Volleyball nur noch mit den Kindern

Aus Leeste ins Nationalteam: Zu Besuch bei Ex-Nationalspielerin Jutta Müller

Anfang 1997 war Jutta Müller (4.v.r./damals noch Weißenborn) mit der deutschen Mannschaft beim Nationenturnier in der Bremer Stadthalle dabei.
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Quasi ein Heimspiel mit der deutschen Nationalmannschaft: Anfang 1997 war Jutta Müller (4.v.r./damals noch Weißenborn) beim Nationenturnier in der Bremer Stadthalle dabei.

Jutta Müller (damals noch Weißenborn) war ein Ass im Volleyball - und sogar deutsche Nationalspielerin. Mittlerweile ist die frühere Weyherin 43 Jahre alt, Apothekerin Wildeshausen und hat mit ihrem Sport fast nichts mehr am Hut. In unserer Serie „Was macht eigentlich...?“ schaut sie zurück und verrät, was ihr heutzutage wichtig ist.

  • Jutta Müller und ihr Volleyball-Tagebuch - es ist wieder da!
  • Sie schwärmt noch immer von ihrer Leester Zeit und Peter Wätjen.
  • Das Pfeiffersche Drüsenfieber verhinderte ein weiteres Karriere-Highlight.

Wildeshausen – Neulich, beim Aufräumen des Dachbodens, fiel es ihr in die Hände. Ein kleines schwarz-rotes Buch, in dem Jutta Müller (geborene Weißenborn) ihre ereignisreiche Zeit als Volleyballerin festgehalten hat. Spielergebnisse, Vereinswechsel, Besonderheiten et cetera – eine Art Tagebuch ihrer Karriere. Neben anderen aussortierten Sachen hatte es viele Jahre in einem Karton verbracht, nun ist es wieder draußen – und sorgt dafür, dass die Erinnerungen an die 80er-, 90er- und 2000er-Jahre bei der 43-Jährigen sofort präsent sind.

Wie viele Länderspiele sie für die deutsche Nationalmannschaft gemacht hat? „Moment, ich schaue schnell nach“, sagt Müller und liefert dann sofort die Antwort: „Es waren insgesamt 43.“

Hinzu kamen etliche Partien in der ersten Bundesliga, zwei Auslandsstationen und schließlich das Ende der sportlichen Laufbahn in ihrer neuen Heimat Wildeshausen. Dort arbeitet die frühere Weyherin Müller, die in Marburg geboren ist, als Apothekerin. Zunächst selbstständig mit einem eigenen Geschäft, dann als Angestellte bei ihrem Vater Thomas. Und nun, nachdem er seine drei Apotheken (zwei in Wildeshausen, eine in Bassum) im Herbst 2020 verkauft hat, beim neuen Chef Ralf Oehlmann.

Mit 1,85 Meter wäre ich heutzutage zu klein für den Mittelblock. Da wird erst ab 1,90 Meter gesichtet.

Jutta Müller

Mit Volleyball hat sie fast gar nichts mehr am Hut. Hin und wieder, wenn sie mit ihrem früheren Lieblingssport in Berührung kommt, „kribbelt es ein bisschen“, sagt die ehemalige Mittelblockerin, „aber ich bin über 40 und habe ewig nicht mehr gespielt. Und nur in einer Hobbytruppe ein bisschen mitzumachen, ist nichts für mich.“

Ihre beiden Kinder Leonie (7) und Collin (6), die beide momentan Fußball spielen, hätten im vergangenen Jahr mal beim Volleyball reingeschnuppert: „Wir hatten in Wildeshausen eine coole Beach-Anlage, das hat richtig Spaß gemacht.“ Für ihre Tochter könnte Volleyball durchaus eine passende Sportart sein, meint Müller: „Sie hätte bestimmt Bock darauf“ – und ihr Sohn vielleicht auch.

Sprunggewaltig: Weißenborn als C-Jugendliche beim TSV Leeste.

Die volleyballerischen Voraussetzungen sind in Wildeshausen aktuell allerdings nicht so perfekt wie 1983 in Weyhe, als die sechsjährige Jutta Weißenborn den dynamischen Sport mit Pritschen, Baggern, Blocken und Schmettern für sich entdeckte. „Wir hatten beim TSV Leeste das große Glück, gleich eine ganze Gruppe mit Gleichaltrigen zu haben. Da konnten wir problemlos zweimal pro Woche trainieren.“ Hinzu kam ein Trainer, der den ganz jungen Talenten den Spaß am Volleyball vermittelte – und an den sich Müller deshalb besonders gerne erinnert: „Peter Wätjen war so engagiert, das war etwas ganz Besonderes.“

Die Leesterinnen triumphierten mit der E- und D-Jugend gleich zweimal bei den Deutschen Meisterschaften. Herausragend dabei: Die schon damals recht hoch aufgeschossene Jutta Weißenborn, die später noch bis auf 1,85 Meter wuchs und mit ihrem großen Talent natürlich auch anderen Vereinen auffiel. Mit 15 zog es sie für zwei Jahre zum Zweitligisten TvdB Bremen, es folgte der Schritt zum 1. VC Schwerte – damit war sie schon kurz vor ihrer Volljährigkeit in der ersten Bundesliga angekommen.

Die erste Station in der 1. Liga: Beim VC Schwerte spielte die inzwischen 43-jährige Jutta Müller in Deutschlands Top-Liga, noch bevor sie volljährig war.

Sie spielte in Schwerte Volleyball, ging dort zur Schule, machte ihr Abitur und begann dann ein Pharmazie-Studium in Düsseldorf. Weißenborn wohnte auf dem Campusgelände der Uni und wechselte 1998 für zwei Jahre zu Bayer Leverkusen. 1999 verschlug es sie für ein Auslandssemester ins kalifornische Santa Barbara. „Das wollte ich schon immer machen – es war total cool“, schwärmt sie noch heute. Nach Leverkusen kam noch ein zweijähriges Gastspiel beim ostbelgischen Erstligisten VBC Calaminia in Kelmis, „das ist nicht weit weg von Düsseldorf“. Dann machte sie ihr Examen, ging für ein Praxisjahr nach Hamburg – und hörte auf mit dem Volleyballspielen auf Spitzenniveau.

Steckbrief

Name: Jutta Müller (geborene Weißenborn).
Alter: 43 Jahre.
Wohnort: Wildeshausen.
Beruf: Apothekerin.
Größte sportliche Erfolge: Deutscher Meister mit der E- und der D-Jugend des TSV Leeste, Bronze bei der U 19-EM 1994 in Ungarn mit Deutschlands Juniorenteam, insgesamt 43 Länderspiele (Junioren und Erwachsene) für Deutschland.
Vereine: TSV Leeste (wurde dann zum SC Weyhe), TvdB Bremen, 1. VC Schwerte, Bayer Leverkusen, VBC Calaminia (Belgien), VfL Wildeshausen.
Privates: Müller hat zwei Kinder: Tochter Leonie ist sieben, Sohn Collin sechs Jahre alt.

Insgesamt kann Müller auf eine abwechslungs- und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Und, wie bereits erwähnt, auf 43 Spiele für Deutschland im Junioren- und Erwachsenenbereich. Ein Highlight war sicher die Junioren-EM 1994 in Ungarn, als die deutsche Mannschaft Bronze gewann – das seither beste EM-Ergebnis in dieser Altersklasse. 1997 durfte sie auch mit zur Frauen-EM nach Tschechien, „aber das war kein Highlight“. Deutschland flog früh raus. Um ein Haar wäre sie auch eine Olympionikin geworden. Im Kader für die Spiele in Atlanta 1996 habe die Annahme- und Block-Spezialistin bereits gestanden, doch dann bekam sie das Pfeiffersche Drüsenfieber – und der Olympia-Traum platzte.

Gruppenbild mit den Kindern Leonie und Collin – und Jutta Müller zeigt auch ihr Volleyball-Tagebuch, das sie kürzlich auf dem Dachboden gefunden hat.

Nach ihren Stationen in den Top-Ligen unterstützte sie ab 2004 noch den Landesligisten VfL Wildeshausen, ehe 2006 endgültig Schluss war. „Irgendwann wurde es mir einfach too much, beruflich selbstständig zu sein und am Wochenende dann noch wegen Volleyball loszutüdeln. Da war dann mal etwas anderes angesagt“, betont Müller.

Ihre sportliche Hauptbetätigung ist mittlerweile das Fahrradfahren. Fünf Kilometer bis zum Kindergarten auf der andere Seite Wildeshausens, dann wieder zurück. Und zum Abholen das Ganze noch einmal, jeweils mit Anhänger hinten dran. Das war jahrelang ihre tägliche Tour. Seit 2020 geht Tochter Leonie zur Schule – und aus Zeitgründen nutzt Müller nun ihr Auto für den Kinderbringdienst. Rad fährt sie aber nach wie vor gerne.

Laufen oder ins Fitnessstudio gehen mag die Apothekerin dagegen nicht so sehr: „Das ist mir zu langweilig. Ich bin Ballsportlerin.“ Mit Vereinen hat Jutta Müller inzwischen jedoch nur noch zu tun, wenn sie ihren Kindern zuschaut – vielleicht dann ja auch bald mal wieder beim Volleyball . . .

„Erkältungen gibt‘s fast gar nicht mehr“

Als Apothekerin bekommt Jutta Müller hautnah mit, welche Veränderungen die Corona-Pandemie gebracht hat – auch in der kalten Jahreszeit. „Halsschmerzen oder Erkältungen im Winter? Das gibt es fast gar nicht mehr“, sagt die 43-Jährige und nennt als Gründe die Maskenpflicht sowie die monatelangen Kontaktbeschränkungen. Zudem würden sich viele Menschen mit Arzneimitteln bevorraten, was wiederum dazu führe, dass die Apotheken-Notdienste deutlich weniger in Anspruch genommen würden. Müller hatte und hat in ihrem Job viel damit zu tun, die Kundschaft mit Masken und Desinfektionsmittel zu versorgen. Letzteres sei zwischendurch auch mal knapp geworden – „und dann haben wir es bei uns selbst hergestellt“, sagt sie und fügt an: „In diese Thematik muss man sich richtig reinarbeiten. Da reicht es nicht, nur Lösung A und Lösung B zusammenzukippen und fertig. Das ist ein hoher Aufwand.“ mr

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