente. Einen Lieblingsmarathon hat er nicht: „Alle haben was für sich.“ Doch eines beeindruckt den Barrier immer wieder: „In den USA herrscht eine ganz andere Begeisterung. Ich habe schon erlebt, dass das ganze Flugzeug angefangen hat zu klatschen, weil ein Mann mit Finisher-Medaille durch den Gang ging.“

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