Neue Internet-Plattform „POACHER“ hilft Amateurfußballern und Vereinen bei der Suche

Die virtuelle Wechselbörse

Die vier Gründer von„Poacher“ im Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen.
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Das sind die vier Gründer von „Poacher“: Yannik Jaeschke, Marcel Andrijanic, Noel Below und Oliver Ioannou (von links) posieren im Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen – beim Fünftligisten (Oberliga Westfalen) spielt Below seit 2018.

Sebbenhausen – Vier Fußballer haben einen Online-Tummelplatz für die Amateurligen entwickelt. Spieler finden Vereine, Vereine finden Spieler. Und zwar kostenlos – auch für die Clubs aus der Region sicher eine interessante Geschichte.

  • Spieler finden Vereine, Vereine finden Spieler.
  • Eine Mischung aus Xing und Facebook.
  • Fokus liegt zunächst auf der Region.

Suche Linksverteidiger, nicht älter als 25, mit Landesliga-Erfahrung und Qualitäten bei Standards. So könnte es ein Verein formulieren. Oder aus Spielersicht: Klassischer Mittelstürmer mit körperlicher Wucht und Kopfballstärke möchte mindestens in die Landesliga, gerne im Landkreis Diepholz oder der näheren Umgebung. Eine neue Internet-Plattform hat sich genau diese Vermittlungen zur Aufgabe gemacht. Wer suchet, der findet nun auch im Amateurfußball.

Spieler finden Vereine, Vereine finden Spieler

Spielerberater ist im Profifußball längst ein sehr einträglicher Job. Bei den ganz großen Deals räumen die Agenten selbst Millionen ab. Zudem investieren die Vereine nicht gerade wenig Geld in ihre Scoutingabteilungen, damit ihnen möglichst keine Talente durch die Lappen gehen – und sie wissen, woher sie wen und wann holen können. Innerhalb und vor allem unterhalb der Regionalligen fehlen meistens die finanziellen Mittel für aufwändige Beobachtungen. Je niedriger die Spielklasse, umso unwahrscheinlicher sind intensive Sichtungsaktivitäten. Und nur wenige Aktive in der fünften, sechsten oder siebten Liga leisten sich eigene Berater. Genau dort setzt die Plattform „POACHER“ an: Vier Fußballer haben einen Online-Tummelplatz für die Amateurligen entwickelt. Spieler finden Vereine, Vereine finden Spieler. Und zwar kostenlos – auch für die Clubs aus der Region sicher eine interessante Geschichte.

„Vereine von der Regionalliga abwärts bis zu den Kreisklassen, die kein professionelles Scouting haben, können dort suchen und filtern – bequem von Zuhause aus“, sagt Yannik Jaeschke: „Und die Spieler, die sich präsentieren möchten, können ihre Profile mit Fotos, Videos und Statistiken anreichern. Wir sagen immer: Es ist quasi eine Mischung aus Xing und Facebook.“

Woher stammt die Idee zu „POACHER“?

Yannik Jaeschke: Noel Below spielte einst bei Victoria Hamburg in der Regionalliga. Als er wechseln wollte, „hatte er keinen Berater und keine richtige Anlaufstelle“, berichtet Yannik Jaeschke: „Später hatte er diese Idee mit der Plattform und hat Marcel Andrijanic und mir davon beim Training in Erndtebrück erzählt – wir waren sofort Feuer und Flamme.“ Im Februar nahmen die Drei und der vierte Gründer Oliver Ioannou, mit dem Andrijanic derzeit beim SV Drochtersen/Assel (Regionalliga) spielt, das Projekt so richtig in Angriff. Seit Juni besteht die POACHER Sports GmbH – sie wirbt auf der Homepage mit dem Slogan: „Von Fußballern für Fußballer“.

Hat das Portal direkte Konkurrenten?

Yannik Jaeschke: „Es gibt ein, zwei Anbieter, die es ähnlich machen – einer ist auch ziemlich neu, den anderen in Hamburg gibt es seit drei, vier Jahren. Die setzen es aber etwas anders um“, sagt Jaeschke: „Und auch in Österreich machen sie so etwas in der Art. Aber was das Komplettpaket angeht, würde ich schon sagen, dass wir ein Alleinstellungsmerkmal haben.“

Woher kommt der Name?

Yannik Jaeschke: Das englische Wort Poacher bedeutet übersetzt Wilderer oder Wilddieb. Klingt erst mal nicht ganz so nett. Doch im Fußballer-Jargon ist die Umschreibung „bei anderen Vereinen wildern“ durchaus gebräuchlich. „Und ein Poacher ist im Fußball ein Abstauber – das passt also auch, wenn quasi Spieler abgestaubt werden. Wir finden, der Name klingt ganz cool und ein bisschen frech“, meint Jaeschke. Der Vorschlag kam von Noel Below.

Was kostet die Nutzung?

Yannik Jaeschke: „Für Vereine ist unser Angebot komplett kostenlos“, betont Jaeschke. Die Spieler, die sich anmelden möchten, können wählen zwischen der Basis-Variante (gratis) – und der mit mehr Funktionen ausgestatteten Premium-Version, die ab 3,95 Euro pro Monat zu haben ist.

Was bietet die Plattform noch?

Yannik Jaeschke: Unter www.poacher-sports.de können nicht nur Vereine neue Spieler und Spieler neue Vereine finden, es gibt beispielsweise auch noch eine interaktive Community. Hier haben die User die Möglichkeit zum Posten, Chatten und Austausch mit anderen Nutzern.

Was hat Hendrik Weydandt damit zu tun?

Yannik Jaeschke: Der Mittelstürmer von Zweitligist Hannover 96 ist „der beste Freund“ (Jaeschke) von Torben Engelking (24). Sie spielten einst gemeinsam beim 1. FC Egestorf/Langreder, nun ist Engelking Jaeschkes Teamkollege in Havelse. Und er vermittelte den Kontakt. Weydandt (25) ist ein Werbegesicht für „POACHER“. „Er kam ja aus dem Amateurbereich direkt zu 96, mit diesem Werdegang bot es sich natürlich an“, meint Jaeschke, der selbst mehrfach gegen Weydandt gespielt hat. Mit dem Hannoveraner Angreifer gibt es ein eigens produziertes Video, zudem postet oder liked er Beiträge mit „POACHER“-Bezug in den Sozialen Medien.

Der 27-Jährige gehört zu dem Quartett, das im Juni 2020 das Start-Up-Unternehmen offiziell gegründet hat und mit dem Projekt seit dem 5. Dezember online ist. Zumindest in der Beta-Version, was bedeutet, dass das Angebot noch erweitert wird und bislang nicht alle Funktionen zur Verfügung stehen. „Wir haben uns seit Dezember aber schon weiterentwickelt. Mittlerweile können beispielsweise auch Videos hochgeladen werden. Und eine kostenpflichtige Premium-Version ist nun auch buchbar.“

Jaeschke wohnt mit seiner Verlobten Jule im alten Haus seiner Eltern (haben neu gebaut) in Sebbenhausen (Landkreis Nienburg) und spielt beim TSV Havelse. Seine Mannschaft ist Tabellenführer der Regionalliga Nord (Staffel Süd) und Konkurrent des BSV Rehden. Der Offensivmann studiert an der Leipniz Universität in Hannover im siebten Semester Wirtschaftswissenschaften und hat kürzlich seine Bachelor-Arbeit geschrieben. Bei „POACHER“ kümmert er sich hauptsächlich um die Finanzen und das Personal, das künftig – eine gute Entwicklung vorausgesetzt – aufgestockt werden soll. Die anderen drei Gründer sind Fußball-Kumpel, zwei von ihnen kennt Jaeschke aus seiner Zeit beim TuS Erndtebrück. Marcel Andrijanic (28) und Noel Below (27) sind beim Gemeinschaftsprojekt für das Marketing, die Akquise und den Vertrieb zuständig. Der Vierte im Bunde, Oliver Ioannou (31), verantwortet den Bereich IT.

Schwerpunkt liegt auf Niedersachsen, Bremen und NRW

Zunächst richten die Vier den Fokus auf Regionen, die sie selbst gut kennen: Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen – und dort anfangs hauptsächlich auf die Vereine, um in ihrer Angebotspalette „eine gute Basis“ zu schaffen. „Wir profitieren von unseren Netzwerken“, sagt Jaeschke. Bisher haben sich „mehrere Hundert“ Nutzer (Vereine und Spieler) angemeldet, Vermittlungen habe es jedoch noch nicht gegeben. „Es läuft ja gerade erst an. Wir hoffen vor allem auf den Sommer mit der Transferperiode – und dann am besten ohne Corona“, betont Jaeschke. Die Pandemie habe den Start des Projekts durchaus beeinflusst. Die Kabinengespräche der Spieler fallen aktuell komplett weg, die extrem wichtige Mundpropaganda kommt quasi gar nicht erst zustande.

„POACHER“ finanziert sich über Werbeeinnahmen

Aber die Vier sind trotzdem nicht unzufrieden, zumal das Fundament stehe. Mit dem Online-Sportartikelshop „Outfitter“ gibt es einen Partner und Unterstützer, zudem eine Kooperation mit dem auf Amateurfußall spezialisierten Streamingdienst „Sporttotal“. Größtenteils finanziert sich „POACHER“ laut Jaeschke über Werbeeinnahmen. Je bekannter das Portal, desto lukrativer das Geschäft. „Kurz- und mittelfristig wollen wir unser Produkt so gut es geht an den Markt bringen“, sagt Jaeschke: „Langfristig möchten wir uns deutschlandweit etablieren. Es wäre super, wenn die Spieler wöchentlich oder bestenfalls täglich bei uns reingehen und auch die Community ordentlich boomt. Das ist unsere Vision.“

Für Below und Andrijanic sei „POACHER“ schon jetzt ein Fulltime-Job. „Sie arbeiten acht bis zehn Stunden pro Tag“, berichtet Jaeschke. Der ehemalige Werder-Spieler (Jugend und U 23), der anschließend auch noch beim SV Rödinghausen aktiv war, kann sich wegen seines Studiums derzeit noch nicht vollumfänglich einbringen. Doch das soll sich schon bald ändern.

Yannik Jaeschke: Weiter in Havelse? Noch ist alles offen

Seit 2017 spielt Yannik Jaeschke für den Nord-Regionalligisten TSV Havelse. Ob er aber auch über den Sommer hinaus beim aktuellen Spitzenreiter der Süd-Staffel (trainiert per Sondergenehmigung seit dem 4. Januar) bleibt, ist noch offen. Sein Vertrag läuft aus – und der 27-Jährige sagt: „Ich fühle mich hier wohl, die Saison lief sehr gut für uns als Mannschaft und auch für mich persönlich, bis Corona uns ausgebremst hat.“ Jaeschke (sechs Tore in neun Spielen) ist sehr ehrgeizig und würde gerne noch etwas höher angreifen. „Wenn etwas Interessantes kommt, könnte es gut sein, dass ich es dann auch mache.“ Sollte mit dem TSV der Sprung in die Dritte Liga gelingen, wäre es für ihn „der Idealfall“ und „ein Riesending“.

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