Völkerverständigung im Syker Schmuddelwetter: Flüchtlinge spielen gegen Bassumer B-Jugend

Fußball – die gemeinsame Sprache

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Bassums B-Jugend-Fußballer und die Flüchtlings-Auswahl der BBS Syke friedlich beisammen – ein Bild, über das sich auch Schiedsrichter Andreas Henze (r.) freute.

Syke - Von Cord Krüger. Nieselregen von allen Seiten. Der Wind pustet die Nässe durch jede Trikotfaser. Zehn Grad, glitschiger Kunstrasen. Maxamed macht das alles nichts aus – und seinen Mitspielern aus Eritrea, Simbabwe, Afghanistan, Syrien und anderen Ländern ebensowenig. „Fußball ist im Moment das Beste, was ich habe“, sagt Maxamed und lächelt. Der Somalier und seine Mitschüler der Berufsbildenden Schulen in Syke treten an diesem Abend im Syker Hachestadion gegen die B-Junioren des TSV Bassum an. Seit Tagen freut sich das Team aus jungen Flüchtlingen auf dieses Duell.

Zu Hause in Somalia, berichtet Maxamed, habe er in einem Club gespielt. „Im defensiven Mittelfeld, als Sechser oder Achter.“ Doch vor gut zwei Jahren entschied er sich zur Flucht vor dem Bürgerkrieg. Neun Monate brauchte er bis nach Europa. „Quer durch die Sahara. Das war gefährlich“, schildert der 22-Jährige in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Lange musste er in Lybien ausharren, dann bot sich die Chance zur Fahrt übers Mittelmeer. „Fünf Tage auf dem Wasser. Ich hatte Angst.“ An Fußball dachte er da natürlich nie. Das Gespräch endet abrupt. Er wird eingewechselt.

Eingeladen zu diesem Vergleich hat Dennis Hammer. Der BBS-Lehrer trainiert in seiner Freizeit die Bassumer Landesliga-B-Jugend. „Einige der Jungs habe ich auf unseren Plätzen schon mal kicken sehen – also kam mir die Idee“, schildert Hammer. Für ihn die beste Art, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Bei seinem Kollegen Mario Schröder-Diering rannte er damit offene Türen ein. Der Pädagoge betreut neben dem Unterricht die Fußball-AG, der sich seit knapp einem Jahr immer mehr junge Flüchtlinge anschließen. Die verschiedenen Herkunftsländer spielen keine Rolle. „Ob andere Religionen oder Sprachbarrieren – das alles ist in dieser Mannschaft gar kein Problem“, berichtet Schröder-Diering: „Wir haben sogar drei Frauen dabei. Die sind deutsch.“

„Fußball verbindet eben“, sagt Hammer. Schon mehrfach hat er mit seinen U17-Fußballern über die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland gesprochen. Vor allem, als im Oktober in Bassum plötzlich ein Haus brannte, das die Stadt als Unterkunft im Auge hatte. Später stellte sich zwar heraus, dass es sich nicht um Brandstiftung handelte. Doch die Jungs waren trotzdem betroffen.

Wenig reden musste Hammer, um seine TSV-Youngster für dieses Freundschaftsspiel zu überzeugen – und Schröder-Diering brauchte nicht lange bei der Schulleitung zu betteln. Sie besorgte einen Satz Trikots. Auch Andreas Henze sagte sofort zu – nicht in seiner Eigenschaft als Chef des Fußballkreises, sondern als Schiedsrichter. „Eine tolle Gelegenheit, Einheimische und Neuankömmlinge zusammenzubringen“, findet der Kreisliga-Referee.

Viel zu tun hat er an diesem Abend nicht. Nach der Schweigeminute, in der alle Arm in Arm der Terroropfer von Paris gedenken, entwickelt sich ein schnelles Auf und Ab. Doch Henze muss in der ersten Hälfte nur zwei Fouls pfeifen. Zur Halbzeit führen die B-Junioren vor ein paar Lehrern, Berufsschülern und Kumpels auf der Stehplatztribüne mit 2:0. Am Ende schafft die Flüchtlings-Auswahl noch ein 2:2. „Wie es sich für ein Freundschaftsspiel gehört“, schmunzelt Henze. Solche Aktionen, betont er, „werden wir vom Fußballkreis weiter unterstützen“.

Maxamed hätte ebenfalls gern mehr davon. „Unser Teamgeist ist gut, jeder respektiert jeden.“ Am liebsten würde er in einer richtigen Mannschaft spielen. In einer Liga um Punkte. Wie zu Hause. „Das wäre schön.“

ck

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