Walter Brinkmann verabschiedet sich nach fünf Jahren vom TuS Sulingen / Der Verstand siegt über das Herz

„Mal sehen, ob sie mich weichkriegen“

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Walter Brinkmann (li.) und Thorolf Meyer haben sich stets Rückendeckung gegeben. Jetzt hört das Trainergespann beim TuS Sulingen auf.

Sulingen - Von Arne Flügge. Walter Brinkmann geht – und er hinterlässt ein bestelltes Feld. Nach fünf Jahren beim TuS Sulingen sitzt der 53-Jährige zum Saisonfinale der Fußball-Landesliga am Sonntag (15.00 Uhr) im Heimspiel gegen den SV Ramlingen-Ehlershausen zum letzten Mal auf der Trainerbank. Auch Co-Trainer Thorolf Meyer (38) hört auf, spielt künftig nur noch bei den Altherren. Im Interview blickt Brinkmann auf seine Zeit in Sulingen zurück. Und er weiß: Am Sonntag könnten auch „ein paar Tränen fließen“.

Herr Brinkmann, nach fünf erfolgreichen Jahren, fünf Jahren, in denen Sie sich mit Leidenschaft dem Club hingegeben haben, hören Sie nun beim TuS Sulingen auf. Glauben Sie, es wird sehr emotional?

Walter Brinkmann: Das ist schwer zu sagen. Es hängt auch davon ab, ob hier noch große Dinge passieren. Ich weiß nicht, ob die Jungs mich weichkriegen. Ich habe das ja schon ein paar Mal erlebt. Von daher habe ich mich vielleicht ein bisschen besser unter Kontrolle. Es kann aber auch sein, dass ein paar Tränen fließen. Wenn es so kommt, muss ich mich dafür aber auch nicht schämen.

Sie sind also auf alles vorbereitet?

Brinkmann: Ja, das bin ich. Der Abschied kommt ja nicht plötzlich. Erstens habe ich es ja so gewollt. Und zweitens haben wir es noch hinbekommen, eine vernünftige Rückrunde zu spielen, sind Fünfter geworden. Auch wenn nicht alles geglückt ist.

Wie zum Beispiel noch einmal ins Bezirkspokalfinale einzuziehen. Nach dem Viertelfinal-Aus in Godshorn hatte man das Gefühl, Sie hätten bereits ein wenig mit Mannschaft und Verein innerlich abgeschlossen. Ist das richtig?

Brinkmann: Das war der Situation geschuldet. Ich war frustriert, wirklich sehr enttäuscht. Ich hatte der Mannschaft gesagt, wie wichtig dieser Wettbewerb ist. Auch, um die Spannung hochzuhalten. Ich habe versucht, die Jungs auf das Spiel zu fokussieren. Wir haben aber keine Topleistung abgerufen und sind ausgeschieden. Das hat mich emotional tief getroffen. Zum Glück haben wir uns danach aber schnell wieder gefangen und sind in kein Loch gefallen.

Sie haben den TuS Sulingen von der Kreisliga in die Landesligaspitze geführt, haben den Bezirkspokal gewonnen, am NFV-Pokal teilgenommen und die Zweite in die Kreisliga gehievt. Hab’ ich irgendetwas vergessen?

Brinkmann: Den Kreispokalsieg mit der zweiten Mannschaft, die gute Entwicklung vieler Spieler und dass wir zwei Mal Mannschaft des Jahres geworden sind als Belohnung für die gute Arbeit im Verein.

Sorry, wo also soll künftig das Walter-Brinkmann-Denkmal im Sulinger Sportpark stehen?

Brinkmann (lacht): Das variiert. Nein, ich werde hier kein Denkmal hinterlassen. Aber ich werde die vielen Kontakte und Freundschaften weiterpflegen. Ein Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn wird es nicht geben. Dazu war meine Zeit hier ein viel zu wichtiger Bestandteil meines Fußballer-Lebens. Und das wird sie auch immer bleiben.

Haben Sie Ihren Entschluss in den vergangenen Wochen und Monaten jemals zumindest hinterfragt?

Brinkmann: Immer. Und mein Herz hat mir stets gesagt, es hätte auch weitergehen können. Mein Verstand aber hat mir gesagt, dass es die richtige Entscheidung ist. Und davon bin ich jetzt auch total überzeugt. Es war der richtige Entschluss zum richtigen Zeitpunkt.

Was genau hat Ihnen Ihr Verstand gesagt?

Brinkmann: Dass es nach so vielen Jahren keinen Sinn macht, sich an seinen Stuhl zu klammern. Veränderungen tun immer gut – einem Trainer und auch einer Mannschaft. Hier in Sulingen habe ich mit meinem Absprung einen Volltreffer gelandet. Das war nicht immer so. Rückblickend war ich bei manchen Clubs zu kurz, bei anderen aber auch zu lange.

Aber die Entscheidung ist Ihnen schon schwer gefallen.

Brinkmann: Ja, natürlich! Ich musste sie irgendwann treffen, aber es war nicht leicht. Man muss sich eingestehen, was man hier in Sulingen als Trainer aufgibt. Die Trainingsbedingungen sind unvergleichbar. Ich weiß, dass mir so etwas so schnell nicht wieder geboten wird.

Als Trainer mussten Sie in den fünf Jahren viele – manchmal auch unangenehme – Entscheidungen treffen. Was war die wichtigste, was die schwierigste?

Brinkmann: Die wichtigste war, dass ich Anfang letzten Jahres die Entscheidung getroffen habe, dass nicht nur die erste, sondern auch die zweite Mannschaft ganz wichtig ist. Die Zweite drohte auseinanderzufallen. Wir haben mit großem Erfolg das Team 30 gegründet. Somit ist die Zweite aufgestiegen und wird jetzt auch in der Kreisliga eine Toprolle spielen. Ich denke, mit dieser Entscheidung habe ich dem Verein einen großen Gefallen getan. Das werte ich für mich als die beste und wichtigste Entscheidung. Und die schwierigste? Nun wahrscheinlich war es die, hier aufzuhören.

Sie haben sicherlich in Sulingen auch abseits des Platzes einiges erlebt. Was fällt Ihnen da spontan ein?

Brinkmann: Wir sind klein angefangen, und nach meinem ersten Training vor fünf Jahren wollte ich meine Zelte schon wieder abbrechen. Zum Trainingsauftakt kamen nur elf Spieler, drei verspätet, zwei fehlten unentschuldigt. Da habe ich gedacht: Wo soll das hingehen? Insgesamt haben wir dann aber viele tolle Sachen erlebt und auch Erfolg gehabt.

Worauf hätten Sie lieber verzichtet?

Brinkmann: Es gab drei absolute Tiefpunkte: Der Tod unseres Betreuers Dieter Schröder hat bei uns allen tiefe Wunden hinterlassen. Und da waren die schweren Verletzungen von Niklas Klare (Schien- und Wadenbeinbruch/d. Red) und Thorolf Meyer (Kniescheibenbruch und Patellasehnenriss/d. Red.). Das war für mich und die Mannschaft emotional schwer zu verarbeiten. Das hat uns geprägt. Niklas ist ein absolutes Sonnenkind, und es hat schon wehgetan, wie schwer er sich verletzt hat. Und einen Spieler wie „Toto“ zu verlieren, ist natürlich immer absolut bitter.

Haben Sie aus diesen Verletzungen Konsequenzen für Ihre Arbeit gezogen?

Brinkmann: Ja, das habe ich. Als Trainer ist es nicht einfach, immer die richtige Mitte zu finden. Einerseits willst du Erfolg, du pushst deine Spieler bis an ihre Leistungsgrenze. Andererseits weißt du aber auch, dass damit das Risiko für schwere Verletzungen zunimmt. Ich bin davon ein bisschen weg, lasse nicht mehr nur Offensivpressing spielen. Manchmal kann man auch etwas tiefer stehen.

Ihr Nachfolger stand bereits fest: Björn Wnuck, Wunschkandidat des Vereins. Dann aber plötzlich die Rolle rückwärts, weil zwischen Abwehrspieler Manuel Meyer und Wnuck unüberwindbare Differenzen ans Tageslicht gekommen sind. Für die Außendarstellung des Vereins ein Fiasko. Wie haben Sie es erlebt?

Brinkmann: Es war ein unglücklicher Umstand. Ein Verein kann nicht jeden Spieler vorher fragen, ob er mit der Wahl des neuen Trainers einverstanden ist. Das ist unmöglich. Hätte der Verein aber im Vorfeld von den Umständen gewusst, wäre die Entscheidung sicher so nicht getroffen worden. Zwischen den beiden ist irgendetwas vorgefallen, was nicht mehr zu kitten ist. Aber das ist ja erst später bekannt geworden. Und einem Manuel Meyer, der so mit dem Club verbunden ist, den Laufpass zu geben, wäre undenkbar gewesen. Im Nachhinein war es richtig, zu sagen, so funktioniert es nicht. Das Risiko wäre zu groß gewesen. Eines ist aber auch klar: Über diese Situation waren wir alle nicht glücklich.

Jetzt tritt Maarten Schops in Ihre Fußstapfen. Trauen Sie ihm den Job zu?

Brinkmann: Absolut. Ich bin ganz und gar davon überzeugt, dass Maarten die Mannschaft gut führen wird. Natürlich ist es immer schwierig, wenn ein Spieler aus der Mannschaft heraus zum Trainer wird. Aber durch seine professionelle Einstellung wird Maarten die nötige Distanz aufbringen und noch mehr aus den Spielern herauskitzeln. Denn die werden wissen: Er wird uns fordern, jeden Einzelnen.

Sie wechseln nun zum Bezirksligisten SV Heiligenfelde. Warum Heiligenfelde?

Brinkmann: Peter Miklis hat mich vor fünf Jahren nach Sulingen geholt. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Aber ich habe damals eine riskante Entscheidung getroffen, zu einem Club zu gehen, der nicht gerade mit einer attraktiven Mannschaft geglänzt hat. Doch ich habe viele junge, hochtalentierte Spieler gesehen. Ich habe gespürt, da kommt was nach. In Heiligenfelde ist es ähnlich, was den Nachwuchs angeht. Dort wird Fußball gelebt, dort herrscht ein großer Zusammenhalt. Es ist nach wie vor für mich die beste Entscheidung, dorthin zu gehen.

Können Sie sich eine Rückkehr zum TuS Sulingen vorstellen?

Brinkmann: Das kann ich nicht beantworten.

Was werden Sie vermissen?

Brinkmann: Die Sportanlage und mein Wohnzimmer – den Kunstrasenplatz. Zum Glück kann ich den montags beim Stützpunkttraining weiter genießen.

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