Mit „Rock for Opi“ bei Turnieren: Heinz Delicat kennt auch mit 77 keine Scheu

„Volle Kanone“ im Sattel

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Die Symbiose zwischen Mensch und Pferd fasziniert Heinz Delicat seit jeher. „Der Reiter muss ein Gefühl für das Pferd entwickeln, nur so kann eine gegenseitige Harmonie entstehen.“

Nordwohlde - Von Daniel WiechertHaben die Delicats Weihnachten vergessen? Keine Kränze an den Türen, keine Lichterketten in den Fenstern, keine Nussknacker auf den Schrankregalen. Stattdessen allerorts güldene Hufeisen, auf den zahlreichen Familienporträts an den Wänden springt stets auch ein Pferd ins Bild. Hier wohnt ein Reitersmann! War eigentlich schon vor dem Schritt über Heinz Delicats Türschwelle in Nordwohlde klar: Denn auf dem Giebel des Stalls grüßt von weither sichtbar ein Holzpferd, in das Pflaster des Hofes ist ein Pferderelief eingearbeitet.

Seit der heute 77-Jährige Heinz Delicat mit zwölf Jahren das erste Mal auf einem Pferde rücken Platz genommen hat, ist aus dem Hobby Pferdesport ein fester Bestandteil seines Lebens geworden. Heute noch bestreitet Delicat Springreitturniere und verweist mit seinem Pferd „Rock for Opi“ seine mitunter mehr als drei Jahrzehnte jüngeren Kontrahenten oft auf die Plätze. Nach 65 Jahren im Sattel ist der Nordwohlder mit allen Wassern gewaschen, nichts kann ihn aus der Ruhe bringen – nicht mal falsche Hymnen bei Siegerehrungen.

Delicat nennt Pferde sein „Hobby“, doch dieser Begriff ist zu schwach: Durch den jahrzehntelangen täglichen Umgang mit den Pferden sind sie zu einem festen Bestandteil der Delicats geworden, haben sich in die Familien-DNA eingeschlichen.

Geburtstagslied statt Hymne bei Siegerehrung

Tochter Gaby Klaphake war eine erfolgreiche Ponyreiterin, räumte bei Europameisterschaften ab. Heinz Delicat denkt gern an diese Zeit zurück, er sprüht dann vor Anekdoten. Eine davon spielt bei Gabys erster EM in Belgien. Alles habe noch in den Kinderschuhen gesteckt. So sei der Turnierchef in Personalunion Parkwächter gewesen, „und als Gaby gewonnen hatte, hatten die Veranstalter nicht die deutsche Hymne. Da haben spontan alle ein Geburtstagslied angestimmt“, beschreibt Delicat den gleichermaßen komischen wie rührenden Moment.

Wenn der 77-Jährige an den Ursprung seiner eigenen Reitleidenschaft denkt, muss er bis in die 40er-Jahre zurückgehen. „Mein erster Ritt müsste 1948 gewesen sein“, sagt er. Damals war es üblich, dass die Pferde montags bis samstags beim Bestellen der landwirtschaftlichen Flächen mithalfen, nur am heiligen Wochentag hatten die Pferde frei. „Wir sind dann mit ihnen volle Kanone zur Weide geritten, wo sie sich entspannen konnten. Abends ging es dann aber nicht mehr so geschwind. Die Pferde waren so voll gefressen, dass es nur noch sehr gemächlich ging“, erinnert sich Delicat. Diese Weide-Ritte waren sein Hallo-Wach-Effekt: „Mit den kleinsten Bewegungen diese unbändige Kraft der Pferde zu steuern, faszinierte mich – und tut es noch heute“, sagt Delicat.

Das Motto „volle Kanone“ hat sich Delicat ebenfalls erhalten. Und zuweilen wird es brenzlig für ihn. Wie bei einer Reitjagd in Steyerberg: „Ich musste ein Hindernis überqueren, da guckt man natürlich geradeaus. Und direkt vor dem Sprung kommt plötzlich ein Hirsch von rechts angerauscht, berührt mein Pferd im Sprung. Zum Glück ging es glimpflich aus. Aber das sind Momente, die bleiben stets im Gedächtnis.“

Keine Reiterjacke? Dann eben das Kellner-Jackett

Der 77-Jährige ist jemand, der den Kick sucht, sich messen will. Manchmal musste er dafür auch improvisieren. Für ein Turnier in Pestinghausen hatte Delicat keine Reiterjacke dabei. Die Lösung fand sich kurzerhand, als er das weiße Jackett des Kellners erblickte. Da Delicat ein Freund von Taten ist, fackelte er nicht lange, sprach den Kellner an und flog als „Weißer Reiter“ über die Hindernisse. Er lieh sich nicht nur Kleider, sondern auch Pferde. So kam es, dass er sich Lucie von Willi Höft aus Bramstedt borgte. „Die Stute war trächtig. Aber Willi sagte nur: ‚Nimm sie mal ruhig mit, dann lernt das Fohlen es auch direkt‘“, erinnert sich Delicat.

Wie der Zufall es wollte, gehörte auch Inges Vater zu jenen, von denen sich der gebürtige Bramstedter Delicat gelegentlich Pferde für Turniere borgte. „Aber mein späterer Schwiegervater hatte nicht nur ein Pferd, sondern auch eine Tochter“, sagt Delicat lachend. Seit nunmehr 53 Jahren sind Heinz und Inge Delicat verheiratet, die Pferde sind dabei ein Bindeglied geblieben. Täglich machen sich die Delicats zu einem eineinhalbstündigen Ausritt auf.

Mit der Zeit frönte Heinz Delicat seiner Leidenschaft nicht nur bei Turnieren, er begann auch selbst Pferde auszubilden. So kam das Fohlen Pico unter seine Fittiche. Behutsam baute er Pico auf, trieb ihn Stück für Stück zu höheren Leistungen. Später kam der dunkelbraune Wallach zur niederländischen Olympiareiterin Anky van Grunsven, die mit Pico (später als Joker) Erfolge in der Dressur feierte.

Für Delicat selbst ist die Dressur kein Thema mehr, er beschränkt sich auf Jagd- und Springreiten: „Ich kann auch Dressur, aber mittlerweile ist mein Körper dafür nicht mehr elegant genug“, sagt Delicat und lacht wieder. Trotz kleiner körperlicher Zipperlein lässt es sich der 77-Jährige, der früher auf seinem Hof eine Kälber- und Schweinemast betrieb, nicht nehmen, täglich mit einem seiner drei Pferden auszureiten. Dazu gehört auch „Rock for Opi“. „Den Namen haben sich meine Enkel Felix, Laura und Enno ausgedacht. Es war ihr Wunsch, dass ich ihn für die Turniere so eintragen lasse“, erklärt Delicat.

Auch mit „Rock for Opi“ sorgte er 2013 für Furore. Bei Springwettbewerben der Klasse L grüßte Delicat fünfmal vom obersten Podest aus: „Während der Turniere höre ich dann häufiger die 40- bis 45-Jährigen tuscheln: ‚Den Alten schaffen wir nicht.‘ “ Wie wahr. Auch deshalb ist ein Ende von Delicats langer Leidenschaft nicht in Sicht: „Ich mache noch so lange weiter, bis mir meine Frau irgendwann die Rote Karte zeigt.“

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